BUND: Windräder nicht die größte Gefahr für Vögel

+
Jährlich sterben unzählige Vögel beim Überfliegen von Straßen durch Kollisionen mit Fahrzeugen.

Schalksmühle/Halver – Dass Windräder Vögel töten, sei unstrittig. Und jeder tote Vogel sei einer zu viel, sagen die Aktiven der Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zurecht werde dieses Thema in der Öffentlichkeit und in den Medien diskutiert. Doch deshalb grundsätzlich Windenergie abzulehnen, sei der falsche Weg.

Mit Blick auf die geplanten drei Windräder am Worthberg und einen Artikel in unserer Zeitung, in dem sich heimische Vogelschützer darum sorgten, dass die in Schalksmühle ansässigen Uhus in den Rotorblättern der Anlagen umkommen könnten, möchte der BUND eine andere Perspektive aufzeigen. So liege die tatsächliche Zahl durch ein Windrad getöteter Vögel nach Einschätzung vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund in Deutschland bei ein bis fünf Vögeln pro Anlage und Jahr – am häufigsten Ringeltauben und Stockenten.

Bei rund 30.000 Windenergieanlagen in Deutschland mache das durchschnittlich 75.000 Vögel, sagt die Halveranerin Gaby Brunsmeier. Bei Stromleitungen, Glasscheiben oder durch freilaufende Katzen würden weitaus mehr Tiere sterben (" siehe unten). Es sei erstaunlich, dass diese wirklich dramatischen Zahlen kein öffentliches Thema sind. Zudem sei der Uhu ein schlechtes Beispiel, da dieser keinen Grund hat, auf Höhe der Windrad-Flügel zu fliegen.

Abhilfe bei Vogelschlag an Glas: Bei hohen Fenstern sollten Jalousien herunterlassen oder Insektenschutzgitter angebracht werden.

Ablehnung wegen Artenschutz

Die BUND-Aktiven stellen sich die Frage, warum also die kleine Bedrohung durch Windenergie so intensiv wahrgenommen und leidenschaftlich diskutiert und warum die anderen nicht einmal andiskutiert werden? „Die Materie Windenergie, Windräder, Vögel und Vogelschlag ist komplex, schwierig, und es gibt keine einfachen Antworten. Dennoch sollte sich auch diese Debatte an Fakten orientieren.“ So könne beispielsweise die Gefahr der Windenergie für die Vogelwelt, insbesondere für die bedrohten Arten, durch eine gute regionale Steuerung und örtliche Standortwahl mit Vermeidungsmaßnahmen stark minimiert werden.

Die Genehmigung von Windenergieanlagen müsse auf der Basis gesetzlicher Vorschriften erfolgen, deshalb werde der BUND auch zukünftig einzelne Standorte aus Gründen des Artenschutzes ablehnen, wo die Artenschutzbestimmungen nicht eingehalten werden. Bei den derzeit geplanten Anlagen in Schalksmühle sei bisher aber nicht erkennbar, dass sie aus Artenschutzgründen abzulehnen seien. Für den Klimaschutz und die Erzeugung erneuerbarer Energien auch in Schalksmühle seien sie allemal sehr wichtig, so Gaby Brunsmeier. Man wolle keine Stimmung machen. Doch man müsse die Vor- und Nachteile der Anlagen abwiegen.

Alleine durch Stromschläge sterben jährlich rund 1,5 Millionen Vögel, so eine Schätzung des Nabu.

„Windräder machen nicht nur Vögel kaputt“, sagt Christoph Wippermann, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe. Die Umwelt sei so stark geschädigt, dass man schadstoffarme Modelle wie die Windenergie brauche. Ihr Vorteil sei es, dass sie nur wenig Input (etwa durch Gas) brauchen und die kommenden Generationen nicht, wie bei der Atomenergie, viele Jahrzehnte mit den Nachwirkungen zu tun haben werden. Mit Windrädern sei man auf der sicheren Energieseite.

Aufschrei in Halverscheid

Zudem, so die beiden Aktiven, sei der BUND dafür, dass in der Region die Energie erzeugt werde. Unter dem Motto „Wertschöpfung durch Bürgerbeteiligung“ betreibt die Organisation beispielsweise ein kleines Bürgerwindrad in Albringwerde. „Wir haben das Konzept, gemeinsam ein Windrad zu planen und aufzustellen, damals auch den Halverscheidern angeboten und von einer möglichen Kooperation mit Enervie gesprochen. Doch bereits damals gab es dort einen Aufschrei aus Furcht vor ästhetischen Beeinträchtigungen. Und diese steht auch jetzt im Vordergrund“, betont Gaby Brunsmeier.

Auch der Gemeinde sei bereits geraten worden, sich an der Windenergie zu beteiligen. „Ich hatte es auch Bürgermeister Jörg Schönenberg vorgeschlagen und auf die Kostenersparnisse hingewiesen“, ergänzt Christoph Wippermann. Die wesentlich größeren Gefährdungen seltener Arten sieht der BUND durch die erheblichen Klimaveränderungen. Diese brauchten eine viel größere Aufmerksamkeit.

Selbst wenn erheblich weniger Energie verbraucht, die verbleibende Energie effizienter genutzt würde, brauche es trotzdem viel mehr Windenergie im Einsatz gegen die dramatischen globalen Klimaveränderungen. Der Vorsitzende: „Wir haben kein Patentrezept. Aber es sind kleine Schritte, die wir durch Wind-, Wasser- und Solarkraft als Überbrückungsenergie machen können. Die Kohlekraftwerke müssen schnellstmöglich weg.“

Man wolle keine Panikmache. „Die Inhalte der hier ausliegenden Broschüren entsprechen nicht der Wahrheit. Aber wenn sich das Klima weiter so verschlechtert, dann brauchen wir irgendwann nicht weiter zu diskutieren“, sagt Gaby Brunsmeier. Ihr Mitstreiter bringt es auf den Punkt: „Wir haben keine Zeit mehr, um viel auszuprobieren.“

Jetzt sei der Punkt gekommen, an dem alle umdenken müssen, so Brunsmeier und Wippermann. Auch die Schalksmühler und Halveraner müssen sich beteiligen, da die Politik in der Diskussion um die Vorrangflächen nicht im Sinne der Bürger gehandelt habe. Ihrer Meinung nach gehen die Fridays-for-Future-Teilnehmer zurecht auf die Straße. Das vorhandene politische System sei aufgebrochen.

Scharfe Kritik am Entwicklungsplan

Schließlich, so Brunsmeier, sehe man am neuen Landesentwicklungsplan für Nordrhein-Westfalen, durch den der massive Flächenausbau für Gewerbegebiete begünstigt wird, dass es nur um Wirtschaftswachstum und nicht um die Zukunft der Kinder und der Artenvielfalt gehe. Hierbei seien die Flächen zum hemmungslosen Ausbau freigegeben und viele Tiere würden dem zum Opfer fallen. „Wir müssen uns vom Wachstumsgedanken lösen. Den brauchen wir nicht nicht mehr. Wir müssen das Beste aus den uns verbleibenden Möglichkeiten machen“, so der Appell von Wippermann.

Gefahren für Vögel

1,5 Millionen Vögel sterben in Deutschland pro Jahr an Stromleitungen, 18 Millionen Vögel kommen durch Vogelschlag an Glas ums Leben. Jedes Jahr fallen in den Staaten rund um das Mittelmeer mindestens 25 Millionen Zugvögel der meist illegalen Jagd zum Opfer, rund 8 Millionen deutsche Katzen mit Ausgang töten 40 Millionen Vögel jährlich. Bis zu 61 Vogelschläge/Kilometer Bahn und rund 15 Vogelschläge/ Kilometer Straße gibt es pro Jahr und vier von fünf Arten sind durch intensive Landbewirtschaftung und Naturzerstörung wie durch Straßenbau, neue Wohn- und Gewerbegebiete bedroht. Quelle: Nabu

Mehr zum Thema:

Windräder am Worthberg - Schwere Vorwürfe gegen EnBW

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare