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Hamburger ÖPNV-Chefin über 49-Euro-Ticket: „Politisches Geschacher zulasten des Kunden“

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Von: Lisa Mayerhofer

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S-Bahn Hamburg
Der Starttermin des 49-Euro-Tickets soll sich um mehrere Monate verschieben. (Archivbild) © Christian Charisius/dpa

Der Starttermin des 49-Euro-Tickets soll sich um mehrere Monate verschieben. HVV-Chefin Anna-Theresa Korbutt kritisiert das – und merkt an, dass der Hamburger ÖPNV schon zum Januar bereit wäre.

Berlin – Eigentlich hätte das 49-Euro-Ticket zum Jahreswechsel kommen sollen. Doch der Starttermin für das Sparticket wird sich wohl um mehrere Monate verzögern. „Der Zeitpunkt des Beginns wird der 1. Mai sein“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Oliver Wolff, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

HVV-Chefin über Verzögerung beim 49-Euro-Ticket: „Das kann ich nicht mehr gutheißen“

Viel früher sei es laut Wolff nicht möglich. Es gebe noch viel zu tun, bis alles administrativ geregelt sei. Er nannte den Prozess der Tarifgenehmigung als Beispiel. Zudem müssten die Tarifsysteme der Verkehrsverbünde umgestellt werden. Das sehen aber wohl nicht alle in der Branche so: Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV), kritisierte die Haltung des VDV in einem Kommentar unter einem LinkedIn-Post des Verbandes.

Sie schreibt: „Ich bin erschüttert über das, was der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) da gerade sagt und tut.
Nein, es ist nicht vertretbar, dass der Zeitpunkt des Tickets immer weiter hinausgezögert wird. Wir sind selber Teil der Branche und wissen, was machbar ist und was nicht.“ Korbutt meint, sie wären zum 1. Januar 2023 „startklar gewesen“. „Das ist jetzt politisches Geschacher zulasten des Kunden. Das kann ich nicht mehr gutheißen. Das heißt der Kunde auch nicht mehr gut! Sorry“, kritisiert die HVV-Chefin.

Für ihre Aussage erhielt sie von vielen Nutzern Lob – aber auch Kritik vom Chef der ESWE Verkehrsgesellschaft in Wiesbaden und einem VDV-Pressesprecher. Ihm zufolge liege ein Problem darin, dass das 49-Euro-Ticket – anders als das Neun-Euro-Ticket – nur digital sein soll und dafür müsse es vorher „sicher ausgegeben und kontrolliert“ werden können.

Pressesprecher Daniel Ackers erklärt weiter: „Aber damit der Fahrgast aus dem HVV auch überall in Deutschland mit einem gültigen Ticket unterwegs sein kann, braucht es jetzt das nationale ‚hochfahren‘ aller digitalen Vertriebssysteme. Hier benötigt der HVV und seine Nachbarn noch mehr als 33 Kalendertage. Und bitte glauben Sie mir – alle Menschen, die sich mit diesen Themen aktuell beschäftigen, stellen sich nicht auf besinnliche Weihnachten ein.“ Man gebe gerade Vollgas, um das Projekt zu realisieren. In einer Replik lädt ihn Korbutt daraufhin zu einem „fachlichen Austausch“ ein.

49-Euro-Ticket: Weiter Streit um Finanzierungsfrage

Hinter den Diskussionen, ob das 49-Euro-Ticket zum Jahreswechsel realisierbar wäre oder nicht, steht außerdem noch die grundlegende Finanzierungsfrage. Das betonte ein VDV-Sprecher erneut am Mittwoch (30. November) in Berlin. Zwar hätten die Landesverkehrsminister einen guten Beschluss gefasst, weil sie sich zur hälftigen Mitfinanzierung von Mehrkosten klar positiv positioniert hätten. „Nur leider hat der Bundesverkehrsminister dies für den Bund nicht getan“. Je länger diese Frage offen bleibe, desto später könnten die Verkehrsunternehmen und Verbünde mit der Einführung des Tickets beginnen.

Die Länder streben einen Start des 49-Euro-Tickets im Nah- und Regionalverkehr zum 1. April an. Zugleich erwarten sie aber vom Bund, dass eventuell entstehende Mehrkosten beim neuen Deutschlandticket zu gleichen Teilen zwischen Bund und Ländern aufgeteilt und gemeinsam getragen werden. Bundesverkehrsminister Volker Wissing äußerte sich zurückhaltend zu den Plänen. Er sagte außerdem, je schneller das Ticket komme, desto besser.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Oliver Wolff, hatte am Dienstag erklärt, bisher liege das Risiko eines höheren Verlustes beim Deutschlandticket, der über die zwischen Bund und Ländern bisher vereinbarten drei Milliarden Euro hinausgehe, komplett bei den Verkehrsunternehmen. Diese könnten das aber nicht tragen.

Mit Material der dpa

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