Zweifel kommen auf

Kupfer-Prozess: Zwielichtiger Zeuge kommt erneut zu Wort

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Schalksmühle/Hagen - Im Kupferprozess hat die 1. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hagen noch einmal den wohl zwielichtigsten Zeugen des ganzen Strafprozesses vernommen.

Er hatte das Schalksmühler Unternehmen im Rahmen einer polizeilichen Vernehmung stark belastet und diese Aussage später durch eine eidesstattliche Erklärung widerrufen. Ein Kriminalbeamter, der ihn am 12. Juli 2015 vernommen hatte, berichtete vom Verlauf des Gespräches. 

Der Zeuge habe damals erzählt, dass er im Auftrag des Schalksmühler Unternehmens „Messingstaub mit Schlacke und Sand vermischt habe“. Bei den Lieferungen sei der 66-jährige Angeklagte häufig mitgefahren. Einmal habe er selber gehört, dass dieser den Hinweis bekam: „Nimm die Umschläge mit.“ Ansonsten habe er nur „im Nachhinein gehört, dass der Angeklagte jedes Mal Briefumschläge mitgenommen habe“. 

Fast zwei Jahre später ändert er seine Meinung

Zur anderen Seite lief der Zeuge spätestens am 7. März 2017 über. An diesem Tag erklärte er bei einem Rechtsanwalt in Form einer eidesstattlichen Versicherung, dass seine bisherigen Angaben zu Betrugstaten des Schalksmühler Unternehmens nicht zutreffend seien. Er sei von dem Ennepetaler Recyclingunternehmen durch die Zahlung eines Bestechungsgeldes zu seiner nunmehr angeblich falschen Aussage veranlasst worden. Tatsächlich waren von einem dortigen Firmenkonto 5000 Euro in die Türkei geflossen. Vertreter des Unternehmens hatten erklärt, dass sie auf Bitten des zwielichtigen Zeugen diesen Betrag aus humanitären Gründen für eine Augenoperation von dessen Mutter zur Verfügung gestellt hatten. 

Der Anwalt, der die eidesstattliche Erklärung mit dem Zeugen durchgesprochen hatte, berichtete von den Umständen des Gesprächs in seiner Kanzlei am 7. März 2017: Auch der Chef des Schalksmühler Unternehmens, dem er auch bei anderen Gelegenheiten als Notar und Anwalt zur Seite stand, sei schweigend mit dabei gewesen. Eine Rechnung bekam der Zeuge nicht für die Bemühungen des Anwalts, für die nach einer Stunde normalerweise 250 Euro berechnet worden wären. 

Durchaus glaubwürdiger Vortrag des Zeugen

Der Anwalt bestätigte, dass es das Ziel der eidesstattlichen Erklärung war, „ein Gegengewicht zur polizeilichen Aussage herzustellen“. Er gab zu, dass der Blick dabei auch auf den von ihm betreuten und noch offenen Zivilprozess zwischen den beteiligten Firmen gerichtet war. „Erklärung auch zur Vorlage bei der Staatsanwaltschaft Hagen und beim Landgericht Hagen“, nennt das Papier einleitend zwei wichtige Zieladressen. „Klar, logisch und strukturiert“ sei der Vortrag des zwielichtigen Zeugen gewesen, der ihm – durchaus glaubwürdig – seinen Sinneswandel geschildert habe, erklärte der Anwalt. 

Bei seiner erneuten Vernehmung gab sich der zwielichtige Zeuge allerdings nicht sehr luzide. Er tat sich sehr schwer und verwies auf einstmals „schwere Zeiten“ und immer wieder auf Erinnerungslücken: „Ich kann Ihnen das nicht sagen. Wie soll ich mich daran noch erinnern? Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe und was nicht.“ An den Besuch beim Rechtsanwalt und seine eigenen damit verbundenen Ziele konnte er sich angeblich kaum noch erinnern. Im Kern blieb er – wenig überraschend – bei dem, was er in seiner eidesstattlichen Erklärung noch zusammenhängend zu Protokoll gegeben hatte. „Sie wollten Geld verdienen mit einer falschen Geschichte?“ folgte der Vorsitzende Richter Andreas Behrens dem Zeugen in dessen Behauptung, dass er bei seiner ursprünglichen Aussage bei der Polizei gelogen habe. „Ja!“, bestätigte der Zeuge. 

Der Richter ist verwundert

Der Richter wunderte sich über die damals angeblich erfundenen Details, die sogar Tonnenangaben über Schlacke, Sand und Messingstaub enthielten. Der Vorsitzende wunderte sich noch mehr über den Gleichklang zwischen dem, was der 49-jährige Angeklagte in seinem Geständnis über die empfangenen Bestechungszahlungen berichtet hatte, und dem, was der zwielichtige Zeuge in seiner ersten polizeilichen Vernehmung zu Protokoll gegeben hatte: „Es gibt eine auffällige Übereinstimmung, wenn man davon ausgeht, dass alles frei erfunden ist.“

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