Konjunktur

Corona: Neuer Schock für deutsche Wirtschaft – Absturz wird wohl viel schlimmer als befürchtet

Flaute in der Gastronomie: Bis die deutsche Wirtschaft wieder richtig Tritt fasst, wird es noch dauern.
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Flaute in der Gastronomie: Bis die deutsche Wirtschaft wieder richtig Tritt fasst, wird es noch dauern.

Die Corona-Krise tritt auch die deutsche Wirtschaft mit Wucht. Die jüngste Erholung verliert an Schwung. Bis die Wirtschaftsleistung wieder das Vorkrisenniveau erreicht, wird es noch dauern.

München - Die Corona*-Krise trifft die deutsche Wirtschaft härter als befürchtet. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Herbstgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute hervor.

Corona: Neuer Schock für deutsche Wirtschaft – Absturz wird wohl viel schlimmer als befürchtet

Danach dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 5,4 Prozent schrumpfen. Anfang April hatten die Institute noch mit einem Minus von 4,2 Prozent gerechnet. Die Bundesregierung rechnet aktuell mit einem Minus von 5,8 Prozent.

Auch für das kommende Jahr sind die Institute nun vorsichtiger. Für 2021 erwarten die Institute nun noch ein Wachstum von 4,7 Prozent nach einem Plus von 5,8 Prozent zuvor. Das Vorkrisenniveau werde die deutsche Wirtschaft voraussichtlich erst Ende 2021 wieder erreichen, heißt es in der Gemeinschaftsdiagnose.  

Konjunktur: Trübe Aussichten für Tourismus, Hotellerie und Gastgewerbe

Zur Begründung für ihre Einschätzung verweisen die Volkswirte vor allem auf die Entwicklung in den von der Krise besonders betroffen Branchen wie Gastgewerbe, Hotellerie, Tourismus und Luftverkehr. Die entsprechenden Branchen würden „noch längere Zeit unter der Corona-Pandemie leiden und erst dann am Erholungsprozess teilhaben, wenn Maßnahmen zum Infektionsschutz weitgehend entfallen, womit wir erst im nächsten Sommerhalbjahr rechnen“, sagte der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Prof. Stefan Kooths.

Zudem hielten sich viele Unternehmen angesichts „verschlechterter Eigenkapitalpositionen“ bei Investitionen zurück. Demgegenüber erwiesen sich die im Frühjahr besonders drastisch eingebrochenen Exporte als wichtige Stütze.

Konjunktur: Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Mit Blick auf die Beschäftigungsentwicklung erklärten die Institute, die Arbeitslosenquote dürfte in diesem und im nächsten Jahr bei 5,9 (2019: 5,0) Prozent liegen und 2022 leicht auf 5,5 Prozent zurückgehen. Die Konjunkturprogramme hätten dazu beigetragen, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte selbst in der akuten Krisenphase insgesamt relativ stabil geblieben seien.

Das größte Risiko für die Prognose bleibe jedoch der ungewisse Pandemieverlauf, hieß es. Bei ihrer Einschätzung unterstellen die Volkswirte, dass die Schutzmaßnahmen bis zum kommenden Sommer die wirtschaftliche Erholung nicht weiter beeinträchtigen. Unsicher sei zudem, in welchem Umfang es in Deutschland und im Ausland noch zu Unternehmensinsolvenzen kommen könnte.

Erst vor wenigen Tagen hatte etwa der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth, gegenüber Merkur.de* vor „einer schlagartig höheren Insolvenzrate“ nach dem Jahreswechsel gewarnt. Dann soll die zum 1. Juli in Kraft getretene Lockerung des Insolvenzrechts auslaufen. Auch der Mittelstandsverband BVWM befürchtet eine neue Pleitewelle.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das Ifo-Institut in München, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sowie das Essener RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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