Syrerin Sahar al Hendi möchte Kunst studieren

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Sahar al Hendi kommt aus Damaskus in Syrien, ist Künstlerin und lebt seit Ende 2015 in der Burgstadt Altena.

Altena - Wer das kleine Zimmer von Sahar al Hendi in der Frauen-WG in Altena betritt, der sieht sofort: Hier lebt eine Künstlerin – wenn auch nicht ganz freiwillig.

Überall stehen Staffeleien, angefangene oder schon fertige Kunstwerke. Die 25-Jährige arbeitet daran, irgendwann in ihrem Traumberuf arbeiten zu dürfen. Seit Ende 2015 lebt Sahar al Hendi in der Burgstadt. Sie stammt aus Damaskus, der Hauptstadt des vom Bürgerkrieg gequälten Syrien. 

In Altena hatte sie zunächst eine karge Gemeinschaftswohnung an der Bachstraße bezogen. Mit ihren eigenen Bildern machte sie es sich so schön wie möglich. Einige Monate lebte al Hendi in einer WG in der Innenstadt mit weiteren geflüchteten Frauen, hatte dort ihr eigenes Zimmer. Von Luxus war auch diese Behausung weit entfernt. 

Anfang Mai aber bezog die Syrerin ihre eigene Wohnung im Stadtteil Knerling. Langeweile dürfte bis dahin kaum aufgekommen sein. Denn neben der Kunst besucht sie zweimal wöchentlich einen Integrationskurs und arbeitet auch zwischendurch regelmäßig an ihren Deutschkenntnissen. 

Nadja Mehari (rechts) ist Flüchtlingshelferin beim Altenaer Stellwerk und hilft Sahar al Hendi bei Übersetzungen.

„Um die Sprache zu lernen, ist eine kleine Stadt wie Altena ideal, denn man wird sozusagen gezwungen, Deutsch zu sprechen“, sagt die 25-Jährige lächelnd. Ganz flüssig klappt das noch nicht, deshalb hilft die Flüchtlingshelferin Nadja Mehari vom Altenaer Stellwerk bei der Übersetzung. 

Wenn es nach al Hendi geht, würde sie Altena gerne irgendwann verlassen. „Für die Arbeit möchte ich in eine größere Stadt wie Berlin.“ Innenarchitektin möchte sie werden, und da gebe es in einer Großstadt einfach mehr Möglichkeiten. Vielleicht sei ja vorher in Altena oder der Umgebung ein Praktikum möglich.

Die Flucht hat die Familien auseinandergerissen

Verwandte hat sie in der Burgstadt nicht. Die Flucht aus Syrien hat die Familie auseinandergerissen: Ihre Eltern und der kleine Bruder leben in Schweden, Großeltern und Tanten in Berlin. Ein Wiedersehen hat es immerhin schon gegeben – in der Bundeshauptstadt. Zwei Onkel allerdings sind noch in Syrien. Dorthin jedoch möchte die kunstbegabte junge Frau nicht zurück. „Vielleicht zu Besuch, wenn wieder Frieden ist.“ Wann das ist, weiß derzeit niemand. 

Und auch bis zum Traumberuf sind für Sahar al Hendi noch einige Hürden zu nehmen: Zunächst muss sie noch besser Deutsch lernen, um ein Masterstudium aufnehmen zu können. In ihrem Heimatland hat sie schon ein Studium abgeschlossen, die Zeugnisse wurden mittlerweile übersetzt und in Deutschland anerkannt.

Die gebürtige Syrerin träumt davon, irgendwann in ihrem Traumberuf arbeiten zu dürfen.

Die verbleibende Zeit vertreibt sie sich also mit Malen. Körper und Gesichter von Frauen sind auf den Bildern zu sehen – ziemlich dunkel und ziemlich abstrakt. Auch bei Ausstellungen, etwa in Berlin oder Iserlohn, hat sie ihre Kunst schon Interessierten gezeigt. Zwar hat Sahar al Hendi schon einige Kontakte in Deutschland knüpfen können. Trotzdem würde sie sich über einen netten Menschen freuen, mit dem sie an ihren Deutschkenntnissen arbeiten kann, der ihr bei den Hausaufgaben helfen oder mit dem sie einfach mal einen Kaffee trinken kann.

Lesen Sie hier mehr über Sahar al Hendi.

Quelle: wa.de

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