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CureVac: Corona-Impfstoff für die EU? Deutsches Unternehmen kurz vor Vertragsabschluss

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Von: Thomas Schmidtutz

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Das Logo des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac ist am Eingang des Firmensitzes in Tübingen angebracht. Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) besucht heute das Biotech-Unternehmen Curevac.
Curevac: Das Tübinger Biotech-Unternehmen arbeitet fieberhaft an einem Corona-Impfstoff. © Christoph Schmidt/dpa

Bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs hat das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac einen weiteren wichtigen Meilenstein erreicht.

München - Das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac steht unmittelbar vor der Genehmigung eines Rahmen-Vertrags zur Lieferung seines Corona-Impfstoffs an die EU. Man werde am Dienstag (17. November) mit der EU-Kommission eine entsprechende Vereinbarung über die Lieferung von insgesamt 225 Millionen Impfdosen schließen, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Außerdem umfasse der Auftrag die Option zur Lieferung weiterer 180 Millionen Dosen, hieß es.

Das Vakzin werde ausgeliefert, sobald die Wirksamkeit und Sicherheit des Covid-19-Impfstoffs erwiesen sei. Nach der geplanten Vereinbarung werde Brüssel eine Anzahlung zur Finanzierung der weiteren Entwicklung des Impfstoffs, der Produktion sowie der Markteinführung leisten. Über den Preis machte das Unternehmen am Montagabend auf Anfrage von Merkur.de* zunächst keine Angaben. Die Vereinbarung ist der fünfte Rahmenvertrag der EU mit einem Impfstoffhersteller.

Ähnlich wie beim Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech basiert auch der Impfstoff-Kandidat von CureVac auf der mRNA-Methode. Dabei werden Bestandteile des Erbguts des Coronavirus in den Körper injiziert. In den Zellen sollen sie dann die körpereigene Immun-Abwehr anregen.

CureVac-Chef Haas: „Arbeiten mit Regierungen auf der ganzen Welt zusammen“

CureVac greife „auf 20 Jahre Erfahrung zurück, um einen Impfstoff gegen COVID-19 zu entwickeln, der zur Beendigung der COVID-19-Pandemie beitragen kann und uns allen die Rückkehr zu einem uneingeschränkten Leben ermöglicht“, sagte Franz-Werner Haas, Chief Executive Officer von CureVac laut Pressemitteilung am Montag. Man sei „stolz darauf, dass wir dazu einen wichtigen Beitrag leisten und unseren COVID-19-Impfstoff möglicherweise den Bürgern der Europäischen Union zur Verfügung stellen können.“ Darüber hinaus arbeite man mit „Regierungen und multilateralen Organisationen auf der ganzen Welt zusammen, um einen möglichst breiten und gerechten Zugang zu unserem COVID-19-Impfstoffkandidaten zu gewährleisten“, erklärte Haas.

CureVac forscht seit Januar mit Hochdruck an einem Corona-Impfstoff. Erst Anfang November hatte das Unternehmen nach der Auswertung der Daten von 250 Probanden erklärt, die Zwischenergebnisse seien „sehr vielversprechend“. Die Ergebnisse aus der ersten klinischen Phase in den vier Testzentren in Tübingen, HannoverMünchen und Gent hätten eine „sehr gute Verträglichkeit“ gezeigt. Zudem hätten die Probanden eine „sehr gute Bildung von bindenden und neutralisierenden Antikörpern sowie Anzeichen für die Aktivierung von T-Zellen gezeigt“. Die erzielten Ergebnisse ähnelten sehr stark der Immunreaktion von Patienten, die mit dem Covid-19-Virus infiziert seien, hieß es. 

CureVac erweitert Produktionskapazitäten

Angesichts der positiven Ergebnisse will das Unternehmen noch im laufenden Jahr die groß angelegte Phase IIb/III beginnen. Dabei soll der Impfstoff an über 30.000 Probanden in Europa sowie Lateinamerika getestet werden. Nach den Plänen will Curevac dann im ersten Quartal 2021 einen Antrag auf eine sogenannte rollierende Zulassung bei der European Medicines Agency (EMA) stellen. Wenn alles gut gehe, könnte der Impfstoff Mitte 2021 zur Verfügung stehen, hieß es. 

Um die erwartete Nachfrage bedienen zu können, arbeitet das Unternehmen mit Hochdruck an der Ausweitung seiner Produktionskapazitäten. In Tübingen baut Curevac eine neue Anlage. Sie soll 2022 den Betrieb aufnehmen. Das Gebäude dafür steht bereits. Nun sollen die nötigen Anlagen installiert werden.

Alleine in die Produktionsanlagen will Curevac 75 Millionen Euro investieren. Zur Finanzierung hatte sich der Biotech-Spezialist im Juli einen Kredit der Europäischen Investitionsbank gesichert. Außerdem würden die bereits bestehenden Anlagen derzeit „mehrfach geklont“. Nun erhöht das Unternehmen seine Finanzkraft.

Ähnlich wie die Corona-Impfstoffe von Moderna oder Sanofi soll sich auch das Präparat von CureVac bei Kühlschrank-Temperaturen lagern lassen. Dies würde die Logistik erheblich vereinfachen. Der Impfstoff-Kandidat des Wettbewerbers Biontech benötigt bei Transport und Logistik Berichten zufolge dagegen arktische Temperaturen von minus 70 Grad, um seine Wirksamkeit zu sichern. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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