Bibliotheken - Eine Einrichtung mit Zukunft?

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Jens Boyer ist Leiter der Stadtbüchereien Hamm und blickt mit gutem Gewissen in die Zukunft der Bibliotheken

Hamm - "Wenn wir etwas wissen wollten, mussten wir noch in die Bibliothek gehen", so heißt es oft von Eltern oder Großeltern. Heute hingegen sind Informationen nur ein paar Klicks entfernt. Durch das Internet erfährt man in null Komma nichts, was man wissen wollte. Jens Boyer, der Leiter der Stadtbüchereien Hamm, erklärt, wieso Bibliotheken dennoch auch wichtig bleiben.

Wie lange arbeiten Sie schon in der Bibliothek?

Boyer: Ich bin seit ca. 20 Jahren in der Branche tätig. Mein Einstieg Mitte der 1990er Jahre fand zeitgleich mit dem Aufstieg des Internets und der Internetangebote statt, weshalb diese Zeit sehr prägnant für Bibliotheken war und ich die Entwicklung gut mitverfolgen konnte.

Welche Aufgaben hat eine Bibliothek Ihrer Meinung nach? Und warum sind sie für uns wichtig?

Boyer: Ganz klar: Informationen sammeln, aufbereiten und vermitteln. Bibliotheken sind gerade deshalb wichtiger denn je für uns, weil es keine Garantie dafür gibt, dass im digitalem Zeitalter die Informationen immer bereitstehen und dass sie erhalten bleiben.

Leihen eher junge oder ältere Leute Bücher aus? Was für Bücher sind es dann meistens?

Boyer: Unser Klientel besteht zum größten Teil aus Erwachsenen und älteren Menschen, die dann meistens Romane oder Hobbybücher ausleihen, und aus Studenten, die sehr viel die Räumlichkeiten zum lernen nutzen und eher Fachbücher ausleihen. Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren sind weniger vertreten.

Ist Ihrer Meinung nach die Nachfrage in Bibliotheken gesunken?

Boyer: Nein, da sich die Bibliotheken mit der Zeit entwickelt haben und auch das anbieten was eine hohe Nachfrage hat. Das Spektrum der Angebote ist auch viel breiter gefächert als früher. Zum Beispiel werden inzwischen E-Books, Informationen in Datenbanken und vieles mehr angeboten.

Welches Ziel haben Bibliotheken für die Zukunft?

Boyer: Enger in Kontakt und Austausch mit den Besuchern und Nutzern zu treten, um herauszufinden, wo noch eine große Nachfrage herrscht und dafür zu sorgen, dass es uns gelingt dieses auch anbieten zu können.

Kristina Eirich

Umfrage: Interessieren sich Hammer Jugendliche wirklich immer noch für Büchereien?

Hamm - Büchereien sind eine der ältesten Erfindungen überhaupt. Es gab sie schon im Alten Ägypten, viele Jahrhunderte vor der Erfindung des Buchdrucks. Doch welche Bedeutung haben sie heute, wo viele Informationen im Internet jederzeit verfügbar sind? Yourzz hat 100 Hammer Jugendliche zwischen 13 und 23 Jahren zu diesen Thema befragt:

Viele Jugendliche nutzen die Bücherei, um in Ruhe zu lernen oder Zeit zu überbrücken. Allerdings besucht mehr als die Hälfte der Befragten seltener als einmal im Monat eine Bücherei. Nur fünf Prozent gaben an, dass sie einmal pro Woche in die Bibliothek gehen.

Viele Büchereien sind online aktiv und bieten Apps oder Websites an, mit denen man die geliehenen Medien ganz entspannt über ein Mobilgerät abrufen kann. Allerdings gaben 58 Prozent der befragten Jugendlichen an, dass sie sich nicht sonderlich für die Onlineangebote ihrer Bücherei interessierten. 

Zusätzlich angeboten werden oft auch Spiele, Filme und andere multimediale Medien. 59 Prozent der Jugendlichen greifen allerdings, wenn sie in der Bücherei sind, ganz klassisch zum Buch. 16 Prozent leihen regelmäßig Computer- oder Videospiele aus, 11 Prozent greifen auf das Filmangebot zurück.

In einem abschließenden Fazit gab die Hälfte der Befragten an, dass sie davon ausgehen, dass es Büchereien weiterhin in ihrer jetzigen Form geben wird, zum Beispiel, weil sie für schulische Zwecke wichtig sind. Ein Drittel denkt, dass die Konkurrenz gegenüber den Onlineangebot stark bleibt, aber trotzdem beides parallel existieren wird.

Quelle: wa.de

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