Finanzspritze dringend benötigt

Mehdorn braucht mehr Geld für Hauptstadtflughafen

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Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft, Hartmut Mehdorn.

Schönefeld - Auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens geht Ende des Jahres das Geld aus. Wie viel sein Chef Mehdorn noch braucht, hat er bisher nur in vertraulicher Runden gesagt. Jetzt könnte es Klarheit geben.

Der Aufsichtsrat des neuen Hauptstadtflughafens diskutiert an diesem Freitag eine weitere Finanzspritze für das Milliardenprojekt. Im Gespräch sind 1,1 Milliarden Euro zusätzlich, um den Bau fertigzustellen und den Anwohnern Schallschutzfenster einzubauen. Die Summe hatte Mehdorn nach Angaben aus Teilnehmerkreisen im Finanzausschuss des Aufsichtsrats genannt, der am Donnerstagabend in Schönefeld abermals tagen sollte. Über Ergebnisse drang nichts nach außen. Mehdorn gab am Donnerstag auch Haushaltspolitikern im Bundestag Einblick in die Kassenlage.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ (Freitag) sagte der Manager auch den Parlamentariern, dass er weitere 1,1 Milliarden Euro brauche. Die Baukosten für den drittgrößten deutschen Flughafen hätten sich damit seit dem ersten Spatenstich 2006 von 2 Milliarden auf insgesamt 5,4 Milliarden Euro erhöht. Dazu führten neben Planungsfehlern und Baumängeln auch Vergrößerungen des Projekts.

Zuletzt hatten der Bund, Berlin und Brandenburg als Eigentümer des Flughafens BER in Schönefeld vor eineinhalb Jahren 1,2 Milliarden Euro nachgeschossen. Davon sind nach „Handelsblatt“-Angaben 325 Millionen Euro ausgezahlt. Die restlichen 875 Millionen solle der Aufsichtsrat nun freigeben. Mehdorn hatte angekündigt, dass ihm am Jahresende das Geld ausgeht.

Ähnlich äußerte sich am Donnerstag der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). „Ich gehe davon aus, dass genügend Spielraum für 2014 da ist“, sagte er im Abgeordnetenhaus. Der Aufsichtsrat werde die Wirtschaftspläne für 2014 beraten. Thema dürfte auch der Jahresabschluss der Flughafengesellschaft sein, die ebenfalls die alten Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld betreibt. Die geplatzte Eröffnung des Vorzeigeprojektes BER hatte das Unternehmen 2012 trotz steigender Passagierzahlen in die roten Zahlen gedrückt.

Brandenburg will in der Sitzung eine längere Nachtruhe für die Anwohner durchsetzen. Bislang ist ein Flugverbot von 0.00 Uhr bis 5.00 geplant und höchstrichterlich genehmigt. Potsdam folgt jedoch einem Volksbegehren, das fordert, dass von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr nicht geflogen wird, was Berlin und der Bund ablehnen. Als Kompromiss will Brandenburg beantragen, zumindest am Morgen erst ab 6.00 Uhr zu fliegen. Auch das lehnen jedoch die beiden anderen Gesellschafter ab.

Thema im Aufsichtsrat wird auch der Stand der Arbeiten auf der Baustelle sein. Der Umbau geht nur schleppend voran. Wowereit sagte im Parlament: „Ein Terminplan zur Eröffnung wird nicht vorgelegt werden können, da die notwendigen Baufortschritte an der Entrauchungsanlage noch nicht so weit einzuschätzen sind.“

Mehdorn will vom Aufsichtsrat zudem den Auftrag, den alten Flughafen Schönefeld vorübergehend weiter zu nutzen, wenn der Neubau eröffnet ist. Denn dieser könnte mit seiner Kapazität von 27 Millionen Passagieren schon bald nach dem Start zu klein sein.

dpa

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