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Putins Militärelite schwelgt im Luxus – während eigene Soldaten im Ukraine-Krieg fallen

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Von: Lisa Mayerhofer

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Putins Verteidungsminister Sergej Schoigu und seine Tochter Ksenija. (Archivbild)
Putins Verteidungsminister Sergej Schoigu und seine Tochter Ksenija. (Archivbild) © Sergei Fadeichev/Imago

Die russische Militärelite protzt mit ihrem Luxus-Leben, während in der Ukraine Putins Krieg wütet – das kommt auch in Russland nicht gut an.

Moskau – 600 Soldaten – so viele Männer hat die russische Armee laut dem ukrainischen Generalstab innerhalb eines Januartages verloren. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig prüfen, doch klar ist trotzdem: Seit Beginn des Ukraine-Krieges müssen neben vielen ukrainischen Opfern auch die russischen Soldaten einen hohen Blutzoll dafür zahlen, dass Kremlchef Wladimir Putin die Ukraine mit aller Gewalt unterwerfen möchte.

Schnappschüsse aus Dubai kommen in Russland nicht gut an

Nun haben Teile der russischen Militärelite und ihre Familien den Zorn unzähliger russischer Internetnutzer auf sich gezogen. Im Zentrum steht Ksenija Schoigu, die Tochter des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu, der für die Soldaten Russlands zuständig ist. Die junge Frau hat Neujahr im warmen, luxuriösen Dubai verbracht und dazu fleißig Bilder auf Instagram gepostet – während die Soldaten ihres Landes in der Ukraine ihr Leben lassen.

In den sozialen Netzwerken stößt das bei russischen Usern auf Empörung, wie das Handelsblatt berichtet. Einige Nutzer stellten demnach Schoigus Urlaubsfotos neben das Bild eines erfrorenen russischen Soldaten. Darunter hätten sich hunderte erboste Kommentare angesammelt, so das Magazin. Mittlerweile hat Schoigu ihren Instagram-Account auf privat gestellt.

Auch ein Schnappschuss von ihr und dem Abgeordneten Denis Dolschenko aus Putins Regierungspartei in den sozialen Netzwerken schlug hohe Wellen. Er zeigt die beiden offenbar in Dubai, spekulieren Internetnutzer, berichtet das Handelsblatt. Ein weiteres Selfie zeigt Dolschenko an der Uferpromenade Dubais.

Der russische Abgeordnete Denis Dolschenko aus Putins Regierungspartei sorgt mit einem Dubai-Selfie für Empörung.
Der russische Abgeordnete Denis Dolschenko aus Putins Regierungspartei sorgt mit einem Dubai-Selfie für Empörung. © Dolschenko/Kywschinnikow/Telegram

Oleg Kywschinnikow, der lokale Gouverneur der Region, aus der Dolschenko stammt, schrieb dazu demnach auf seinem Telegram-Kanal: „Während unsere Landsleute mit der Waffe in der Hand ihr Leben riskieren, meinen einige, weiter in Luxuskurorten im Ausland weilen zu können.“ Dolschenko wurde daraufhin aus der Partei ausgeschlossen.

Nawalny: Vize-Verteidigungsminister lässt sich auf Staatskosten Villa renovieren

Noch heftigere Vorwürfe gehen an den direkten Stellvertreter von Vater Schoigu, Vize-Verteidigungsminister Timur Iwanow. Er soll eigentlich alle Bauvorhaben für das Militär überwachen – wie etwa Kasernen. Außerdem soll er den Wiederaufbau der von der russischen Armee zerstörten und eroberten ukrainischen Stadt Mariupol ermöglichen. Doch Iwanow soll sich dank seines Postens gehörig in die eigene Tasche gewirtschaftet haben, wie die Ermittler des inhaftierten Oppositionsführers Alexej Nawalny berichten, die sich auf tausende E-Mails seiner Frau Swetlana und Dokumente von Unternehmen stützen.

Demnach sollen Baufirmen, die vom Verteidigungsministerium beauftragt wurden, auch Rechnungen für Iwanows Renovierung einer Villa in Moskau sowie den Bau eines 2900 Quadratmeter großen Landhauses auf einem 19 Hektar großen Wassergrundstück im westrussischen Gebiet Twer beglichen haben.

Ukraine-Krieg: Weitere Mobilmachung in Russland möglich

Gleichzeitig wird eine weitere Mobilmachung in Russland befürchtet: Die kolportierte Forderung von Kremlchef Wladimir Putin an seinen neuen Oberbefehlshaber in der Ukraine, Waleri Gerassimow, den Donbass bis März einzunehmen, lässt sich nur mit frischen Kräften erreichen. Deshalb nehmen Spekulationen um eine neue Mobilmachung zu – trotz der fast täglichen Dementis aus dem Kreml.

Nichtsdestoweniger: Eine neue Großoffensive kann Moskau wohl nur nach einer weiteren Mobilmachung angehen. Dabei ist es egal, ob das russische Militär dazu weiter auf Frontalangriffe im Donbass oder Umgehungsmanöver aus Saporischschja im Süden und eventuell sogar aus Belarus im Norden setzt. Alle drei Varianten kursieren unter Militärexperten – doch ohne Verstärkungen ist keiner dieser potenziellen Schläge erfolgversprechend.

Mit Material der dpa

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