Gläubigerschutz: Saab gewinnt Zeit

Stockholm - Saab muss doch noch nicht aufgeben: Nach dem Ja eines Gerichts zur Sanierung unter Gläubigerschutz hat der Autohersteller Zeit gewonnen. Noch aber ist das zugesagte Kapital nicht angekommen.

Der Überlebenskampf beim schwedischen Autohersteller Saab wird immer mehr zu einer Berg- und Talfahrt mit überraschenden Wenden. Am Mittwoch hat ein Berufungsgericht in Göteborg dem Unternehmen mit Kultstatus, aber auch leeren Kassen im zweiten Anlauf grünes Licht für ein Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz gegeben. Damit ist die bedrohlich nahe gerückte Gefahr einer Pleite vorerst abgewendet.

Nur wenige Stunden vor der Gerichtsentscheidung hatte die schwedische Metall-Gewerkschaft Insolvenzanträge eingereicht, um die Lohnansprüche von 1500 Saab-Arbeitern für August zu sichern. Vorher hatten schon zwei Angestellten-Gewerkschaften sowie mehrere Zulieferer Insolvenzanträge gestellt.

Das Unternehmen selbst war vor zwei Wochen in erster Instanz mit einem Antrag auf das gegenüber einer Insolvenz “weichere“ Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz gescheitert. Das Gericht hielt den Rettungsplan des niederländischen Saab-Chefs Victor Muller für unrealistisch und viel zu vage.

Saab - Statement für Individualisten

Saab - Statement für Individualisten

Im Gegensatz dazu meinte die Berufungsinstanz, dass die von den chinesischen Autounternehmen Pang Da und Youngman zugesagten 245 Millionen Euro “ausreichend sind, um die Produktion bei Saab wieder in Gang zu bekommen“. Der Hersteller Youngman und das Großhandelsunternehmen Pang Da wollen als neue Haupteigner bei den Schweden einsteigen. Sie benötigen aber noch die Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörden. Diese soll nach Medienangaben bis Anfang November vorliegen.

Bei Saab sind seit knapp einem halben Jahr wegen Geldmangels so gut wie keine Autos mehr vom Band gelaufen. Mit dem grünen Licht für das Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz können die Löhne und Gehälter jetzt von einem staatlichen Garantiefonds ausgezahlt werden. Saab-Chef Muller meinte im Rundfunksender SR zur Entscheidung des Gerichts: “Wir hatten einen gut durchgearbeiteten Plan vorgelegt.“

Jetzt werde Saab sich mit voller Kraft auf die Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern konzentrieren. Nach Medienangaben will Youngman zügig einen Vorschuss über knapp 70 Millionen Euro bereitstellen, der Saab über die mehrmonatige Sanierungsperiode mit einem vom Gericht bestellten Unternehmensverwalter bringen soll. Wann die Produktion wieder anlaufen kann, gilt als unklar.

Die Produktion im Stammwerk Trollhättan hat seit knapp einem halben Jahr stillgestanden.

dpa

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