Datenskandal

Facebook ist verwundbar -  Quartalszahlen schwächer als erwartet

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Facebook legt nach Datenskandal schwächere Quartalszahlen als erwartet vor (Symbolfoto).

Facebook hat im zweiten Quartal schwächere Zahlen als erwartet vorgelegt. Nach dem Skandal um Cambridge Analytica und den neuen Datenschutzregeln in Europa zeigt das Online-Netzwerk auf einmal Schwächen.

San Francisco - Im ersten vollen Quartal nach dem Datenskandal stieg der Umsatz zwar um 42 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar (11,3 Milliarden Euro); der Gewinn legte um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar zu, wie das Unternehmen mitteilte. Damit blieb das Online-Netzwerk aber hinter den Erwartungen zurück. 

Facebook-Aktie stürzt ab

Auch der Anstieg der Nutzerzahlen fiel geringer aus als erwartet. Der Aktienkurs stürzte nach Bekanntgabe der Zahlen und einem schwachen Ausblick um 22 Prozent ab. Facebook steckt wegen des Skandals um den massiven Missbrauch von Nutzerinformationen in der schwersten Krise seiner Unternehmensgeschichte.

Der Börsenwert schmolz dadurch um fast 150 Milliarden Dollar (128 Mrd Euro), berichtet die Deutsche Presseagentur. Die Aktie war aber bisher auf Rekordjagd und hatte erst vor der Präsentation der Quartalszahlen den nächsten Höchststand markiert.

Bremsen die Datenschutz-Regeln Facebook?

Facebook betonte, dass die europäische Datenschutz-Grundverordnung zumindest bisher den Umsatz nicht beeinträchtigt habe. Zugleich fiel die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Nutzer in Europa aber von 377 auf 376 Millionen. Bei den täglich zurückkehrenden Mitgliedern gab es sogar einen Rückgang von 282 auf 279 Millionen. Facebook-Manager gaben keine Prognose dazu ab, wie sich diese Zahlen entwickeln werden. Firmenchef Mark Zuckerberg sagte zugleich, es sei ermutigend, dass die große Mehrheit der Nutzer in Europa der weiteren Datenauswertung für personalisierte Werbung zugestimmt habe.

Insgesamt legte die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer weltweit von knapp 2,2 auf 2,234 Milliarden zu. Das Wachstum verlangsamte sich damit. In dieser Situation führte der Konzern eine neue Rechenart ein. Auf mindestens eine App aus dem Facebook-Konzern - dazu gehören unter anderem auch die Fotoplattform Instagram und der Chatdienst WhatsApp - griffen im Juni rund 2,5 Milliarden Nutzer zu, hieß es.

Bei den Anlegern kamen die Nutzerzahlen schlecht an, weil die Reichweite entscheidend für Facebooks Werbegeschäft ist. Starke Zweifel am Facebook-Geschäft hatten sie zuletzt beim Börsengang im Jahr 2012 als es schien, dass Facebok das Geschäft auf Smartphones verpassen könnte. Doch das Online-Netzwerk fand schnell einen Weg, Anzeigen auch auf dem Handy in den Newsfeed der Nutzer zu integrieren - sogar noch erfolgreicher als ursprünglich auf dem PC.

„Insgesamt ist es ein entscheidendes Jahr für Facebook“

Inwieweit der beispiellose Sturm der Kritik nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica ebenfalls das Wachstum gebremst haben könnte, blieb unklar. Im wirtschaftlich wichtigsten Heimatmarkt gibt es schon seit mehreren Quartalen keinen Zuwachs der Mitgliederzahlen. Dabei machte Facebook in Nordamerika im vergangenen Quartal mehr als 25 Dollar Umsatz pro Nutzer. In Europa waren es nur 8,6 Dollar.

Facebook selbst hatte zuvor gewarnt, dass die Zahl der monatlich und täglich aktiven Nutzer in Europa im zweiten Quartal voraussichtlich stagnieren oder leicht zurückgehen werde. Auslöser sei die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU, die ab dem 25. Mai befolgt werden muss.

Es war auch das erste komplette Quartal seit dem Ausbruch des Datenskandals um Cambridge Analytica Mitte März. Das Online-Netzwerk war unter massive Kritik geraten, weil einst Daten von Millionen Nutzern an die Datenanalyse-Firma abgeflossen waren. Zugleich hatte Facebook bisher erklärt, dass die Kontroverse die Nutzung nicht beeinträchtigt habe.

„Insgesamt ist es ein entscheidendes Jahr für Facebook“, sagte Zuckerberg. Das Online-Netzwerk kommt nicht aus Stürmen der Kritik heraus. Erst ging es um die Rolle von Facebook im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016, in dem soziale Medien für mutmaßlich von Russland aus geführte Propaganda-Kampagnen und die Verbreitung gefälschter Nachrichten benutzt wurden. Facebook reagierte unter anderem damit, dass der Newsfeed der Nutzer stärker auf Beiträge von Freunden und Familie ausgerichtet wurde. Mögliche negative Auswirkungen auf das Geschäft nehme Facebook mit Blick auf eine positivere Zukunft in Kauf, hieß es damals.

AFP/dpa

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