Bittere Zeiten für bayerische Autobauer?

BMW geht Münchner Mitarbeitern massiv ans Geld - Sorge auch um Audi-Stammwerk in Ingolstadt

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Trübe Zeiten an der BMW-Zentrale in München.

BMW will sparen - das bringt schmerzhafte Einschnitte mit sich. Nun sollen wohl auch explizit Hochqualifizierte betroffen sein. Doch der Betriebsrat kündigt Widerstand an.

Update vom 9. Oktober, 19.20 Uhr: Nicht nur bei BMW stehen bittere Einschnitte an (siehe Update um 18.15 Uhr). Sorgen macht sich auch der Audi-Betriebsrat um die Zukunft des Stammwerks in Ingolstadt, wo fast ausschließlich Benzin- und Dieselfahrzeuge produziert werden. Betriebsratschef Peter Mosch sagte am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung: „Es ist höchste Zeit, dass die Verunsicherung der Belegschaft aufhört. Wir brauchen Entscheidungen.“

Mosch erklärte laut der dpa, der Betriebsrat erwarte ein klares Bekenntnis zu den deutschen Standorten und die Verlängerung der Beschäftigungsgarantie um fünf Jahre bis 2030. Notwendig seien Investitionen statt Sparprogramme. Für die 61.000 Audi-Beschäftigten in Ingolstadt und im württembergischen Neckarsulm gilt noch bis 2025 ein Kündigungsschutz. 

Im März hatte Audi die Nachtschicht gestrichen, um Kosten zu sparen. Audi-Chef Bram Schot will den Autobauer mit einem harten Sparprogramm und Elektroautos wieder auf Kurs bringen.

BMW geht seinen Münchner Mitarbeitern massiv ans Geld - neue Details bekannt

Update vom 9. Oktober 2019, 18.15 Uhr: Die Bild berichtet von Verhandlungen zwischen der Unternehmensführung und dem Betriebsrat am Münchner Stammwerk. Für die 9000 Mitarbeiter könnte es demnach bittere Gehaltseinbußen geben. Nach Informationen der Bild soll die Erfolgsbeteiligung mindestens halbiert werden, was eine BMW-Sprecherin aber nicht bestätigen wollte. Das Weihnachtsgeld soll zudem auf 55 % eines Monatsgehalts sinken - bisher bekamen die Beschäftigten einen vollen Monatslohn. 

Zudem der Job-Hammer: Rund 3000 Leiharbeiter-Stellen sollen allein in München wegfallen, meldet die Bild. Außerdem soll die Produktion im Münchner Werk gedrosselt werden. Nur noch alle 74 statt wie bisher alle 69 Sekunden soll ein neuer BMW vom Band rollen. Für insgesamt 17 Wochen sollen zudem die Bänder ganz stillstehen - möglicherweise als Zwangsurlaub für viele Mitarbeiter in der Ferienzeit, spekuliert die Bild.

Bis zu 14.000 Euro weniger! BMW will massiv die Gehälter kürzen

Meldung vom 4. Oktober 2019: München - Die Mitarbeiter bei BMW kommen nicht zur Ruhe. Bereits im September war von akuter Gefahr für mehrere tausend Jobs bei dem Autobauer berichtet worden. Damals war allerdings vor allem von Einschnitten für Zeitarbeiter die Rede. Nun scheint sich zu zeigen: Auch die hochqualifizierten Festangestellten könnten vom Sparkurs betroffen sein.

Denn BMW will allem Anschein nach im Zuge seines Sparprogramms bei Tausenden Hochqualifizierten Arbeitszeit und Gehalt reduzieren. Das kann bei einigen der mehr als 5000 Betroffenen Einbußen von 10.000 bis 14.000 Euro im Jahr bedeuten, wie zuerst die Wirtschaftswoche berichtete. 

BMW kommentierte die Zahlen nicht, bestätigte aber, dass es bei den Gesprächen über das Sparpaket auch darum gehe, die Zahl der auf 40 Stunden aufgestockten Verträge zu reduzieren. Der Betriebsrat hat daraufhin Widerstand angekündigt.

Video: Schockierende Unterschiede beim Gehalt

BMW mit Sparmaßnahme: Keine Arbeitszeitverlängerung für Hochqualifizierte? Widerstand vom Betriebsrat 

Hintergrund der Debatte ist, dass hochqualifizierte Mitarbeiter bei BMW die tarifliche Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen können - und dann auch entsprechend mehr Geld bekommen. Voraussetzung ist, dass Unternehmen und Mitarbeiter dies wollen. Die Regelung ist üblicherweise auf zwei Jahre befristet. BMW will nun viele dieser Vereinbarungen nicht verlängern. Laut Wirtschaftswoche soll etwa ein Drittel der rund 17.000 Mitarbeiter mit solchen Verträgen betroffen sein.

Vonseiten des Betriebsrats kommt Kritik: „Ich werde dafür Sorge tragen, dass hochqualifizierte Mitarbeiter weiter 40 Stunden arbeiten dürfen“, sagte Betriebsratschef Manfred Schoch dem Blatt. Eine Sprecherin sagte der dpa: „Wir wollen nicht, dass wenige Menschen massiv betroffen sind.“ Zudem befürchten die Arbeitnehmervertreter, dass die Kürzung zu Arbeitsverdichtung führe: „Die Arbeit wird ja nicht weniger.“

BMW auf Sparkurs: Auch Einschnitte beim Jahresbonus und bei Zeitarbeitern

BMW will unter seinem neuen Chef Oliver Zipse die Gespräche über das Sparpaket bis Ende des Jahres abschließen. Beim Betriebsrat heißt es, man stehe dabei erst ganz am Anfang. Neben der Reduzierung der 40-Stunden-Verträge geht es bei dem Sparpaket auch um Einschnitte beim Jahresbonus und einen Abbau von Zeitarbeit. Zudem sollen frei werdende Stellen nicht nachbesetzt werden.

Der Autobauer hatte zuletzt große Umstrukturierungen angekündigt. Tausende Arbeitsplätze könnten in Gefahr sein. Im zweiten Quartal 2019 hatte BMW trotz steigender Absatzzahlen weniger Gewinn gemacht.

Ein BMW ist für viele ein Status-Symbol. In Düsseldorf sorgt nun ein goldener SUV der Marke für Wirbel. Die Polizei fand den Wagen nämlich alles andere als glänzend. 

dpa

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