Streit um neue Datenschutzregeln

Wirbel um Whatsapp: Facebook nimmt viel Ärger in Kauf - warum?

Soll ich den neuen WhatsApp-Datenschutzbestimmungen zustimmen? Was passiert da überhaupt? Wir erklären, warum der Wirbel um das Update so groß ist.

München - Bei WhatsApp* gelten von diesem Samstag an neue Datenschutz-Bedingungen. Kritiker warnen vor neuen Möglichkeiten zum Daten-Austausch mit der Konzernmutter Facebook*. WhatsApp bestreitet das und betont, es gehe darum, die Basis für mehr Kommunikation mit Unternehmen zu legen. Zugleich will der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar ein Wörtchen mitreden. Wir erklären Details des Hickhacks:

Was passiert am 15. Mai?

WhatsApp will seine neuen Datenschutz-Bestimmungen in Kraft setzen. Entgegen früheren Ankündigungen sollen Nutzer, die dem Update nicht zugestimmt haben, zunächst weiter ohne Einschränkungen auf den Chatdienst zugreifen können. Einige Wochen später wird der Funktionsumfang für sie aber schrumpfen.

Was wird passieren?

Zunächst werden diese Nutzer nicht mehr auf ihre Chatliste zugreifen können, so WhatsApp in einem Blogeintrag. Eingehende Audio- und Videoanrufe wird man noch annehmen sowie über Benachrichtigungen auch Chat-Nachrichten beantworten können. Wenige Wochen später werde WhatsApp dann weder Anrufe noch Nachrichten an die Smartphones der Nutzer schicken. In dieser ganzen Zeit sollen die Nutzer immer wieder daran erinnert werden, den Änderungen zuzustimmen.

Worum geht’s bei den Änderungen?

Mit der Aktualisierung sei keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook vorgesehen, das betonte WhatsApp stets. Es gehe vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. Auch an der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chat-Inhalte nur für die teilnehmenden Nutzer im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt. Außerhalb der EU fließen bereits seit 2016 einige Nutzerdaten an Facebook, etwa zu Werbezwecken. WhatsApp unterstreicht, dass der Nachrichtenaustausch mit Unternehmen anders gestaltet sei als der mit Familie oder Freunden. „Wenn du mit einem Unternehmen über Telefon, E-Mail oder WhatsApp kommunizierst, kann es die Informationen aus diesen Interaktionen mit dir für eigene Marketingzwecke verwenden. Dies kann auch Werbung auf Facebook einschließen“, hieß es.

Warum die Aufregung – auch in Deutschland?

Seit Ankündigung der Änderungen im Januar sorgen Warnungen vor einem stärkeren Datenaustausch mit der Konzernmutter Facebook für Unruhe bei den Nutzern – trotz der Dementis von WhatsApp. Es hagelte Kritik, Nutzer wanderten zu anderen Messengern ab. Am Dienstag hat der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar eine Anordnung erlassen, in der Facebook untersagt wird, Daten von WhatsApp für eigene Zwecke zu nutzen. Er warnt, dass die neuen Regeln die Tür für einen stärkeren Datenaustausch mit anderen Facebook-Unternehmen öffneten. WhatsApp kontert, die Anordnung basiere „auf einem grundlegenden Missverständnis von Ziel und Folgen des Updates“ und werde die Einführung der neuen Regeln nicht aufhalten.

Facebook nimmt viel Ärger in Kauf – warum?

Das Online-Netzwerk hat 2014 den potenziellen Rivalen WhatsApp 2014 für am Ende rund 22 Milliarden Dollar übernommen. Bisher trug der Dienst wenig zum Konzerngewinn bei. Der aktuelle Plan ist, Geld zu verdienen, wenn Unternehmen mit ihren Kunden über WhatsApp kommunizieren – die Regeländerung ist eine Voraussetzung dafür. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Liu Jie/dpa

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