Dem Wald geht es schlecht

Die Zukunft des Gemeindewaldes - die Lage ist schwierig

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Der Klimawandel beeinflusst nicht nur die privaten, sondern auch die gemeindlichen Waldflächen.

Schalksmühle - Den Wäldern in Deutschland geht es schlecht. Laut des aktuellen Waldzustandsberichtes des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz weist in NRW nur etwa jeder fünfte Baum keine Schäden auf. Die Waldflächen in Schalksmühle sind da keine Ausnahme, auch wenn sich die Lage vor Ort weniger dramatisch darstellt.

Nicht nur Umweltministerin Ursula Heinen-Esser betont: „Uns muss dringend eine Trendumkehr gelingen. Die Zahlen sind alarmierend. Unser Wald ist krank, er braucht unsere Hilfe im Klimawandel – er braucht Zukunft.“ Bei der aktuellen Erhebung wurde bei 42 Prozent der Bäume eine deutliche Kronenverlichtung festgestellt (39 Prozent in 2018), schwache Schäden blieben mit 39 Prozent konstant.

Angesichts der massiven Einflüsse durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer fordern auch die Verantwortlichen vor Ort, Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg und Revierförster Hubertus Bierkoch, ein Umdenken. Der Waldexperte, der auch für die Bewirtschaftung der gemeindlichen Wälder als Mitarbeiter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Märkisches Sauerland mit Sitz in Lüdenscheid, zuständig ist, forderte bereits Ende vergangenen Jahres, dass man Chancen auf einen Umbau zu artenreichen Mischwäldern mit klimaangepassten Baumarten nutzt und sich heute Gedanken macht, wie der Wald morgen aussehen soll. Er legte im Rahmen einer Sitzung eines Gemeindeausschusses Zahlen vor, die den Schaden durch Schädlinge wiedergeben. 

Kein wirtschaftliches Arbeiten möglich

Der Befall sorge, Stand 2019, in NRW für rund 13 Millionen Festmeter Schadholz. 2018 seien es deutschlandweit noch zwölf Millionen Festmeter. Auch die Holzwirtschaft in Schalksmühle sei davon stark betroffen. Bei einer Mitgliedsfläche der Forstbetriebsgemeinschaft von rund 1600 Hektar erfolge ein Jahreseinschlag von 8000 Festmetern (Fm). Das entspreche einer Nutzung von fünf Fm/ha. In 2019 rechne man mit einem Mengenumsatz von rund 10 000 Festmetern. Diese Ernte sei rund 25 Prozent über dem normalen Hiebsatz. Vom Geldverdienen könne man angesichts dieser Werte nicht mehr sprechen, betonte Hubertus Bierkoch. Auch in diesem Jahr werde wahrscheinlich nicht wirtschaftlich gearbeitet werden können, so seine Prognose. 

Seine damalige Forderung greift nun auch der Verwaltungschef in einem Gespräch mit uns erneut auf. Anders als die heimischen Waldbauern, die den Wald zum Broterwerb benötigen und deshalb ihr Augenmerk eher auf die Wirtschaftlichkeit ihres Handelns legen, sei die Gemeinde freier in der Bewirtschaftung ihrer Flächen. Angesichts des Klimawandels sei sie in der Pflicht, sich zu positionieren. Die Gemeinde kann eine andere Funktion einnehmen als die Waldbauern. Man könne anders agieren. „Wir müssen den Wald nicht rein von der betriebswirtschaftlichen Seite sehen. Für uns zählen insbesondere die Faktoren Gesundheit und Erholung“, sagt Schönenberg. Für die Verantwortlichen sei es nun an der Zeit, „Geld in die Hand zu nehmen“ und zu handeln. 

Baum-Alternativen suchen

Eine Möglichkeit bestünde darin, andere Arten von Bäumen zu finden, die klimaresistenter sind als die bisherigen. „Die Fichte stirbt durch die Trockenheit und den Borkenkäfer in großem Maße. Deshalb müssen wir Alternativen suchen. Wir müssen am Anfang auch einmal experimentieren. Wichtig ist auch, Mischwälder verstärkt anzupflanzen.“ Den Zeitpunkt für diesen Schritt kann er genau festlegen. „Wir sollten umgehend tätig werden. Ich habe auch kein Patentrezept, aber wir sollten die Menschen als erstes sensibilisieren.“ 

Der Bürgermeister möchte sich darüber hinaus zu diesem Vorhaben mit Fachleuten wie zum Beispiel Revierförster Hubertus Bierkoch zusammensetzen und eine gemeinsame Strategie entwickeln, um dem heimischen Wald eine Zukunft zu geben. Die Gemeinde Schalksmühle hat in dieser Hinsicht auch eine Vorbildfunktion einzunehmen. Er betont aber ausdrücklich, dass dies alles nicht zum „Nulltarif“ gehen könne.

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