„Unsere Politik ist so aufgebaut...“

Tesla-Fabrik als Todesstoß für deutsche Hersteller? Klartext von „Autopapst“ Dudenhöffer: „Schizophren“

VW-Boss Herbert Diess (l.) zusammen mit Elon Musk, Tesla-Chef, in einem Hangar des Braunschweiger Flughafens im September 2020
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VW-Boss Herbert Diess (l.) zusammen mit Elon Musk, Tesla-Chef, in einem Hangar des Braunschweiger Flughafens im September 2020.

Ab Sommer sollen Tesla-Modelle in Deutschland gefertigt werden. Der Anfang vom Ende für die deutsche Auto-Riege? Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erklärt sein Szenario.

  • Tesla will ab Sommer 2021 an seinem ersten europäischen Standort Elektroautos und Energiespeicher produzieren.
  • Stellt das Gigafactory-Projekt* des US-Unternehmens einen Wendepunkt auch für deutsche Autohersteller dar?
  • „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer erklärt, wie groß aus seiner Sicht die Gefahr für die heimische Industrie ist.

Brandenburg/Duisburg - Vom exotischen Elektroauto-Hersteller zum megaerfolgreichen Imperium: Tesla ist zum gewinnbringenden Unternehmen mutiert und baut in Brandenburg bei Berlin den ersten europäischen Standort, wo die US-Marke Fahrzeuge und Energiespeicher produzieren wird.

Angesichts der steilen Erfolgskurve gibt es zunehmend Gerüchte, dass der E-Auto-Gigant traditionsreiche deutsche Autokonzerne wie Daimler schlucken könnte. Für nicht wenige Skeptiker taugt die neue Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin auch als Sinnbild für den Niedergang der deutschen Autoindustrie. Immerhin gelingt es der Führungsriege um Elon Musk schon seit geraumer Zeit, immer mal renommierte Manager anderer Hersteller zu locken.

Tesla als Gefahr für Daimler und Co.? „Dann kann es auch für die Autobauer interessant sein...“

Wenn es nach Deutschlands „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer geht, sind Bedenken für ein Ende der deutschen Auto-Ära jedoch nicht gerechtfertigt. Vielmehr könne die Ansiedlung des US-Elektroautobauers im Osten der Republik sogar ein Gewinn für hiesige Konkurrenten sein. Gegenüber der dpa sagte der Branchenexperte: „Auch im Wettbewerb gibt es Möglichkeiten, gemeinsame Dinge zu machen, zum Beispiel, wenn es ums autonome Fahren geht oder bei ähnlichen Innovationen. Dann kann es auch für die Autobauer interessant sein, in Deutschland jemanden zu haben, der die Systeme mit forciert.“

Im Sommer 2021 soll die erste europäische Fabrik von Tesla in Grünheide den Betrieb aufnehmen - und pro Jahr eine halbe Million Elektroautos fertigen. Außerdem soll es sich bei dem Neubau um die weltgrößte Batteriefabrik handeln. Hierbei tun sich für Elon Musk und Co. jedoch immer wieder Probleme auf: Aktuell ruhen bei der neuen Tesla Gigafactory wieder mal die Arbeiten. Es geht um viele Millionen Euro - und Umweltaspekte im Hinblick auf Waldrodungen.

Hält es Automobilexperte Dudenhöffer für möglich, dass Tesla-Chef Musk nach Zukäufen unter deutschen Konkurrenten sucht? „Er hat bisher mit keinem Wettbewerber zusammengearbeitet und er versucht, seinen Technologievorsprung, von dem er überzeugt ist, vom Wettbewerb wegzuhalten“, ist der Direktor des „CAR-Center Automotive Research“ in Duisburg überzeugt.

Elektroautos in Deutschland: Kaufprämie? „Autopapst“ teilt gegen Bundesregierung aus

Dudenhöffer, der kürzlich auch über die Wettbewerbsvorteile von Tesla sprach, kritisiert zudem die staatliche Förderung von Verbrennern und auch E-Autos: „Unsere Politik ist so aufgebaut, dass sie alte Arbeitsplätze lassen und gleichzeitig das neue Auto verkaufen will. Das ist schizophren“, so der Volkswirt. Der Diesel- und Benzinpreis liege nur bei etwas mehr als einem Euro. „Ein richtiger Anreiz wäre gewesen, den Sprit einen Euro teurer zu machen. Dann müssen sie die Subvention auch nicht mit Steuergeld von einer Krankenschwester bezahlen, die vielleicht gar nicht Auto fährt.“ Die Kaufprämie der Bundesregierung für E-Autos beträgt derzeit bis zu 9000 Euro.

Mit Hochdruck sucht Tesla derweil Mitarbeiter für den neuen Standort in Ostdeutschland. Mittlerweile gibt es Informationen, wie viel man bei dem US-Hersteller in Brandenburg verdienen kann:

Autofahrer und Führerscheinprüflinge müssen sich 2021 auf einige Änderungen einstellen, etwa bei der Haftpflichtversicherung für Autos oder der Kfz-Steuer. (PF mit Material der dpa) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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