Ökostrom kostet künftig mehr

Berlin - Die deutschen Verbraucher müssen sich im kommenden Jahr auf leicht steigende Kosten für die Förderung erneuerbarer Energien einstellen. Warum sich Umweltminister Norbert Röttgen trotzdem freut.

Die von allen Bürgern über den Strompreis zu zahlende Ökostrom-Umlage wird 2012 von 3,5 auf knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde steigen. Die vier Übertragungsnetzbetreiber als Verwalter des Umlagekontos bestätigten am Freitag bereits vorab bekanntgewordene Zahlen. Insgesamt kostet die Förderung einen Durchschnittshaushalt pro Jahr je nach Verbrauch 120 bis 150 Euro. Die Umlage wird 2012 auf rund 3,59 Cent je Kilowattstunde steigen.

Die Förderung war von Rot-Grün im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor elf Jahren festgelegt worden und gilt inzwischen europaweit als Erfolgsmodell. Allerdings sind ständig Förderkürzungen notwendig, da in Bereichen wie der Solarenergie die Anlagenpreise stark gefallen sind. Die Bundesregierung dringt darauf, dass Ökoenergien rasch marktfähig werden und die Förderung schrittweise auslaufen kann.

Umweltminister Norbert Röttgen.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zeigte sich erfreut über den nur moderaten Anstieg. “Mit der Energiewende wird der Umstieg unserer Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien deutlich beschleunigt“, sagte er am Freitag in Berlin. Die stabile Entwicklung der Umlage zeige, “dass unser Ziel einer weiteren Steigerung auf mindestens 35 Prozent bis 2020 machbar ist und dass die Maßnahmen zur Kostenbegrenzung Wirkung zeigen“, betonte Röttgen.

Insgesamt ergibt sich für kommendes Jahr ein Umlagebetrag von rund 14,1 Milliarden Euro. Darin enthalten ist ein Nachholbetrag für die vergangenen zwölf Monate von etwa 700 Millionen Euro. Für 2012 wird erneut eine deutlich steigende Einspeisung aus Ökoenergie-Anlagen prognostiziert, da in den vergangenen Monaten viele neue Anlagen, insbesondere im Bereich Photovoltaik an das Netz angeschlossen worden sind. Ende 2010 lag allein die installierte Photovoltaik-Leistung in Deutschland bei insgesamt 17,3 Gigawatt (Millionen Kilowatt).

Vertreter der Energiebranche hatten Kosten von 3,8 bis 4 Cent pro Kilowattstunde für kommendes Jahr erwartet, weil das Konto vor der Bekanntgabe der Umlage stark im Minus war. In der Branche wird von einer “politischen Umlage“ besprochen - eine deutliche Steigerung hätte die Energiewende der Regierung in Misskredit bringen können und zu neuen Angriffen auf die umfangreiche Ökoenergieförderung geführt. Nächstes Jahr werden weitere mittelständische Unternehmen mit hohem Stromverbrauch von der Umlage weitgehend befreit, so dass sie auf weniger Schultern verteilt wird und daher steigen könnte.

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Branche betont, dass dank der Umlage neue Jobs entstehen, Kommunen höhere Steuereinnahmen haben, das Klima geschützt wird und keine milliardenschweren Folgekosten wie bei Atom- und Kohlestrom entstehen. Der Bundesverband Erneuerbare Energien verweist darauf, dass 2011 Umweltschäden in Höhe von 5,8 Milliarden Euro und der Import fossiler Rohstoffe in Höhe von 2,5 Milliarden Euro vermieden werden könnten. Hinzu kämen 3,1 Milliarden Euro Ersparnis durch die Dämpfung der Strompreise und 7,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung in den Kommunen - mehr als 370 000 Menschen arbeiten in diesem Bereich.

Röttgen betonte, insgesamt hätten die erneuerbaren Energien den Ausstoß der Treibhausgase 2010 um rund 118 Millionen Tonnen vermindert. Mit Blick auf Umfragen sagte der Umweltminister, dass daher rund 80 Prozent der Bürger eine Umlage von rund 3,5 Cent pro Kilowattstunde für angemessen hielten.

dpa

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