Nichts geht mehr Down Under

Total überraschendes Kaufland-Aus in Australien

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Kaufland hat seine Australien-Pläne überraschend eingestampft. 

Der zur Neckarsulmer Schwarz-Gruppe gehörende Vollsortimenter wollte Down Under richtig durchstarten - und zieht sich jetzt abrupt zurück. 

  • 300 Millionen Euro Investitionsvolumen waren für den Kaufland-Start in Australien geplant.
  • 200 Mitarbeiter verlieren jetzt ihren Job.
  • Rückzug von Kaufland aus Australien wirkt sich auf die Börse aus. 
  • Schreckensnachrichten aus Australien gehören derzeit zum Alltag. Täglich flimmern die verheerenden Buschbrände über die Mattscheiben: unendliches Leid für Mensch, Tier, Natur und Umwelt. Jetzt kommt eine ökonomische Hiobsbotschaft hinzu: Kaufland - der Großflächen-Vollsortimenter der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe -  hatte vor drei Jahren verkündet, den fünften Kontinent erobern zu wollen. Jetzt kommt der Rückzieher. Wie echo24.de* berichtet, wurden laut Pressemeldung sämtliche Aktivitäten in Australien mit sofortiger Wirkung eingestellt.

    Dort heißt es: "Aufgrund der fortschreitenden Konzentration im europäischen Lebensmitteleinzelhandel hat Kaufland nach intensiver Prüfung die strategische Entscheidung getroffen, sich aus dem australischen Markt zurückzuziehen. Das Unternehmen wird sich künftig auf seine europäischen Kernmärkte konzentrieren." In Deutschland hat der Konzern unter anderem ein Auge auf einige Real-Filialen geworfen

    Kaufland konzentriert sich auf Europa-Geschäft

    Ein Rückzug, der völlig überraschend kommt, war die Unternehmensgruppe doch gerade damit beschäftigt, im Bundesstaat Victoria eine Zentrale sowie ein Umschlaglager zu errichten, um die benötigten logistischen Infrastrukturen zu schaffen. Laut Handelsblatt-Informationen standen fünf Standortfilialen bereits fest, zwei davon - in Adelaide und Melbourne -  im Bau, mindestens neun weitere in Planung. Die ersten Märkte sollten dieses Jahr öffnen. 300 Millionen Euro waren für das Australien-Unternehmen bereitgestellt, 200 Mitarbeiter schon fest eingestellt, Grund und Boden erworben, Verträge ausgehandelt und unterschrieben worden. 

    Und jetzt? Rien ne va plus - nichts geht mehr! "Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Wir haben uns in Australien stets willkommen gefühlt", erklärt Frank Schumann, kommissarischer Vorstandsvorsitzender Kaufland. "In Europa erkennen wir für uns ein großes Wachstumspotenzial. Wir werden die Konsolidierung des europäischen Einzelhandels aktiv mitgestalten und damit unsere führende Position weiter stärken."

    Kaufland-Kehrtwende innerhalb weniger Monate

    Genau diese Aussagen wurden allerdings auch getätigt, mit denen der Konzern vor knapp drei Jahren seine Pläne, in Australien Fuß fassen zu wollen, begründet hatte. Vor allem der damalige Kaufland-Chef Patrick Kaudewitz hatte sich dafür starkgemacht. "Von der Politik werden wir in einer Form unterstützt, wie ich es noch nicht erlebt habe", sagte Kaudewitz. 

    Kaufland-Filialen auf dem australischen Kontinent? Das wird ein Wunschtraum bleiben. 

    Noch im August vergangenen Jahres hatte laut australischer c-store.com.au Tom Palla, Victorias Minister für wirtschaftliche Entwicklung, seinen Landsleuten eine rosige Zukunft ausgemalt, sprach von 2.400 neuen Jobs und einem Investitionsvolumen von 500 Millionen australischen Dollar durch den Kaufland-Konzern. Und auch Kaufland-Australien-Chef Maximilian Wiedmann hatte noch vor wenigen Monaten Hoffnungen geschürt: "Australien ist weltweit eine der am schnellsten wachsenden Regionen, und wir wollen dort mitwachsen." 

    Mitbewerber profitieren vom Kaufland-Aus

    Auch der australische Boden für den Kaufland-Siegeszug war fast perfekt aufbereitet. Selbst die Presse hatte den Konzern gefeiert. 2018 schrieb dailymail.co von paradiesischen Verhältnissen für Führungskräfte, die 170.000 Dollar im Jahr verdienen, einen BMW als Firmenfahrzeug und Freiflüge für Fortbildungen in Deutschland erhalten. Weiterhin berichtete das Medium über Kaufland-Job-Offensiven in Adelaide, Melbourne oder Brisbane, um neue Mitarbeiter an den zukünftigen Filialen zu rekrutieren. 

    Nach dem Aus ist der Ton rauer geworden. 9 News Adelaide zeigt in einer ersten Reaktion eine Kaufland-Baustelle, mit aufgestellten Außenwänden, die jetzt wie knöcherne Skelettteile in den Himmel ragen und berichtet, dass allein auf dieser Baustelle jetzt 20 Arbeiter ihren Job verlieren würden. Ausgelassene Freude dürfte hingegen bei den Mitbewerbern Coles, Woolworths und Aldi herrschen. Die müssen keinen neuen Konkurrenten fürchten. Die Coles-Aktie legte nach dem Kaufland-Aus drei Prozent an der Börse zu und erreichte einen neuen Höchststand. 

    Australien ist aktuell unter Schock: Ein Vater hat seine drei Kinder und seine Ex-Frau in einem Auto verbrannt.

    Marc Thorwartl

    *echo24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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