Angeklagte aus Firmen in Schalksmühle und Ennepetal

Mehr als eine halbe Million Euro Schaden - Wirtschaftsprozess vor Neustart

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Schalksmühle/Hagen - Mit der erneuten Verlesung der Anklage gegen zwei der ursprünglich drei Angeklagten ist im Landgericht Hagen ein Wirtschaftsprozess neu gestartet worden, in dem es um Betrügereien rund um die Lieferung minderwertigen Messingschrotts geht.

Ein 66-jähriger Mitarbeiter eines Schalksmühler Entsorgungsunternehmens soll in den Jahren 2011 bis 2015 im Auftrag seiner Firma einen Mitarbeiter (49 Jahre) eines großen Ennepetaler Metallverwerters 93-mal bestochen haben, damit dieser aus Schalksmühle gelieferte Eimer mit Messingstäuben als angeblich selbst gezogene Materialproben deklarierte. Dadurch soll kaschiert worden sein, dass das aus Schalksmühle gelieferte Material gestreckt war und erheblich weniger Kupfer enthielt als die untergeschobenen Proben. 

Die Anklage listet für die Jahre 2011 bis 2015 jeweils zwischen zwölf und 24 Lieferungen auf, deren Metallgehalt zwischen acht und 20 Prozent unter den vorgetäuschten Werten gelegen haben soll. Die Ennepetaler Firma soll durch diese Betrügereien einen finanziellen Schaden von 638.665 Euro erlitten haben.

Erster Anlauf der Aufklärung im März 2020

Beim ersten Anlauf zur Aufklärung der Vorwürfe im März 2020 war zunächst der angeklagte Geschäftsführer des Schalksmühler Unternehmens aufgrund einer schweren Erkrankung ausgeschieden. Dann setzte die 1. große Wirtschaftsstrafkammer das Strafverfahren wegen der Corona-Krise vorläufig aus. Nun haben die Richter noch einmal 13 Verhandlungstage zur Aufklärung der Vorwürfe angesetzt. 

Der 66-jährige Angeklagte aus Nachrodt-Wiblingwerde blieb bei seiner Linie und schwieg zu den Vorwürfen. Der ehemalige Mitarbeiter des angeblich betrogenen Ennepetaler Metallhandelsunternehmens legte hingegen erneut ein umfassendes Geständnis ab und belastete seinen Mitangeklagten. Dieser habe ihm im Auftrag des Schalksmühler Schrotthandels pro Lieferung 150 Euro Schmiergeld gezahlt, erklärte der 49-Jährige. Die Initiative zu den Schmiergeldzahlungen sei von seinem Mitangeklagten ausgegangen: „Er fragte, ob man da nicht was machen könne.“ 

Finanzielle Probleme sind der Grund für die Tat

Nach kurzem Zögern sei er wegen eigener finanzieller Probleme auf dieses Angebot eingegangen – für 150 Euro pro Lieferung. Offenbar beruhigte sich der Bestochene damit, dass angeblich nur zwei bis drei Prozent weniger Kupfer in den gelieferten Messingstäuben sein sollten. „Haben Sie nicht darüber nachgedacht, dass sich der ganze Aufwand für so einen kleinen Prozentsatz nicht lohnt?“, wunderte sich der Vorsitzende Richter Andreas Behrens.

 Der 49-Jährige berichtete, dass sich die beiden Männer zur konspirativen Übergabe des Geldes im Ennepetaler Büro oder in der Nähe des dortigen Metallverwerters getroffen hätten. Derart bestochen habe er auf das Ziehen einer Materialprobe aus den Lieferfahrzeugen verzichtet und stattdessen vorbereitete Proben zur Analyse gegeben, die aus Schalksmühle mitgeliefert wurden. Auf diese Weise sei das Ennepetaler Unternehmen über Jahre hinweg über den tatsächlich minderen Wertstoffgehalt der angelieferten Messingstäube getäuscht worden.

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