Zwischen Sucht und Sehnsucht

+
Antje Schmidt Mitarbeiterin in der Kontaktstelle des Blauen Kreuzes Schalksmühle berichtete in der siebten Klasse der Verbundschule von den vielseitigen Formen von Süchten. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Cola, Chips, Kondome – die Verpackungen liegen mitten im Klassenzimmer auf dem Boden. „Keine Sucht“, steht in großen Lettern auf dem roten Blatt Papier, das unter den Gegenständen liegt. Die Schüler der siebten Klasse der Verbundschule beschäftigen sich derzeit mit dem Thema Sucht.

Während Alkohol, Zigaretten und Pillen auf der Seite „Suchtmittel“ liegen, wird über andere Sachen wie Konsolenspiele diskutiert. „Dinge, die ihr regelmäßig macht, werden zur Gewohnheit – daraus kann eine Sucht entstehen“, sagt Antje Schmidt. Die Mitarbeiterin in der Kontaktstelle des Blauen Kreuzes Schalksmühle erklärt: „Wenn ihr aus der Schule kommt und jeden Tag eine Tüte Gummibären esst und ihr sauer seit, wenn die plötzlich nicht mehr da sind und ihr ein Verlagen danach habt, ist das eine Sucht.“

Erstaunte Blicke bei den Schüler, während die Referentin die Gummibärchentüte auf die Suchtmittel-Seite legt. Kurze Zeit später folgen die Kaffee-Tüte, Schokolade, Kartenspiele und Waschlotion. Schmidt: „Auch das permanente Reinigen kann zur Sucht werden.“

Die Wege in die Sucht seinen vielschichtig, erklärte die Expertin. Sie erzählte eine fiktive Geschichte von Peter – einen Jungen, der in der Schule gemobbt und geärgert werde. Zusammen mit den Schülern erarbeitete sie, wie sich der Jugendliche fühlt, was er tun kann, um sich gut zu fühlen und wie fließend manchmal die Grenzen zwischen wohlfühlen und Sucht sind.

„Peter hat vielleicht das Gefühl, dass es im besser geht, wenn er Alkohol trinkt – durch einen Dauerrausch werden die Probleme aber größer. Die Sucht ist eine Sehnsucht – nach Anerkennung und anderen Dingen“, meint Antje Schmidt. „Durch so ein Verhalten frisst man seinen Kummer in sich herein“, sagt Schüler Daniel und hat einen anderen Vorschlag: „Peter sollte besser mit Freunden und der Familie über die Probleme sprechen.“ Schmidt erzählt den Schülern, dass sich Alkoholiker durch die Ausgrenzung weiter in die Sucht flüchteten.

„Iiih, guck mal der hat Krebs – sagt man auf der Straße auch nicht. Ihr müsst Sucht als eine Krankheit ansehen und solltet Menschen nicht diskriminieren, die Probleme haben.“ ▪ mc

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare