Lohnniveau in Deutschland

Durchschnittslohn steigt erstmals über 50.000 Euro - doch dahinter verbergen sich fünf bittere Wahrheiten

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Die Löhne steigen in Deutschland - doch ein genauer Blick darauf lohnt sich. 

Deutschland geht es wirtschaftlich gut. Das macht sich auch beim Lohn bemerkbar. Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, sieht es anders aus. 

Berlin - Zunächst die gute Nachricht: Erstmals haben deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich über 50.000 Euro in Deutschland verdient - einschließlich aller Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Boni. Im Jahr 2018 waren es genau 51.331 Euro. Allerdings bezieht sich diese Zahl auf alle Gehälter in Deutschland und den daraus resultierenden Mittelwelt. Beim Median sieht es anders aus. Da werden Extreme, wie etwa Millionengehälter, herausgerechnet. 

Dennoch: Auf den ersten Blick ist ein satter Gehaltszuwachs von 3,1 Prozent zu verzeichnen, und erstmals wurde die 50.000-Euro-Schwelle durchbrochen. Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, ergeben sich bittere Wahrheiten, wie die Welt berichtet

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1. Die Inflation schlägt hart zu 

Preisbereinigt, also abzüglich der Inflation, blieb von der Steigerung nur noch 1,3 Prozent übrig. Der Preisanstieg lag im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt bei 1,9 Prozent, etwas höher als 2017. Somit ergibt sich zwar noch ein Lohnplus unter dem Strich, doch es fällt recht gering aus. 

2. Zeitarbeiter und Gastronomie sind abgehängt 

Die Lohnunterschiede sind in Deutschland bei unterschiedlichen Branchen extrem. So liegt das durchschnittliche Jahresgehalt in der Gastronomie knapp unter 30.000 Euro, ebenso wie bei Vollzeitbeschäftigten in der Zeitarbeit. Zwar sind in der Zeitarbeit-Branche zuletzt deutliche Lohnzuwächse zu registrieren, doch sind diese Beschäftigten dennoch weit von einem Durchschnittsgehalt entfernt. 

3. Die Baubranche boomt - das verteuert die Preise weiter

Zu den Gewinnern zählen insbesondere Beschäftigte im Bau. So verdienten Vollzeitbeschäftigte im Hochbau 2018 3,8 Prozent mehr, im Wohnungswesen 5,5 Prozent zusätzlich und im Bereich Architektur- und Ingenieurbüros sogar 7,6 Prozent mehr. Gut für die Arbeitnehmer - schlecht für Häuslebauer, denn die Preise auf dem Immobilienmarkt sind derzeit sowieso schon auf einem extrem hohen Niveau. 

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4. Lohnlücke zwischen Frauen und Männern vergrößert sich 

Es klingt paradox, ist aber so: Prozentual sind die Gehälter von Frauen 2018 zwar etwas stärker gestiegen als die der Männer (3,2 gegenüber 3,0 Prozent), doch eine Angleichung rückt trotzdem in noch weitere Ferne. Frauen haben nämlich jetzt im Durchschnitt einen 1376 Euro höheren Brutto-Lohn, Männer jedoch ein Plus von 1579 Euro, denn die prozentuale Erhöhung kam auf ein höheres Ausgangsniveau hinzu. Das Lohnloch zwischen Frauen und Männern ist somit sogar eher weiter aufgerissen, schreibt die Welt

5. Ähnliches Phänomen im Osten 

Ganz ähnlich wie beim Gendergap gestaltet sich die Lohnlücke zwischen Ost- und Westdeutschland. Prozentual verzeichnet Ostdeutschland zwar eine höhere Zuwachsrate (3,5 Prozent), doch trotzdem ist die Kluft zwischen den Gehältern bei Vollbeschäftigten seit 2014 nicht mehr so groß gewesen. Sie liegt bei 12.720 Euro. Laut der Welt ist der Osten somit zwölf Jahre zurück, denn das Durchschnittsgehalt ist vergleichbar mit dem Niveau im Westen im Jahr 2006. Inflationsbereinigt wäre der Osten sogar noch viel weiter zurück. 

In nur wenigen Tagen endet in Deutschland die Ausgabe eines bestimmten Euro-Scheins. Die Abschaffung soll helfen, Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zu bekämpfen. Ob das klappt, ist umstritten.

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