“Höchste Alarmstufe“ bei Autokonzern

Juristen waren schon in Aufruhr - VW-Spitze wusste wohl früher von Abgasaffäre

War zum Zeitpunkt der Aufdeckung der Abgasaffäre Vorstandschef bei VW: Martin Winterkorn führte den Konzern mehr als acht Jahre lang.

Die Abgasaffäre beschäftigt VW offenbar schon länger als bislang angenommen. Einem Bericht der SZ zufolge war die Konzernspitze schon vor der Aufdeckung durch US-Behörden informiert.

München - In der Abgasaffäre gerät die VW-Konzernspitze mit ihrer Verteidigungsstrategie einem Medienbericht zufolge zusehends in die Defensive. Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer Mittwochsausgabe, dass entgegen der Behauptung der VW-Führung, sie sei am 18. September 2015 durch US-Behörden von der Abgasaffäre überrascht worden, in der Konzernzentrale schon vorher "höchste Alarmstufe" geherrscht habe. Führende Juristen, Kontrolleure und Motorenentwickler, darunter Vertraute des damaligen Vorstandschefs Martin Winterkorn, hätten in E-Mails davor gewarnt, dass die Lage außer Kontrolle gerate.

In einer Mail vom 13. September 2015 von Bernd Gottweis - damals bei VW für Problemfälle zuständig - an einen führenden Juristen hieß es der Zeitung zufolge: "Volkswagen hat jegliche Glaubwürdigkeit bei den Behörden verloren." Es sei kurzfristig mit einer Klageschrift der US-Justiz zu rechnen. Das Eingeständnis, bei den Abgaswerten in den USA geschummelt zu haben, habe den Konflikt mit den Umweltbehörden nicht beigelegt. Laut SZ fanden sich ähnliche Aussagen damals zuhauf.

Wer wusste wann Bescheid? Die VW-Chefs wollen erst durch US-Behörden von der Abgasaffäre informiert worden sein.

Mail zur nicht erkennbaren Reue von VW in den USA macht Runde unter Juristen

Ebenfalls am 13. September schrieb demnach ein ranghoher Entwickler unter anderem an den VW-Markenvorstand Heinz-Jakob Neußer, die Lage mit den US-Behörden habe sich erneut verschärft. Und am 12. September hätten sich führende Juristen des Konzerns eine Mail weitergeleitet, wonach VW in den USA keine erkennbare Reue gezeigt und die Produktion fehlerhafter Autos habe weiterlaufen lassen.

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VW will Schadenersatzklagen von Aktionären in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro abwehren. Die Aktionäre werfen dem Autobauer vor, sie nicht rechtzeitig über die Abgas-Manipulationen und deren drohenden finanziellen Folgen informiert zu haben. Der Konzern wehrt sich mit dem Hinweis, er habe im September 2015 auf einen Deal mit den US-Behörden gehofft. Dass die US-Umweltbehörde EPA den Fall dann öffentlich machte und einen Gesetzesverstoß feststellte, habe der VW-Vorstand als ein "schockartiges Erlebnis" beschrieben, wie die Zeitung aus einem Schriftsatz zitiert.

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Dagegen heißt es in dem Beitrag des Rechercheverbunds aus SZ, NDR und WDR ein ranghoher VW-Verantwortlicher habe bereits im Juli 2015 eine interne Untersuchung und eine Unterrichtung der Aktionäre verlangt. Ein Jurist sage, er habe den Vorständen berichten wollen, sei aber nicht zu Wort gekommen.

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afp

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