Schmiergelder an der Tagesordnung

Griechenland wird immer korrupter

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Ein Bürohaus in Athen ist durch eine Griechenlandfahne zu sehen.

Athen - Das pleitebedrohte Griechenland bekommt die Korruption nicht in den Griff. EU-weit steht das Euro-Sorgenkind mit Abstand am schlechtesten da. Trotzdem dürfen die Helenen hoffen.

Kein anderes EU-Mitglied steht bei der Korruptionsbekämpfung so schlecht da wie Euro-Sorgenkind Griechenland. Mit nur 36 von 100 möglichen Punkten landet Griechenland im aktuellen Korruptions-Index von Transparency International auf Rang 94 und damit auf einer Stufe mit Kolumbien, Indien oder dem Senegal. 2011 lag Griechenland noch auf Rang 80.

Auch Italien steht mit nur 42 Punkten auf Rang 72 schlecht da. Deutschland verbesserte sich mit 79 Punkten um einen Platz auf Rang 13 und liegt damit vor Großbritannien (74 Punkte), den USA (73 Punkte) und Frankreich (71 Punkte).

Die Antikorruptions-Organisation Transparency International Deutschland stellte den Index für 2012 am Mittwoch in Berlin vor. Bewertet wurden dabei weltweit 176 Länder. Den Spitzenplatz im Ranking teilen sich mit jeweils 90 Punkten Dänemark, Finnland und Neuseeland - wie auch schon im Vorjahr. Schlusslichter sind Afghanistan, Nordkorea und Somalia mit jeweils 8 Punkten. Das ebenfalls krisengeschüttelte Spanien landete mit 65 Punkten auf Rang 30, Portugal mit 63 Punkten auf Rang 33.

Zwei Drittel aller untersuchten Länder erreichen weniger als die Hälfte der möglichen Punkte. Das deute auf ein ernsthaftes Problem mit Korruption hin, sagte Transparency-Geschäftsführerin Huguette Labelle in einer Videobotschaft. Weltweit sähen sich viele Familien gezwungen, Schmiergeld zu zahlen, um beispielsweise an Trinkwasser zu kommen oder einen Arzt besuchen zu können.

Transparency erstellt den sogenannten Korruptionswahrnehmungsindex auf Basis von Umfragen und Studien anderer Organisationen. Dazu werden nach Angaben von Transparency etwa Verwaltungs- und Geschäftsklima-Umfragen zusammengetragen, in denen Experten und Geschäftsleute angeben, für wie korrupt sie die Beamten und Politiker in einem Land halten. Die Werte bilden also die gefühlte Korruption in den untersuchten Ländern ab und basieren nicht auf tatsächlichen Korruptionsfällen. Nach Ansicht von Transparency ist die Messung der wahrgenommenen Korruption die verlässlichste Methode.

Samaras stellt Griechen 2013 wirtschaftliche Erholung in Aussicht

Trotz seiner schlechten Korruptionswerte darf sich Griechenland auf ein Licht am Ende des sehr dunklen Tunnels freuen. Nach fünfjähriger Rezession wird das schuldengeplagte Land in den Worten von Ministerpräsident Antonis Samaras im kommenden Jahr erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung erleben. „2013 ist ein Wendepunkt“, sagte Samaras am Dienstag bei einer Konferenz mit Wirtschaftsvertretern in Athen. „Zum ersten Mal werden wir Anzeichen eines Aufschwungs sehen.“ Die in der vergangenen Woche in Brüssel getroffene Vereinbarung mit den internationalen Gläubigern zum Schuldenabbau biete Griechenland „eine einzige Chance, die wir nicht verspielen dürfen, weil es die letzte sein wird“, betonte Samaras.

Der von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seinen Kollegen in der Eurogruppe getroffene Beschluss zur Griechenland-Rettung sieht vor, dass Athen bis zum 13. Dezember mit zehn Milliarden Euro Altschulden am Markt aufkauft, und zwar deutlich unter dem Nennwert der Papiere. So soll die Schuldenlast um bis zu 20 Milliarden Euro erleichtert werden.

dpa

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