Folgen einer zweiten Welle

Volkswirte warnen vor nächsten Corona-Auswirkungen: „Dürfte bis zum Frühjahr zum Erliegen kommen“

Eine Kundin kauft im Supermarkt mit Mundschutz ein.
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Die Wirtschaft spürt die Auswirkungen einer möglichen zweiten Welle der Corona-Pandemie.

Die Wirtschaft in Deutschland leidet wieder stärker unter der Corona-Pandemie. Die Einschätzungen der Volkswirte deuten eine längere Talfahrt an.

  • Volkswirte von KfW, Deutsche Bank und Allianz sehen die deutsche Wirtschaft bei einer zweiten Corona-Welle in Gefahr.
  • Nicht alle Branchen sind gleichermaßen unter Druck.
  • Eine Entspannung der Lage im kommenden Jahr ist alles andere als sicher.

Nürnberg - Erst vor kurzer Zeit wurden die Konjunkturprognosen für das laufende Jahr und auch für das Jahr 2021 nach unten korrigiert. Nun warnen Volkswirte der großen Banken und Versicherungen eindringlich vor den weiteren Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft. Durch eine zweite Welle droht ein stärkerer Einbruch als ursprünglich erwartet.

Wirtschaftsaufschwung abgesagt? Coronavirus sorgt für düstere Prognosen

„Der konjunkturelle Aufschwung dürfte bis zum Frühjahr weitgehend zum Erliegen kommen“, prognostiziert die Chefvolkswirtin der staatlichen Bankengruppe KfW, Fritzi-Köhler Geib. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagt sie, dass „auch die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten stagnieren oder - wenn es schlecht läuft - deutlich zunehmen“ wird.

Dabei treffen die Probleme nicht alle Branchen gleichermaßen hart. Einzelne Wirtschaftsbereiche leiden besonders unter der Aussicht einer zweiten Corona-Welle. Dazu gehören weiterhin die Hotelbranche und das Gaststättengewerbe. Auch für die Kulturwirtschaft stehen die Zeichen schlecht, falls bis in den Winter hinein keine Erleichterungen bei den Corona-Maßnahmen kommen. Die Risiken durch das Coronavirus sind besonders hoch in allen Branchen, die im wahrsten Sinne des Wortes nah am Kunden sind.

Corona belastet Wirtschaft in Deutschland: Dienstleistungssektor gehört zu Verlierern

„Die Situation ist belastend, besonders für den Dienstleistungssektor“, meint deshalb auch Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank hält ihre Prognose von einem Wirtschaftseinbruch um 5,5 Prozent im laufenden Jahr und einem Wachstum um 4,5 Prozent im kommenden Jahr zunächst aufrecht. „Das dritte Quartal dürfte bei der Wirtschaftsleistung sogar positiv überraschen“, sagte Schattenberg. Allerdings seien für das vierte Quartal Abwärtsrisiken zu sehen, die sich dann auch in das neue Jahr hineinziehen könnten.

Auf dem Arbeitsmarkt gehören laut Schattenberg die Saisonjobs, zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten, zu den gefährdeten Stellen. Auch Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg sieht es ähnlich. „Der Arbeitsmarkt hatte sich im Sommer gefangen, die Erholung verläuft hier aber weitaus schleppender, und einige Bereiche wie die Industrie bauen weiter Beschäftigung ab.“

Corona-Auswirkungen: Deutsche Wirtschaft ab Herbst in schwieriger Situation

Die Allianz-Gruppe rechnet bei der Wirtschaftsleistung sogar mit einem Minus von 6 Prozent in diesem Jahr und einem Plus von 3,5 Prozent im kommenden. „Die Risiken nach unten überwiegen“, sagte Katharina Utermöhl von der Allianz. Sie erwartet, dass es „schon ab Herbst wieder ungemütlicher für die deutsche Wirtschaft“ werden kann. Utermöhl beschreibt den Zustand der Wirtschaft in der Corona-Krise als „Stop-and-Go-Modus“. Die zum Jahresende auslaufenden staatlichen Hilfen werden ihrer Ansicht nach sicher verlängert werden. (rm/dpa)

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