„Wer anders ist, wird oft abgelehnt“

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Gabriele Gutland war zusammen mit ihrem Blindenführhund – dem Golden Retriever „Humboldt“ – zu Gast beim Frauentreff in der Kreuzkirche. Im Hintergrund Pfarrer Torsten Beckmann. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Eine außergewöhnliche Frau war am Dienstag zu Gast beim Frauentreff Kreuzkirche im Gemeindezentrum am Mathagen. Seit ihrem 13. Lebensjahr ist die 37-jährige Gabriele Gutland aufgrund einer Erbkrankheit vollständig erblindet.

Wie sie ihr Leben dennoch meistert, die Liebe ihres Lebens kennen gelernt und eine Familie gegründet hat, hielt die Lüdenscheiderin in dem Buch „Aus meiner Sicht – Wenn aus Verzweiflung Liebe wird“, das im Pomaska-Brand Verlag in Schalksmühle erschienen ist, für andere Betroffene fest. Im Rahmen des Frauentreffs brachte Gabriele Gutland auch ihren Begleiter, Golden Retriever „Humboldt“ mit, der vor vier Wochen die Nachfolge seines Vorgängers Roy angetreten hat. Der genießt inzwischen, nachdem er durch eine Erkrankung nicht mehr als Blindenhund eingesetzt werden kann, sein Rentendasein und ist natürlich noch immer Mitglied der Familie, die ihm mit einem schönen Lebensabend für loyale neun Jahre an Gabriele Gutlands Seite dankt. Nach einer so langen Zeit waren Gabriele und Roy ein derart eingespieltes Team, dass der Hund fast automatisch die Wege fand, die er mit seinem Frauchen täglich zurücklegen musste.

„Daher ist es nicht leicht, mich jetzt an einen neuen Hund zu gewöhnen, aber Humboldt und ich schaffen das schon“, ist sich Gabriele Gutland sicher. Obwohl die 37-Jährige heute trotz ihrer Sehbehinderung viel Optimismus versprüht und sogar an Schulen über ihr Leben ohne Augenlicht spricht, haderte sie oft mit ihrem Schicksal und hat sogar bereits einen Selbstmordversuch hinter sich, von dem sie jedoch von ihrer Großmutter abgehalten wurde.

„Wer in unserer Gesellschaft anders ist, wird von vielen Menschen abgelehnt“, weiß Gabriele Gutland aus eigener Erfahrung. Obwohl sie eine Ausbildung als Masseurin und Medizinische Bademeisterin vorzuweisen hat, war es für sie kaum möglich, einen Job zu bekommen. „Ich erhielt zum Teil unglaubliche Absagen, eine mit dem Tenor, dass man gerne auf mich zurückkommen werde, wenn keine sehenden Bewerber für die Stelle gefunden würden“, erinnert sich die 37-Jährige. Dass sie doch eine Arbeit im Krankenhaus erhielt, lag an der finanziellen Förderung durch das Arbeitsamt.

Als Gabriele Gutland schließlich auf einen Blindenhund angewiesen war, wurde sie nach Beendigung dieser Arbeitsamtsmaßnahme nicht übernommen – die Suche nach einem Job begann von neuem. „Während meiner Zeit im Krankenhaus lernte ich aber einen Patienten kennen, der über einen längeren Zeitraum gar nicht bemerkt hatte, dass ich sehbehindert bin“, erinnert sich Gabriele Gutland. „Der informierte dann den Redakteur Olaf Moos von den Lüdenscheider Nachrichten, der einen Zeitungsartikel über mich verfasste.“ Olaf Moos war es auch, der die couragierte junge Frau dazu ermutigte, ein Buch zu schreiben und ihr bei der Durchführung des umfangreichen Projektes half.

„Mein Ziel war es immer, Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich, mit dem Buch zu helfen und Mut zu machen“, erklärt Gabriele Gutland. Über den Bericht in der Heimatzeitung lernte sie schließlich auch ihren heutigen Ehemann kennen. „Irgendwann rief er einfach bei mir an, schenkte mir Blumen und verabredete sich mit mir.“ Heute hat die Lüdenscheiderin eine kleine Familie mit zwei Töchtern. „Für die tue ich alles und gehe sogar ihnen zuliebe in den Freizeitpark, obwohl das für mich wegen der Lautstärke eine echte Herausforderung ist.“

Ihre Sehbehinderung sieht sie heute nicht mehr als Makel, sondern als eine Fügung, die ihr viele positive Eigenschaften beschert hat. „Zum Beispiel bin ich ein viel sensiblerer Mensch geworden“, sagt Gabi Gutland. „Ich helfe anderen, wo ich nur kann.“ ▪ bot

Das Buch „Aus meiner Sicht - Wenn aus Verzweiflung Liebe wird“ kann über den Schalksmühler Pomaska-Brand Verlag (Telefon: 0 23 55/90 33 39) bezogen werden.

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