Konzern will Stellen abbauen

Arbeitnehmer dringen bei Thyssenkrupp auf Klarheit

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Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Stahlsparte von Thyssenkrupp und Oliver Burkhard, Vorstand Personal und Arbeitsdirektor der Thyssenkrupp AG. Foto: Guido Kirchner

Wie geht es weiter bei Thyssenkrupp? Die Arbeitnehmervertreter verlangen schnelle Gespräche über die Folgen der geplatzten Stahlehe mit dem Konkurrenten Tata. Konzernchef Kerkhoff sucht derweil neue Partner.

Essen (dpa) - Thyssenkrupp lässt seine Beschäftigen über Einzelheiten des geplanten Konzernumbaus vorerst im Ungewissen. "Zu unserem Programm werden wir im August neue Details nennen", sagte Vorstandschef Guido Kerkhoff dem "Handelsblatt".

Teilbereiche des Dax-Konzerns würden aber nur verkauft, "wenn der neue Eigentümer umfassende Zusagen für die Beschäftigten macht". Der Betriebsrat dringt unterdessen auf schnelle Gespräche darüber, wie es nach dem Aus für die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata weitergehen soll.

Kerkhoff will den Industriekonzern radikal umbauen und dabei für Partner öffnen - unter anderem bei der Fertigung von Teilen für die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Dabei könne sich das Unternehmen auch mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden geben, sagte er. Die Komponentenfertigung ist mit weltweit 32 000 Mitarbeitern eines der großen Geschäftsfelder von Thyssenkrupp. Bei den Werften kann sich Kerkhoff ebenfalls Partnerschaften vorstellen. Der Konzern baut U-Boote und Marineschiffe. Auch Verkäufe sind nicht ausgeschlossen. Manche Geschäfte könnten sich "außerhalb von Thyssenkrupp besser entwickeln", hatte er zuvor bereits betont.

Der Industriekonzern hatte am Freitag die geplante Stahlfusion mit Tata gestoppt und auch seine Aufspaltung in zwei eigenständige Unternehmen abgesagt. Auslöser war das sich abzeichnende Nein der EU-Kommission zu dem Zusammenschluss. Nun will der Konzern in den kommenden drei Jahren 6000 Stellen abbauen, davon 4000 in Deutschland. Das soll möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, wie Thyssenkrupp inzwischen der IG Metall in einer Grundlagenvereinbarung zugesichert hat.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Stahlsparte von Thyssenkrupp, Tekin Nasikkol, forderte den Vorstand auf, unverzüglich in Verhandlungen zu treten. "Die in den letzten Tagen entstandene Unsicherheit muss sofort ein Ende haben", schrieb er in einem am Montag an die Stahlarbeiter verteilten Flugblatt. Betriebsbedingte Kündigungen seien ein Tabu. Über ihr weiteres Vorgehen wollen die Betriebsräte von Thyssenkrupp Steel an diesem Dienstag bei einer Konferenz in Duisburg beraten.

Nach Ansicht von Anlegervertretern wird es für Thyssenkrupp nach der Absage der Stahlehe nun noch schwerer. "Man kann am neuen Ausmaß des Stellenabbaus ermessen, wie wichtig der indische Konkurrent Tata als Fusionspartner gewesen ist", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, der Deutschen Presse-Agentur. "Man hat drei Jahre rumgebastelt an der Stahlfusion. Das sind jetzt verlorene Jahre", betonte er.

Den neuen Vorstandsplan, die profitable Aufzugssparte an die Börse zu bringen, sieht Hechtfischer eher als Notlösung. "Thyssenkrupp braucht das Geld, aber auch die Dividende. Die allerbeste Lösung scheint das nicht zu sein", meinte er. Die Gewinnausschüttung des "Prunkstücks" Aufzugssparte müsste man sich künftig mit anderen Aktionären teilen. Kerkhoff betonte, der Vorstand wolle mit den Erlösen aus dem Börsengang mehr Spielraum für den Konzernumbau bekommen. "Das hat absolute Priorität." Thyssenkrupp will nach einem Börsengang die Mehrheit behalten.

Die Entwicklung bei dem Industriekonzern alarmiert auch die katholische Kirche. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck wies am Sonntagabend auf die Sorgen vieler Beschäftigter hin und sagte: "Umso wichtiger ist die gestern erzielte Übereinkunft im Unternehmen, betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden." Er vertraue darauf, dass sich die Sozialpartnerschaft von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite bei Thyssenkrupp erneut bewähren werde und die notwendigen Anpassungen möglichst sozialverträglich gestaltet würden.

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