Tag und Nacht gearbeitet für neue Windkraftanlage

Windrad bei Kaltenborn nach zehn Jahren ersetzt

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In den Abendstunden wurde bei künstlichem Licht gearbeitet, das die Szenerie wie eine Raumstation aussehen ließ. Zeitdruck gab es von mehreren Seiten beim Aufbauen der Windanlage oberhalb der Raststätte Kaltenborn. Auch die Arbeiter wollten vor Weihnachten fertig sein.

Schalksmühle - Stürmisch verläuft die Entwicklung auf dem Windenergiemarkt offenbar nicht nur wegen der nur unzureichend ausgebauten Verteilungswege. Technische Innovationen haben seit einigen Jahren dafür gesorgt, dass das Übersetzungsgetriebe zwischen der Nabe der Rotoren und der Generatorwelle verzichtbar wurde. Die jüngste Anlagengeneration arbeitet dadurch effektiver und erreicht höhere Wirkungsgrade. Oberhalb des Rasthofs Kaltenborn an der A 45 wurde in den vergangenen Tagen unmittelbar an der Grenze zu Schalksmühle eine solche getriebelose Windenergieanlage installiert. Ihre Vorgängerin war gerade mal zehn Jahre alt.

Enercon E115 lautet die Typenbezeichnung der neuen Anlage, die eine Gesamthöhe von 150 Metern erreicht. Die Nabe befindet sich in 92 Metern Höhe, die Rotorblätter haben einen Durchmesser von 115,7 Metern. Die Nennleistung der Anlage liegt bei 3000 Kilowatt. Derzeit wird in der Stadt Hagen einmal mehr über die Zukunft der Windenergie beraten, wobei den Höhenlagen im Grenzgebiet zu Schalksmühle-Rölvede eine besondere Bedeutung zukommt. 

Hagens Pressesprecher Karsten-Thilo Raab berichtet von Gutachten, die über mögliche Windenergiezonen erstellt werden. „Teilflächennutzungspläne“, an denen derzeit gearbeitet wird, könnten im Laufe des kommenden Jahres mögliche neue Standorte festlegen. Doch zunächst geht es auf den Höhen offenbar weiterhin um die Ersatzbeschaffung für vorhandene Anlagen, deren Genehmigungsverfahren vergleichsweise übersichtlich ist: „Wenn ich einmal ein Windrad habe, kann ich auch wieder eins an diesen Standort setzen“, erklärt Karsten-Thilo Raab.

„Jeder muss Beitrag zur Energiewende leisten“

Ein Thema ist die Zukunft der Windenergie auch für den Schalksmühler Fachbereichsleiter „technisches Bauen“ Ralf Bechtel. Als die Gemeinde zwischen 2002 und 2004 eine Vorrangzone für Windenergieanlagen bei Rölvede auswies, ging es vorrangig um eine Reglementierung. Das Thema habe die Gemeinde seitdem begleitet, ohne dass an dieser gewollten Beschränkung der Flächen für Windräder etwas geändert wurde. Nun müsse gehandelt werden, erklärt er: „Jeder muss seinen Beitrag zur Energiewende leisten.“ Voraussichtlich im März 2017 werde der Gemeinderat über die Aufhebung der bisherigen Vorrangflächen beraten. 

Theoretisch könnten dann an Stellen jenseits der Fläche bei Rölvede neue Anlagen beantragt werden. Doch jeder Windenergieanlage an einem neuen Standort ist ein Verfahren nach dem Bundesemissionsschutzgesetz vorgelagert, das die Umweltverträglichkeit untersucht. Stimmt der Abstand zu vorhandenen Siedlungen und Gehöften? Sind Brutbiotope von Greifvögeln betroffen? Dazu kommen in Schalksmühle weitere natürliche Einschränkungen wie die Tallage eines Großteils der Gemeinde. Vier Windräder gibt es dort derzeit: Das einstmals größte des Märkischen Kreises in Rölvede, zwei betagte Anlagen am Abzweig nach Mesekendahl und ein „Bürgerwindrad“ in Albringwerde. Letzteres stehe vor dem Aus, weil die Eigentümer immer mehr Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Ersatzteilen hätten, erklärt Ralf Bechtel.

Bewerbungsverfahren für neue Windräder

Zum 1. Januar 2017 steht bundesweit eine Änderung bei den Zulassungen neuer Windenergieanlagen ins Haus: Wer ein neues Windrad errichten will, muss zuvor ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, in dem die Gesamtzahl der Anlagen begrenzt ist. Die Bundesregierung verspricht sich davon mehr Wettbewerb unter den Anlagenbetreibern und letztlich geringere Kosten für den Windenergieausbau. Kleine Betreiber befürchteten, bei diesen Bewerbungsverfahren nicht mehr zum Zuge zu kommen, erklärt Ralf Bechtel.

Getriebelose Anlagen laufen schneller an

Es gibt ärgerliche Planungsversäumnisse in der Vergangenheit, die sich unmittelbar bemerkbar machen im Betrieb der heimischen Windräder. Leitungen fehlen. Bekanntlich kommt der Windstrom bei guten Ertragslagen nicht dort an, wo er gebraucht wird. Dann müssen Rotoren aus dem Wind gedreht werden, weil der erzeugte Strom nicht mehr abgenommen wird, der Markt gesättigt ist. Getriebelose Windenergieanlagen wie jene oberhalb von Kaltenborn haben diesbezüglich einen Vorteil: Weil sie schneller anlaufen, können sie kurzfristiger eingesetzt werden, um auf Schwankungen im Strombedarf zu reagieren.

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