Inflation im August stärker als erwartet

Wiesbaden - Die Preise in Deutschland ziehen stärker an als bisher gedacht. Vor allem für Sprit und Heizöl müssen die Verbraucher immer tiefer in die Tasche greifen.

Der rasante Preisauftrieb bei Sprit und Heizöl hat die Inflation in Deutschland stärker in die Höhe getrieben als erwartet. Im August kletterte die Jahresteuerung in Deutschland von 1,7 Prozent im Vormonat auf 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. In einer ersten Schätzung Ende August waren die Statistiker von einem Anstieg der Inflationsrate um 2,0 Prozent ausgegangen. Binnen Monatsfrist legten die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent zu, ursprünglich hatten die Statistiker ein kleineres Plus von 0,3 Prozent errechnet.

Damit ist der Abwärtstrend bei der Inflation vorerst gestoppt. Zuletzt hatten die Statistiker im April 2012 eine Teuerungsrate oberhalb von 2 Prozent mit damals ebenfalls 2,1 Prozent ermittelt. Im Juli und Juni hatte die jährliche Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent gelegen, dem niedrigsten Wert seit Ende 2010.

Mit dem kräftigen Preisauftrieb erreichte die Inflation wieder die Warnschwelle der Europäische Zentralbank (EZB), die stabile Preise bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht. In der Eurozone hatten die Preise im August nach erster Schätzung um 2,6 Prozent zugelegt. EZB-Präsident Mario Draghi rechnet erst im Laufe des kommenden Jahres damit, dass die Teuerung wieder unter die 2-Prozent-Marke sinkt.

Auch in Deutschland erwarten Ökonomen, dass die Inflation in den kommenden Monaten über zwei Prozent verharren wird. Neben den hohen Energiekosten lasse dies auch der starke Lohnanstieg befürchten. Angesichts der lockeren Politik der EZB schätzt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, das mittelfristige Inflationsrisiko noch höher ein. Den Beschluss der Währungshüter, unbegrenzt Anleihen notleidender Eurostaaten zu kaufen, bezeichnete er als „weiteren Schritt auf dem Weg in eine "Italienische Währungsunion": „Also eine Währungsunion mit unflexiblen Strukturen, schwachem Wachstum, höherer Inflation und einem schwachen Euro.“

Wenn der am Mittwoch vom Bundesverfassungsgericht genehmigte Euro-Rettungsschirm ESM und die Staatsanleihekäufe der EZB erst einmal das Risiko eines Zerfalls der Währungsunion gebannt hätten, dürften die für Deutschland viel zu niedrigen EZB-Zinsen zudem das Wachstum hierzulande anfachen, sagte Krämer. Die Arbeitslosigkeit sinke weiter und erhöhe die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften: „Die Löhne dürften kräftig steigen, in der Folge die Renten. In den Städten sollten die Immobilienpreise weiter anziehen.“

Im August wurde der Preisauftrieb gegenüber dem Vorjahresmonat maßgeblich durch die erneute Verteuerung der Energie um insgesamt 7,6 Prozent bestimmt. Insbesondere die Preise für Mineralölprodukte zogen kräftig um 10,3 Prozent an: leichtes Heizöl kostete 13,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe 9,4 Prozent. Im Monatsvergleich zogen die Preise für Kraftstoffe und leichtes Heizöl um je 4,3 Prozent an.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhten sich die Preise für Nahrungsmittel um 3,3 Prozent. Preistreiber waren Obst (+ 9,2 %) sowie Fisch und Fischwaren (+ 6,1 %). Günstiger als im August 2011 waren hingegen Molkereiprodukte, wobei Butter fast ein Viertel (- 23 %) weniger kostete als im Vorjahr. Auch für Eier, Speisefette und Speiseöle mussten die Verbraucher weniger bezahlen.

dpa

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