Merkur-Interview

Umfrage: Einzelhandel nimmt nach Corona-Lockerungen wieder Fahrt auf

Stefan Genth: Im Kampf gegen Corona plädiert der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) für Lockerungen mit Augenmaß.
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Stefan Genth: Im Kampf gegen Corona plädiert der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) für Lockerungen mit Augenmaß.

Der Handelsverband HDE sieht die Ausbreitung der Delta-Variante mit Sorge. Die Politik dürfe im Kampf gegen die Pandemie jetzt nicht nachlassen, fordert HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Berlin/München – Nach einer monatelangen Durststrecke nimmt der stationäre Einzelhandel in Deutschland wieder Fahrt auf. In der vergangenen Woche hätten die Umsätze des Einzelhandels in den Innenstädten „noch acht Prozent unter Vor-Krisen-Niveau“ gelegen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Montag unter Berufung auf eine aktuelle Verbandsumfrage gegenüber Merkur.de.

Im April hatten die Rückgänge noch rund 60 Prozent betragen. Auf dem Höhepunkt des Lockdowns Anfang des Jahres hatten den Unternehmen gar 85 Prozent ihrer Erlöse gefehlt.

Seit der Lockerung der umstrittenen Pandemie-Beschränkungen Anfang Juni geht es in der Branche aber wieder bergauf. Angesichts der aktuellen Entwicklung gebe es „Grund zu Optimismus“, sagte Genth. Man hoffe, „in den kommenden Wochen wieder auf ein normales Umsatz-Niveau“ zu kommen, erklärte der HDE-Hauptgeschäftsführer.

Handelsverband HDE: Krise noch nicht überstanden

Dennoch warnte Genth vor Euphorie. Trotz der jüngsten Fortschritte sei die Krise im Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel noch nicht überstanden. Zunächst müssten die Betriebe die während der Pandemie aufgelaufenen Verluste verkraften. Gerade „im Textilhandel mit seiner Saisonware“ seien Nachholeffekte „nur in sehr geringem Maße“ zu erwarten. Zudem sei bei den meisten Unternehmen das Eigenkapital aufgebraucht.

Mit Sorge blickt die Branche zudem auf die weitere Entwicklung in der Corona-Pandemie und die Ausbreitung der Delta-Variante. Für den Einzelhandel gelte es „auf jeden Fall zu verhindern, dass die Ladentüren wieder zugesperrt werden müssen.“ Eine erneute Schließung aller Nicht-Lebensmittelgeschäfte wäre ein „echter Albtraum“ für die Branche und „bei Einhaltung aller Hygienekonzepte überhaupt nicht notwendig“.

Handelsverband HDE: Politik darf sich im Kampf gegen Corona nicht von Bundestagswahl ablenken lassen

Genth forderte die Politik eindringlich dazu auf, den Kampf gegen Corona konsequent fortzuführen. „Die Politik darf sich jetzt nicht nur in den Wahlkampf stürzen, sondern muss weiter konzentriert und entschlossen gegen eine mögliches Wieder-Aufflammen der Pandemie vorgehen“, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer. Der Sommer dürfe nicht ungenutzt bleiben.

Dabei müsse es vor allem um die weitere Beschleunigung der Impfungen gehen. „Wir brauchen vorbeugende Maßnahmen, um für eine eventuelle vierte Corona-Welle noch besser gerüstet zu sein.“

Zugleich warnte Genth vor übereilten Lockerungsschritten. Trotz der Fortschritte in der Impfkampagne seien „noch lange nicht alle Bürger geimpft“. Zudem hätten sich Kunden und Händler sehr gut an die Maskenpflicht gewöhnt. Wenn die Maskenpflicht dabei helfen könne, die Pandemie einzudämmen, „sollten wir sie jetzt nicht überhastet abschaffen“, sagte Genth Merkur.de. Ziel müsse es sein, Corona weiter zurückzudrängen. „Wir dürfen das Erreichte nicht voreilig gefährden“.

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