Jahresgewinn fast verdreifacht

Flieger A400M wird für Airbus zur Problemmaschine

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Airbus A400M.

Europas Luftfahrtriese kann seinen Jahresgewinn fast verdreifachen. Doch der Militärtransporter A400M bereitet weiter Kopfschmerzen - und neue Triebwerksprobleme bei manchen Mittelstreckenjets sorgen für Unsicherheit.

Toulouse - Die Dauerprobleme beim Militär-Transportflugzeug A400M haben den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus eine weitere Milliardensumme gekostet. Vorstandschef Tom Enders hofft aber, das traurige Kapitel mit den nun zur Seite gelegten 1,3 Milliarden Euro finanziell weitgehend abzuschließen. Trotz dieser Sonderbelastung verdreifachte der europäische Boeing-Konkurrent seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr unter dem Strich nahezu auf fast 2,9 Milliarden Euro, wie Airbus am Donnerstag bekanntgab.

Doch jetzt macht Airbus' größter Verkaufsschlager, der Mittelstreckenjet A320neo, Negativschlagzeilen. Triebwerke bei einem Teil der Baureihe drohen während des Flugs auszufallen. Flugsicherheitsbehörden haben bereits Betriebseinschränkungen verhängt. Der Flugzeugbauer macht es von der Lösung des Problems abhängig, ob er sein Ziel erreichen kann, in diesem Jahr insgesamt 800 Zivilflugzeuge auszuliefern. Enders sagte aber, er sei „recht zuversichtlich“, das Triebwerks-Thema zu bewältigen.

Betroffen sind 32 ausgelieferte Flugzeuge mit Triebwerken des Herstellers Pratt & Whitney - bei einem Drittel davon geht es um beide Motoren. Dem Triebwerksbauer tritt Airbus schon seit 2016 auf die Füße, weil die Lösung von Hitze- und Softwareprobleme an den Triebwerken die Auslieferung vieler Jets verzögerte. Dadurch wackelten Airbus' Auslieferungsziele 2017 bis kurz vor Jahresende, auch derzeit stehen rund 30 praktisch fertige Maschinen ohne Antriebe auf dem Hof.

Neben den Triebwerken von P&W habe es auch beim Konkurrenzantrieb des Herstellers CFM teilweise Probleme bei der Einsatzreife gegeben, hieß es. Dennoch hatte Airbus im vergangen Jahr mit 718 ausgelieferten Verkehrsmaschinen einen neuen Firmenrekord aufgestellt - auch wenn der amerikanische Erzrivale Boeing weiter die Nase vorn hat.

Beim A400M-Programm ist Airbus zuversichtlich, die verbleibenden Risiken für das Unternehmen durch eine Vertragsanpassung mit Deutschland und den anderen Käuferstaaten deutlich zu reduzieren. Eine entsprechende Absichtserklärung, unter anderem den Zeitplan für die Auslieferungen anzupassen, war kürzlich unterzeichnet worden.

Die A400M gilt als modernstes militärisches Transportflugzeug der Welt, hatte aber in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme gemacht. Flugzeuge wurden später ausgeliefert als vereinbart, was zu Vertragsstrafen führt. Enders hatte dafür neben Technikärger auch eine „unrealistische Vertragsgestaltung sowie ein unzureichendes Budget“ verantwortlich gemacht und die Käufer zu Zugeständnissen gedrängt.

Der Gewinnsprung in 2017 erklärt sich auch dadurch, dass Airbus im Jahr davor noch stärker unter den A400M-Problemen gelitten hatte - damals wurden Sonderbelastungen von 2,2 Milliarden Euro verbucht. Zudem profitierte der Konzern im vergangenen Jahr vom Verkauf seines Verteidigungselektronik-Geschäfts.

Airbus-Chef Enders zeigte sich insgesamt zufrieden mit den Jahreszahlen: „Dank unserer sehr guten operativen Ergebnisse - insbesondere im letzten Quartal - haben wir all unsere Ziele für 2017 übertroffen“, erklärte er. Vor allem das zentrale Verkehrsflugzeug-Geschäft konnte dank der gesteigerten Produktion zulegen. Der um Sonderposten bereinigte operative Konzerngewinn (bereinigtes Ebit) wuchs um acht Prozent auf 4,25 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will Airbus ihn um 20 Prozent steigern. Der Umsatz blieb 2017 stabil bei 67 Milliarden Euro.

Der Konzern steckt in turbulenten Zeiten: Korruptionsermittlungen in Großbritannien und Frankreich haben den Flugzeugbauer erschüttert. Zudem wird das Top-Management umgebaut, Konzernchef Enders scheidet im Frühjahr 2019 aus. Verkehrsflugzeugchef Fabrice Brégier, die Nummer zwei des Konzerns, übergibt seinen Job schon in diesem Monat an den bisherigen Chef der Hubschrauber-Sparte, Guillaume Faury.

dpa

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