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Vermisster Tengelmann-Chef: Einsatzkräfte geben auf - Letzter Funken Hoffnung bleibt

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Karl-Erivan Haub

Die Hoffnung, den vermissten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub lebend zu bergen, sinken weiter. Die Retter sind mit ihrem Latein am Ende, helfen könnte jetzt wohl nur noch ein Wunder.

Update vom 14.4.2018, 14.40 Uhr

Bei der weiteren Suche nach dem mit hoher Wahrscheinlichkeit verunglückten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub setzen die Einsatzkräfte in den Schweizer Alpen jetzt vor allem auf einen Zufallsfund. „Wenn zum Beispiel ein Bergführer etwas entdecken würde, würde sofort wieder ausgerückt werden“, sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Wallis am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit seien jedoch alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Eine gezielte Suche sei möglicherweise sogar erst nach der Schneeschmelze möglich.

Haubs Familie hatte am Freitag mitgeteilt, sie habe die Hoffnung aufgegeben, den vermissten Milliardär noch lebend zu finden. Nach mehr als sieben Tagen „in den extremklimatischen Bedingungen eines Gletschergebietes“ bestehe keine Überlebenswahrscheinlichkeit mehr, hieß es in einer Tengelmann-Erklärung im Namen der Familie.

Die sogenannte Überlebendensuche wurde inzwischen auf eine Bergungssuche umgestellt. Dabei gehen die Helfer unter anderem nicht mehr allzu hohe Risiken ein. Haub war am vergangenen Samstagmorgen allein zu einer Skitour am Klein Matterhorn aufgebrochen und am Nachmittag nicht wie verabredet ins Hotel in Zermatt zurückgekehrt.

Stand am Freitag: Suche nach Tengelmann-Chef wird wiederaufgenommen

Die Suche nach dem bei Zermatt vermissten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kann nach einer Wetterbesserung weitergehen. „Wir starten gleich mit Hubschraubern und Suchtrupps“, sagte der Zermatter Rettungschef Anjan Truffer der Deutschen Presse-Agentur am Freitagmorgen. Haub war vergangenen Samstag allein zu einer Skitour auf über 3800 Metern am Klein Matterhorn aufgebrochen. Er kehrte nicht zurück.

Nach Angaben von Truffer soll am Freitag wieder intensiv sowohl auf Schweizer als auch auf italienischer Seite nach Haub gesucht werden. Rund 20 Rettungsspezialisten seien im Einsatz. Den ganzen Donnerstag hatte ein starker Sturm im Gletschergebiet die Suche verhindert.

Die Chance, Haub (58) noch lebend zu finden, sind praktisch auf den Nullpunkt gesunken. Am Mittwoch sprach der leitende Rettungsarzt in Zermatt, Axel Mann, noch von einer minimalen Chance. Man könne bei guter Ausrüstung einige Tage im Eis überleben. Allerdings war Haub nicht mit dickem Skianzug unterwegs, sondern in leichter Sportkleidung mit Windjacke, weil er für einen der schwierigsten Wettbewerbe im Skibergsteigen trainieren wollte, die Patrouille des Glaciers.

Stand am Donnerstag: „Minimale Überlebenschance“

Zermatt - Die Suche nach dem seit Samstag vermissten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub konnte wegen eines Sturms am Klein Matterhorn bei Zermatt zunächst nicht fortgesetzt werden. Die Wetterlage auf der Schweizer und der italienischen Seite werde laufend neu beurteilt, sagte der Sprecher der Kantonspolizei, Markus Rieder, am Donnerstag. In Zermatt selbst schien die Sonne mit freier Sicht auf das Matterhorn. Einige Bergbahnen fuhren aber wegen starker Winde nicht.

Rettungskräfte konnten nicht ausrücken

Die Rettungskräfte konnten am Morgen nicht wie geplant ausrücken, sagte der Rettungschef von Zermatt, Anjan Truffer. Wann sich das Wetter bessere, sei zunächst nicht abzusehen. Über das weitere Vorgehen werde in enger Absprache mit der Familie entschieden.

Haub habe ein Lawinensuchgerät dabei gehabt, sagte Truffer. Bei guten Batterien könne das zwei bis drei Wochen Signale senden - wenn es eingeschaltet war. Es sei schon einmal ein Überlebender nach sechs Tagen gefunden worden, sagte Truffer. Der sei aber mit dickem Skianzug und Schlafsack bestens gegen die Kälte ausgestattet gewesen. Haub habe dagegen für seine als Kurztrip geplante Trainingstour nur leichte Kleidung getragen. „Nach drei bis vier Tagen muss man sich bewusst sein, dass die Überlebenschancen deutlich sinken“, sagte Truffer.

Angehörige haben Entscheidung über Ende der Suche

Ein Suchtag mit Hubschraubern kann nach Angaben von Truffer rund 25000 Euro kosten. Solange eine Überlebenschance besteht, werde auf jeden Fall gesucht. Die Kosten übernähmen dann meist Unfallversicherungen. Die Entscheidung über einen Abbruch der Suche werde immer mit den betroffenen Familien gefällt. Die Angehörigen des Milliardärs haben den Rettern nach Angaben von Truffer alle nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt. Wenn die Finanzierung gesichert sei, könne unbegrenzt weiter gesucht werden, so Truffer.

Haub (58) gehört zu den reichsten deutschen Unternehmern. Zu dem von ihm geleiteten Familienimperium gehören unter anderem Deutschlands größter Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi. Er war am Samstag zu einer Skitour am Klein Matterhorn bei Zermatt in der Schweiz aufgebrochen. Dort verschwand er spurlos. Retter spekulieren, dass er von einer Lawine erfasst oder in eine Gletscherspalte gestürzt sein könnte. Auch eine Straftat wurde zunächst aber nicht ausgeschlossen.

Haubs Familie schlug am Sonntagmorgen Alarm. Seitdem haben zeitweise 60 Rettungskräfte in dem schwierigen Terrain auf Schweizer und italienischer Seite nach ihm gesucht. Der leitende Rettungsarzt Axel Mann sah am Mittwoch nur noch eine minimale Überlebenschance.

Lesen Sie auch: Erfahrener Bergretter erklärt: So kompliziert ist die Suche nach dem Tengelmann-Chef

dpa/fn

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