Jäger suchen das Gespräch

Wieder getötete Rehe gefunden - einen Verursacher festgestellt

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Teile eines Rehs tauchten im Revier Halverscheid/Wippekühl in der vergangenen Woche auf: Dieses Tier war nicht das erste Tote in dem Bereich. Hegering und Jagdpächterin versuchen nun, über das Thema aufzuklären.

In Schalksmühle sind erneut getötete Rehe gefunden werden. Inzwischen machen sich die Jäger große Sorgen. Die Zahl der toten Tiere steigt immer weiter. Aber es gibt einen ersten Erfolg zur Aufklärung.

Schalksmühle/Halver – „Es ist eine Katastrophe.“ Thimo Lückmann vom Hegering Schalksmühle erhält wöchentlich Anrufe zu gerissenen Rehen und Hunden, die hinter dem Wild herjagen. Und auch die Anzahl der Todesfälle der Wildtiere steigt weiter. Das bereitet ihm und seinen Jägerkollegen große Sorgen. Einen Erfolg konnten sie dieser Tage allerdings verbuchen.

„Dieses Jahr geht genauso weiter wie das letzte“, sagt Lückmann. Damit meint er die toten Rehe, die regelmäßig in Revieren in Schalksmühle auftauchen. Rund 45 tote Tiere gibt es bereits im laufenden Jagdjahr, das am 1. April 2020 begonnen hat. Fast alle wurden durch Autos oder Hunde getötet, so die Statistik. Das sind fast zwei Drittel mehr als in den Vorjahren, erklärt Lückmann. „Wir haben nie mehr als 15 bis 20 tote Tiere und die sind dann hauptsächlich durch den Verkehr ums Leben gekommen.“ Dieses Jahr ist es anders: Von den rund 45 toten Rehen sind etwa 20 von Hunden gerissen worden oder stressbedingt durch Hetze gestorben.

Es ist eine Spur des Grauens, die sich durch das Revier zieht.

Thimo Lückmann vom Hegering Schalksmühle

Erst in der vergangenen Woche sind erneut Körperteile von einem Reh aufgetaucht, außerdem ein enthauptetes Tier. Die Fälle häufen sich vor allem im Revier Halverscheid, das im Grenzgebiet zu Wippekühl liegt. „Es ist eine Spur des Grauens, die sich durch das Revier zieht“, sagt Thimo Lückmann.

Yvonne Brauckmann zeigt Präsenz

Auch die Yvonne Brauckmann, die Frau des Revierpächters, macht sich Sorgen. „Ich bin entsetzt“, sagt sie. Seit einiger Zeit versucht die Frau aus Valbert täglich zwei Stunden „abzuknapsen“, wie sie sagt, um in dem Revier in Halverscheid und Wippekühl präsent zu sein. „Es ist fürchterlich, was die Rehe aushalten müssen“, findet die Jagdausübungsberechtigte. Das Wild sei „unglaublich unruhig“ – vor allem durch Holzabschlag. Die Harvester sind seit Wochen in den Wäldern unterwegs und nehmen den Rehen zum Teil ihren Wohnplatz. Dadurch müssen sie dann einen neuen Ort suchen. „Es gibt einen Riesen-Stress unter den Rehen“, sagt Brauckmann. Und dann kommen noch die Hunde dazu.

Überall lagen Teile eines Rehs herum.

Mit ihrer Präsenz im Revier versucht sie, auf die Menschen zuzugehen. Sie spricht Spaziergänger mit Hunden an, um sie zu informieren und auf Probleme aufmerksam zu machen. Sie möchte bei den Menschen ein positives Gefühl hinterlassen, erklärt sie. „Viele sind dankbar und nehmen es an.“ Einige reagieren laut Brauckmann aber auch aggressiv und mit Unverständnis. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen“, findet die Valberterin. „Ich tue das für unser Wild und für die Aufklärung.“

Ein Verursacher ist inzwischen bekannt

Die Jäger konnten inzwischen auch einen Verursacher ausmachen. „Wir haben einen Hund auf frischer Tat ertappt“, sagt Lückmann. Dem Obmann für Pressearbeit liegt Bildmaterial vor, das einen Hund zeigt, wie er hinter einem Reh herjagt. Die Fotos stammen von einer Wildkamera. „Wir haben viele Kameras im Wald verteilt, um den Bestand des Wilds zu dokumentieren“, erklärt Brauckmann.

Hund und Besitzer sind dem Hegering inzwischen bekannt. Rechtliche Wege wurden eingeleitet, die Meldung übers Ordnungsamt der Gemeinde ist laut Lückmann erfolgt. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, die den Hundebesitzer erwarten könnten: Auflagen wie Leinen- und Maulkorbpflicht sind möglich. Auch eine Geldstrafe könnte Thema sein. Das Gespräch mit dem Besitzer wurde bereits beim Spaziergang gesucht. Nun besucht ein Mitarbeiter des Ordnungsamts noch den Hundebesitzer zuhause. Ein Hund kann auch eingezogen werden, wenn zum Beispiel Papiere nicht stimmen. Eine Anzeige bei der Polizei wäre laut Lückmann der nächste Schritt. Ob es dazu kommt, bleibt noch offen.

Dieser Hund wurde auf frischer Tat ertappt. Dem Hegering liegen weitere Fotos vor, auf denen der Vierbeiner genauer zu erkennen ist.

Aber wieso nehmen Hunde ein Reh, nachdem sie es bereits gefangen haben noch auseinander? „Die meisten Hunde haben einen natürlichen Jagdtrieb“, erklärt Thimo Lückmann. Das sei „ganz normal“. Wie stark der Trieb ausgeprägt sei, hänge aber auch von der Erziehung des Hundes ab.

Wenn die Hunde von der Leine gelassen werden, können sie jagen. Und „mit einem zeitlichen Spielraum“ kann das dann mit einem toten und zerpflückten Reh enden. „Die Hunde sehen das als ganz normal an“, sagt Lückmann. Den Hund treffe keine Schuld.

Es sind die „schwarzen Schafe“ unter den Hundebesitzern

Wichtig ist aber: „Wir wollen die Hundebesitzer nicht unter Generalverdacht stellen“, betont Lückmann. „Es sind die schwarzen Schafe“ unter den Hundehaltern. Es wird nicht pauschal jeder Besitzer verdächtigt. Im Gegenteil: „Wir suchen den Dialog. Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger durch den Wald laufen“, macht Lückmann klar.

Das Hegering-Mitglied erwähnt auch, dass es den Jägern erlaubt ist, auf einen Hund zu schießen, wenn dieser auf frischer Tat ertappt wird. „Das wäre das Schlechteste, das wir machen können“, sagt Lückmann. Und alle Mitglieder sind sich einig: „Das wollen wir nicht. Das wird auf keinen Fall passieren.“

Das war nicht der erste Fall von gerissenen Rehen in Schalksmühle. Im Dezember wurde zum Beispiel ein enthauptetes Reh gefunden.

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