Familie Cordt aus Schalksmühle arbeitet in Peru für Entwicklungshilfe

Auch die Bäckerei „Nemi Pan“, in der nach deutschem Rezept gebacken wird, unterstützt Christian Cordt. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Der Faden läuft durch Ursulas Finger während sie den Schlitten der Strickmaschine über die darunter liegenden Nadeln fahren lässt. An einem Gewicht unten an der Maschine wächst ein gestrickter Schal aus Alpakawolle. .

Ursula ist eine von etwa 15 „Senoras“, die in der Strickereiwerkstatt Qilliy in Horacio, einem Armenviertel außerhalb der peruanischen Stadt Arequipa, arbeiten. Auf dem Gelände der ACJ (CVJM) Peru nutzen sie einen mit Strickmaschinen ausgestatteten Raum für ihr neu gegründetes Unternehmen. Bei den noch ungewohnten ersten Schritten in die Selbständigkeit unterstützt die Frauen Christian Cordt aus Schalksmühle. Für drei Jahre leben Katja und Christian Cordt mit ihren Töchtern Jordanan und Catalina in der Stadt in den peruanischen Anden und leisten im Auftrag der ACJ Peru Entwicklungshilfe bei Projekten in Arequipa und Lima.

Knapp die erste Hälfte dieser Zeit ist nun um. In dem ersten Jahr der Arbeit in Peru hat sich schon viel getan, aber es sind auch noch viele Aufgaben zu bewältigen. Gerade in der Strickerei gibt es gute Fortschritte. „Ein neu gegründetes Komitee kümmert sich um die unterschiedlichen Aufgaben, die bei der Unternehmensorganisation anfallen. Inzwischen sind die Frauen an allen Produktionsschritten bis hin zum Export beteiligt“, erklärt Christian Cordt. Die Vorsitzende des Komitees ist nun fest angestellt, alle anderen Strickerinnen erhalten einen Stücklohn. Auch qualitativ erfahren die Alpaka-Strickwaren Anerkennung. Bei einem landesweiten Wettbewerb wurden die Strickkleider von Qilliy gewürdigt und für die größte Alpakastrickerei Perus fertigte man Muster an. Eine deutsche Großdruckerei ließ ihre Weihnachtspräsente für dieses Jahr – 150 Mützen und 70 Schals mit Firmenlogo – in Peru stricken. „Es gibt aber weiterhin viel zu tun. Wir müssen mehr Präsenz auf Messen zeigen und versuchen, mehr kontinuierliche Aufträge zu bekommen“, so Cordts Ziel für das kommende Jahr. Denn nur so haben auch die Frauen ohne Festanstellung eine regelmäßige Lebensgrundlage.

Eine gute Geschäftsidee hat auch die Bäckerei „Nemi Pan“ (zu deutsch: Brot des Lebens) auf dem gleichen CVJM-Gelände im Armenviertel Horacio. Das Kornbrot nach deutschem Rezept der kleinen Bäckerei kommt bei den vielen Europäern und Nordamerikanern in Arequipa gut an. Jedoch bei der Organisation und Vermarktung hapert es an manchen Stellen. Ein kaputter Ofen und hohe Energiekosten sorgten in diesem Jahr für weitere Rückschläge in der noch jungen Selbständigkeit des kleinen Unternehmens. „Hier gibt es im kommenden Jahr noch viel zu tun, auch was die Zusammenarbeit der Frauen betrifft“, meint Christian Cordt.

Die dritte Werkstatt, die der Diplombetriebswirt und Lehrer betreut, liegt in der Hauptstadt Lima. Die Textilwerkstatt stellt unter anderem Merchandise-Artikel für den CVJM her, diese werden in einer Verkaufsstelle vor Ort vertrieben. Auch der deutsche CVJM kauft hier beispielsweise T-Shirt, Caps oder Jacken für Jungscharcamps ein.

Alles in allem blicken die Cordts auf ein erfolgreiches Jahr zurück. „Unsere Kinder haben sich gut eingelebt. Sie sprechen inzwischen fließend Spanisch und kommen bestens im Kindergarten und der Schule zurecht“, sagt Katja Cordt. Trotzdem genießt die Familie derzeit ihren Heimaturlaub im heimischen Schalksmühle, bevor es im neuen Jahr wieder ins hochsommerliche Arequipa geht – zurück zu Alpakastrick und Kornbrot.

Spenden für die Projekte in Peru: Ev. Kirchengemeinde Brügge, Kto. 562, Sparkasse Lüdenscheid, BLZ 45850005, Vermerk: Spende Famielie Cordt, ACJ Peru

Von Marit Schulte

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