Westernromantik und Geschichten der Südstaaten

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Das Trio „Acoustic Express“ zeigte sich von der Atmosphäre im Bauernhaus höchst angetan – nur das regnerische Augustwetter trug nicht unbedingt zur Stimmung bei.

Schalksmühle -  Mit handgemachter Musik, die ehrlich, authentisch und erfrischend lebendig herüberkam, versetzte das Trio „Acoustic Express“ die Gäste am Freitagabend im Bauernhaus Wippekühl nach Amerika, vor allem nach Texas, Colorado und Louisiana. Aus ihrer Heimat brachte die dreiköpfige Formation ihren Zuhörern bekannte und unbekannte Songs, darunter auch Eigenkompositionen mit.

In der Besetzung Helt Oncale (Gesang, Gitarre, Fiddle und Banjo), John McCullough (Gesang und Bass) und Stephen Ferron (Background-Gesang und Gitarre) trumpften die drei Amerikaner, die mittlerweile in Deutschland und in der Schweiz leben, auf.

Für Helt Oncale, der aus New Orleans (Louisiana) stammt und seit 1988 in Deutschland lebt, war das Gastspiel bereits das dritte Konzert vor Ort. Seine beiden Mitstreiter, das verrieten sie im Gespräch, feierten beim Auftritt erstmals nach fünf Jahren ein fröhliches Wiedersehen.

Jahrzehntelange Bühnenerfahrung warfen die drei Profis, die unbekümmert zwischen den Stilrichtungen jonglierten, in die Waagschale, um mit dem Publikum zurück zu den Wurzeln der amerikanischen Musik zu gehen. Von der Atmosphäre im alten Bauernhaus zeigten sie sich höchst angetan. „In der Scheune zu spielen, ist ein bisschen wie in Texas zu spielen“, schwärmte Texaner John McCullough. „Wie Texas an Weihnachten“, schob er augenzwinkernd in Anspielung auf das kühle, regnerische Augustwetter hinterher.

In der Tat: Gut beraten war, wer sich warm eingepackt hatte, um der mitreißenden Musik zu lauschen. Statt kühlem Bier wählte mancher Gast zum Warmwerden ein Glas heißen Tee.

Mit Bluegrass, Folk, Cajun, Swing, Country, Tex-Mex-Music und Blues streiften Helt Oncale, John McCullough und Stephen Ferron, der „Schweizer“ der illustren, bestens aufgelegten Formation, unterschiedlichste Stilrichtungen. Mal wehte ein Hauch Westernromantik durchs Denkmal, mal erzählten die Lieder bewegende Südstaatengeschichten wie bei „Taylor“, der sein Haus gleichsam auf Sand baute. Mal waren tanzende Paare, die zu den Klängen eines dahinjagenden Cajun-Walzers über die Tanzfläche wirbelten, bildhaft vor Augen, dann wieder reichten die musikalischen Wurzeln bis nach Irland zurück. Letzteres besonders dann, wenn die Fiddle – virtuos gespielt – eine flotte Marschrichtung vorgab.

Von Anfang an ließen die drei Musiker aus Texas, Colorado und Louisiana keinen Zweifel daran, welch große Leidenschaft sie für die amerikanische Akustik-Tradition hegen.

Stets auf Abwechslung bedacht, wechselten sie munter von einem amerikanischen Bundesstaat in den nächsten, rissen Banjo-Witze und spielten virtuos, mal sanft und poetisch, mal flott und temperamentvoll in unterschiedlichsten Stilrichtungen auf. Viele bekannte Stücke – darunter „Sweet Georgia Brown“, „Mr. Bojanles“ und „The Night They drove Old Dixie Down“ – kamen zu Ehren.

Natürlich blieb auch der unverwüstliche Ohrwurm „Orange Blossom Special“, schneller und schneller gespielt, nicht außen vor. Nahtlos reihte sich Helt Oncales Eigenkomposition „Back Home to Memphis“ in diese Hitliste ein. - von Monika Salzmann

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