Windkraft auf dem Worthberg - Kommt der Uhu in die Windräder?

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Die drei geplanten Windkraftanlagen auf dem Worthberg könnten eine Gefahr für in Schalksmühle beheimatete Uhu sein, da sind sich heimische Vogel-Fachleute sicher. 

Schalksmühle/Halver - Geht von den durch Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) geplanten drei Windkraftanlagen auf dem Worthberg eine Gefahr für seltene Vögel aus? Fragt man die heimischen Fachleute, dann ist die Antwort eindeutig. Neben dem Rotmilan sehen sie vor allem den Uhu durch die großen Rotorblätter der Räder in Lebensgefahr.

Bereits während der ersten offiziellen Vorstellung der Pläne durch EnBW-Vertreter im Ratssaal machte Manfred Künsting, Gründer und Projektleiter der NABU-Ortsgruppe Mittleres Volmetal und des Brügger Freundeskreise für Natur und Heimatpflege, mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass durch das Vorhaben des Karlsruher Unternehmens die ortsansässige Uhu-Population gefährdet sei. Von der Gegenseite wurde argumentiert, dass zwar insgesamt dort viele Vögel vorhanden seien, sie würden den Wald am Worthberg aber nicht als Jagdgebiet nutzen, sodass eine Gefährdung somit auszuschließen sei. 

Vor solch einem Bild fürchten sich die Mitglieder des Vereins. Zu sehen ist ihre Illustration der drei Windräder auf dem Worthberg.

Diese Schlüsse hätten Untersuchungen, die EnBW vor Ort hat durchführen lassen, ergeben. Das Gutachten sei nach Antrag beim Märkischen Kreis einsehbar. Diese Aussage sorgte bei vielen vogelkundigen Teilnehmern der damaligen Sitzung für Empörung. In einem Leserbrief im Nachgang schilderte Manfred Künsting, dass seine Recherchen bei der Kreisverwaltung ergeben hätten, dass solch ein Gutachten überhaupt nicht existiere. 

Im Gespräch mit unserer Redaktion wies er noch einmal auf die Gefährdung des Vogels hin. „Laut der Roten Liste NRW gilt der Uhu nach Schutz-Kathegorie III als eine unter anderem durch Windkraft hochgradig gefährdete Spezies.“ Er befürchtet, dass durch die Windräder, die in rund einem Kilometer Luftlinie zum Brut- und Jagdgebiet der Vögel errichtet werden sollen, „die seit Menschengedenken erstmals erfolgte Wiederbesiedlung in der Fließgewässerwildnis Mittleres Volmetal durch den Uhu als größten Greifvogel an der Spitze der Nahrungspyramide definitiv wieder eliminiert wird“. 

Uhu-Pärchen nutzt großes Jagdrevier

Der Naturschützer weiß, dass jedes Uhu-Pärchen ein Jagdrevier von mindestens 50 Quadratkilometern beansprucht, um satt zu werden. Dieses Gebiet entspreche in etwa dem Bereich von Dahlerbrück bis Kierspe-Berkenbaum und rund fünf Kilometer in Richtung Halver. Damit würden die Windräder auf dem Worthberg genau in den Aktionsradius der Vögel fallen. 

Das Bild zeigt einen weiblichen Altvogel.

Auch wenn der Uhu als sehr scheues Tier nur selten bis überhaupt nicht beobachtet werden kann, ist sich Manfred Künsting sicher, dass mehrere Tiere in Schalksmühle zuhause sind. „Der Uhu festigt sich hier. Wenn er jetzt in die Flügel kommt, dann waren alle bisherigen Ansiedlungsinitiativen umsonst.“ Auch Ortwin Schmidt teilt diese Meinung. Schließlich war er es, der 2011 die Aufzucht eines Jungvogels in Dahlerbrück beobachten konnte. Nur ein Jahr später konnte er sogar vier Jungtiere sichten. 2013 soll dann das Brutgebiet durch Forstarbeiten leer geräumt worden sein. 

„Der Uhu ist immer noch da. Besonders im Oktober kann man seine prägnanten Rufe hören. Es gibt mit Sicherheit zwei nachweisbare Pärchen in Schalksmühle.“ Er hatte in der Sitzung mit den EnBW-Vertretern darauf hingewiesen, dass die Uhus in der Nacht auf Baumwipfel-Höhe jagen. Für ihn ist klar: „Windräder gehören nicht in dicht bewaldete Gebiete. Überall ist in Deutschland Platz. Da muss man sich nicht das waldreiche Sauerland aussuchen.“ 

Mit dieser Meinung geht auch Manfred Künsting konform. Für ihn gehören solche Anlagen nicht in schützenswerte Gebiete wie dem Worthberg. Er fordert, dass man alternative Standorte für eine vernünftige Ansiedlung, etwa an Autobahnen, nutzt. Doch der Naturschützer betonte auch, dass er nicht gegen erneuerbaren Energien sei. „Die grundsätzliche Nutzung von Windkraft an dem Menschenwohl und dem Artenschutz angepassten Standorten halten wir angesichts der bestehenden Handlungszwänge im alles überlagernden Kampf gegen den Klimawandel für vertretbar.“ 

Schulterschluss mit Windvernunft

Gleich vier Uhu-Jungtiere konnte Naturliebhaber Ortwin Schmidt aus Dahlerbrück im Jahr 2012 fotografieren.

Mit dieser Haltung finden Manfred Künsting und seine Mitstreiter vom Brügger Freundeskreis auch Zustimmung bei dem neugegründeten Verein Bürgerinitiative Windvernunft Halver-Schalksmühle. Er sieht einen „engen Schulterschluss im erbitterten Kampf gegen den geplanten Standort des Windparks“. Er ist sich sicher, dass die Engagierten Einspruch gegen ein mögliches Okay der Kreisverwaltung als Genehmigungsinstanz zu der EnBW-Planung einlegen werden. Die Beobachtungen und Einschätzungen der heimischen Vogel-Experten werden dann sicher eine Rolle spielen. Manfred Künsting möchte auf jeden Fall mit anderen Mitstreitern nach der Brutzeit des Uhus weitere, belastbare Nachweise zu den Tieren erbringen. 

„Rücksichtslose Investoren“

Renate Sikora, die 1. Vorsitzende des Vereins, kann nur unterstreichen, dass man den Schulterschluss zu Manfred Künsting als „hervorragenden Naturschützer“ sucht. „Er wird uns bei unserer Sache zur Seite stehen. Wir teilen viele Standpunkte. So betonen wir beide, dass wir nicht generell gegen Windkraft, sondern für angemessene Standorte für Windräder – etwa an Autobahnen – einstehen.“ Für sie, genauso wie für Manfred Künsting, gilt der Worthberg als schützenswerter Bereich. „Es ist faszinierend, wenn man sieht, was sich dort alles bewährt.“ 

Den Uhu als Vorreiter im Kampf gegen die geplanten drei Anlagen am Worthberg ins Feld führen möchte Renate Sikora aber nicht. Sie warnt vor den „rücksichtlosen Investoren“. „Ich habe da arge Bedenken.“ Dass sie, ihre Mitstreiter im Verein und die Naturfreunde weiter handeln müssen, stehe aber außer Frage. Von ihrem Garten in Halverscheid aus kann die Direkt-Betroffene berichten, dass bereits die Arbeiten an der Zuwegung zum späteren Baufeld im Gange sind. „Ich rechne jeden Tag mit dem Bauantrag durch EnBW.“

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