Schiedsmann hört nach zehn Jahren auf

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Richter Andreas Lyra (rechts) überreichte Wolfgang Zander im Beisein seine Frau Elisabeth und des Bürgermeisters Jörg Schönenberg (links) eine Urkunde.

Schalksmühle - Im Rathaus wurde am Mittwoch Wolfgang Zander, der sich zehn Jahre als Schiedsmann in Schalksmühle engagiert hat, durch die Justizverwaltung für seine Verdienste für das Schiedswesen geehrt.

Richter Andreas Lyra überreichte dem 76-jährigen Schalksmühler eine Ehrenurkunde und dankte ihm – stellvertretend für die Direktorin des Amtsgerichts Lüdenscheid sowie für den Präsidenten des Landgerichts Hagen und nicht zuletzt auch im Namen des Landes Nordrhein-Westfalen – für sein ehrenamtliches Engagement als Schiedsmann. 

„Sie strahlen eine fast großväterliche Ruhe aus“, sagte Lyra. Das sei bei den emotionalen Themen, mit denen er als Schiedsmann zu tun hatte, sicher von Vorteil. Auch seine Lebenserfahrung, Pragmatik und eine Prise sauerländischen Humor habe er miteingebracht – vor allem aber die Bereitschaft, sich auf Menschen und deren zwischenmenschlichen Probleme einzulassen und zu versuchen, diese in irgendeiner Form zu lösen. „Es tut uns leid, dass sie uns nun verlassen wollen und ihnen gebührt Respekt, dass sie so lange durchgehalten haben.“ 

Ehrenamt wichtig fürs Gemeinwesen 

Am 11. November endete die zehnjährige Amtszeit Zanders im Schiedsamtsbezirk II. Insgesamt sei er 50 Jahre ehrenamtlich tätig gewesen, unter anderem als Betriebsratsvorsitzender und im Rat, immer mit Unterstützung seiner Frau Elisabeth, erzählte Zander. Schiedsmann sei er auch deswegen geworden, weil er nie Nein sagen konnte.

„Als wir eine Schiedsperson brauchten, hast du dich in die Pflicht nehmen lassen“, sagte Bürgermeister Jörg Schönenberg, der Zander ebenfalls Respekt, Dank und Anerkennung aussprach. Ohne das Ehrenamt könne ein Gemeinwesen nicht vernünftig funktionieren. Schönenberg verwies darauf, dass es in diesem erfreulicherweise sogar mehrere Bewerber für das Schiedsamt gegeben hätte. 

Insgesamt zieht Zander ein positives Fazit seiner Tätigkeit. „Der Horizont hat sich erweitert“, sagt er. „Und mich hat verwundert, dass einem als Schiedsmann ein gewisser Respekt entgegengebracht wurde.“ 

Einigungen auf dem kleinen Dienstweg 

Seinen nun ehemaligen Schiedsamtsbezirk bezeichnete er als sehr friedlich. Pro Jahr habe er vier bis fünf Schiedsverfahren gehabt, in diesem Jahr aber noch keines, nur ein paar „Tür- und Angelgespräche“. Die Streitfälle, wegen der eine Schiedsperson aktiv wird, würden nicht spontan entstehen. „Da schwelt es meistens schon 20, 30 Jahre nachbarschaftlich.“ Da redeten Leute, die früher gemeinsam ein Haus hochgezogen und sich eine Flasche Bier über den Zaun gereicht hätten, kein Wort mehr miteinander. „Man kann nur so moderat wie möglich und mit viel Freundlichkeit und Fingerspitzengefühl vorgehen und alle Emotionen rauslassen“, sagte Zander. 

Wenn keine Einigung erzielt werde, sei das frustrierend. In etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle sei eine Einigung über ein Schiedsverfahren erfolgreich, schätzt Zander. Aber oft lassen sich Angelegenheiten auch durch ein paar Anrufe an den richtigen Stellen regeln, bevor es zum Verfahren kommt. „Ich habe es präferiert, wenn man Dinge auf dem kleinen Dienstweg lösen konnte, und das hat auch meistens funktioniert.“

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