Kritik von den Grünen

„Unethische Gier“? Deutsche Lebensversicherer schwächeln - und geben Millionen an Mutterkonzerne ab

Den deutschen Lebensversicherern drohen Finanzprobleme. Das hält sie aber offenbar nicht davon ab, Millionen-Gewinne an ihre Mutterkonzerne abzuführen.

Berlin - Die wegen drohender Finanzprobleme unter intensiverer Aufsicht stehenden deutschen Lebensversicherer haben nach Angaben der Bundesregierung weiter Gewinne an ihre Mutterkonzerne abgeführt. Allein im vergangenen Jahr haben die 34 betroffenen Versicherer 276 Millionen Euro über Gewinnabführungsverträge weitergeleitet, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht. 2016 beliefen sich Gewinnausschüttungen demnach auf 131 Millionen Euro, 2008 waren es 30 Millionen Euro.

Grünen-Experte Gerhard Schick kritisierte, die Lebensversicherer hätten in den vergangenen Jahren „fleißig“ und „in sehr deutlich steigendem Ausmaß“ vom Instrument der Gewinnabführungsverträge Gebrauch gemacht, statt das Eigenkapital zu stärken. 

Deutliche Worte fand auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er warf den Versicherern „unethische Gier“ vor und warnte vor möglichen Rettungspaketen für die Unternehmen. Lauterbach forderte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zum Eingreifen auf. Zuvor hatte der Spiegel aus der Regierungsantwort zitiert. Die Versicherungswirtschaft wies die Kritik am Sonntag zurück.

Ende 2017 haben laut Regierungsantwort bei den genannten Lebensversicherern nach Angaben der Finanzaufsicht BaFin 32,8 Millionen Verträge mit einer Versicherungssumme von mehr als einer Billion Euro (1.085.428 Millionen Euro) bestanden.

Die Versicherer tun sich nach Aussage von Schick schwer, die gegebenen Versprechen zu erfüllen. „In solchen Zeiten erwarte ich, dass nicht Geld aus gefährdeten Lebensversicherungsunternehmen abfließt, sondern dieses zur Stabilisierung genutzt wird.“ Eigentlich müsste das Eigenkapital der Unternehmen deutlich erhöht werden.

Die Versicherer verwiesen darauf, dass die erwirtschafteten Erträge größtenteils den Kunden zugute kämen. Von den 2011 bis 2017 rund 303 Milliarden Euro seien 96,3 Prozent an die Versicherten und lediglich 3,7 Prozent an die Unternehmen gegangen, hieß es beim Branchenverband GDV. Kritik an den Gewinnabführungsverträgen sei unbegründet. Denn ein großer Teil der abgeführten Gewinne fließe als Eigenkapital zurück in die Lebensversicherungsunternehmen und stärke damit die Risikotragfähigkeit der Unternehmen.

dpa/fn

Rubriklistenbild: © dpa / Arno Burgi

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