Dr. Heiner Geißler in Schalksmühle

Zwischen Religion und Politik

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Dr. Heiner Geißler signierte unter anderem für Marlen Pätsch ein Buch für die Bücherei Schalksmühle KÖB.

Schalksmühle - Wenn man Dr. Heiner Geißler folgt, ist es 500 Jahre nach der Reformation an der Zeit, die Spaltung der Konfessionen zu überwinden, um sich gemeinsam als Christen in der Welt für Frieden und gegen Ungerechtigkeit einzusetzen. Am Mittwochabend war der CDU-Politiker und Buchautor in der Festhalle Spormecke zu Gast, um über sein Buch „Was müsste Luther heute sagen?“ zu sprechen.

Bei der Gemeinschaftsveranstaltung von Gemeinde und Bücherei präsentierte Geißler anstelle einer Lesung die wesentlichen Inhalte einiger Kapitel seines Buches in freier Rede. Wie er selbst erstmals mit Luther konfrontiert wurde war genauso Thema, wie die revolutionäre Änderung im theologischen und gesellschaftlichen Denken, die vor 500 Jahren angestoßen wurde. Die Trennung der Kirchen hält Geißler heute für nicht mehr zeitgemäß – politisch seien die Konfessionen in der CDU schon lange geeint.

Auch die kritische Auseinandersetzung mit Martin Luther fehlte nicht. Er sei zwar konsequent in seinem theologischen Denken gewesen, gleichzeitig habe er die gesellschaftlichen Dimensionen seiner Lehre nicht wahrgenommen oder wollte sie nicht wahrnehmen. Als Beispiel beschrieb Geißler unter anderem, dass der Reformator formulierte, dass es keines Mittlers zwischen dem einzelnen Menschen und Gott bedürfe, lediglich ein Prediger sei noch nötig. Damit habe Martin Luther – entgegen seines eigenen Frauenbildes – das Predigeramt auch für Frauen geöffnet. Er selbst habe aber nicht geglaubt, dass sich das durchsetzen würde, weil die meisten Frauen im 16. Jahrhundert nicht lesen und schreiben konnten.

Auch heute noch sei die Diskriminierung von Frauen – begründet in mangelndem Zugang zu Bildung – „die schlimmste Situation, die wir auf der Erde haben“, sagte Geißler und erhielt spontanen Beifall der Zuhörer. Die Hauptverantwortung dafür tragen seiner Meinung nach die prophetischen Weltreligion Judentum, Christentum und Islam. Dabei sei das überhaupt nicht im Evangelium begründet. „Jesus liebte die Frauen.“ Geißler ist sicher, dass Luther den beiden Kirchen heute sagen würde: „Macht nicht dieselben Fehler wie damals.“

Im Anschluss an seinen Vortrag nahm sich der Referent Zeit, Fragen zu beantworten. Diese drehten sich vor allem um aktuelle Themen wie den bevorstehenden Besuch von Angela Merkel bei Donald Trump und Reformen der Agenda 2010. Der 87-Jährige stellte unter Beweis, dass er immer noch ein Kenner der politischen Szene ist und eigene Positionen vertritt.

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