Teures Essen: Allianz & Co. am Pranger

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Aktivisten von Oxfam protestieren gegen die Nahrungsmittelspekulationen der Allianz.

München - Die Hilfsorganisation Oxfam wirft deutschen Finanzkonzernen massive Spekulationen mit Nahrungsmitteln vor. Vor allem der Münchner Versicherungskonzern Allianz steht in der Kritik.

Zur Hauptversammlung der Allianz in München legte Oxfam am Mittwoch eine Studie mit dem Titel “Mit Essen spielt man nicht!“ vor. Danach halten deutsche Finanzinstitute ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens in Agrarrohstoffen von 68,8 Milliarden Euro.

Den Spitzenplatz nimmt laut Studie die Allianz ein: Im Jahr 2011 legte sie laut Oxfam 6,24 Milliarden Euro direkt und indirekt in Nahrungsmitteln an. Dies sei mehr als viermal so viel wie 2008. Die Deutsche Bank ist laut Oxfam die Nummer zwei mit 4,57 Milliarden Euro.

Aktivisten demonstrieren vor der Olympiahalle

Am Rande der Allianz-Hauptversammlung in der Olympiahalle demonstrierten Aktivisten der Hilfsorganisation gegen die Spekulationen mit Nahrungsmitteln. Sie hielten ein Plakat mit der Aufschrift “Mit Essen spielt man nicht“ hoch und verteilten Handzettel an die Allianz-Aktionäre.

Kampagnenleiter Frank Braßel kritisierte als Redner auf der Hauptversammlung die Spekulationen. In den Jahren 2010 und 2011 seien die Kosten für Nahrungsmittel extrem in die Höhe geschnellt, dadurch seien zusätzlich 44 Millionen Menschen in armen Ländern in den Hunger getrieben worden, sagte er. Der Handel an Warenterminbörsen sei dafür mitverantwortlich.

Braßel wies darauf hin, dass erste europäische Geldinstitute sich bereits aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zurückgezogen hätten. Er forderte den Versicherungskonzern auf, ebenfalls aus dem Handel mit Agrarrohstoffen auszusteigen. “Die Allianz darf nicht dazu beitragen, dass Menschen hungern“, sagte Braßel. Zusammen mit den kritischen Aktionären forderte er die Aktionäre auf, den Vorstand nicht zu entlasten.

Allianz-Führung setzt sich mit den Vorwürfen auseinander

Allianz-Chef Michael Diekmann versprach, dass die Konzernführung sich mit den Vorwürfen intensiv beschäftigen werde. Es sei ein “sehr ernstes Thema“, weil es um die Reputation gehe. Finanzvorstand Paul Achleitner sagte, die Allianz sei nicht direkt in solchen Fonds engagiert, sondern nur indirekt über Finanzbeteiligungen. Weniger als ein Prozent der Anlagen sei in Nahrungsmittelderivaten angelegt, hatte die Allianz bereits zuvor mitgeteilt. Außerdem setzten die Fonds nicht gezielt auf steigende Preise.

dapd

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