Wenn Wildschweine oder Rehe vors Auto laufen

Der Bereich zwischen Heedfeld und Spormecke ist eine der Gegenden, in denen besonders viele Wildunfälle passieren. ▪ Repro: Nougrigat

SCHALKSMÜHLE ▪ 35 Wildunfälle hat es seit 1997 auf der Klagebach gegeben, die meisten davon zwischen der Einmündung Waldesruh und der Spormecke. Im selben Zeitraum waren es 29 entlang der Hälverstraße in Richtung Halver und 16 zwischen der Einmündung zum Autobahnzubringer Lüdenscheid-Nord und dem Ortseingang Heedfeld. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Volmestraße zwischen Einmündung Klagebach und Linneper Mühle mit 14 Wildunfällen in den vergangenen 13 Jahren.

Wie oft Rehe, Wildschweine oder andere Wildtiere an welchen Stellen seit 1997 vor Autos gelaufen sind, geht aus der Karte hervor, die seit kurzem im Geodatenportal auf der Internetseite des Märkischen Kreises zu finden ist. Die Daten stammen von der Kreispolizeibehörde des Märkischen Kreises, ausgewertet wurden sie im Rahmen eines Projektes zur Wildunfallvermeidung. Dieses wird von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenvermeidung, einer Abteilung des Landesbetriebes Wald und Holz, betreut. Wildbiologin Dr. Ingrid Hucht-Ciorga und ihre Kollegen sind seit rund zwei Jahren mit der Analyse betraut. Auswertung und Erstellung der Karten mit den Unfallschwerpunkten seien sehr schnell gegangen, weil die Kreispolizeibehörde entsprechende Daten über Wildunfälle bereits seit Jahren sammele, erklärt Dr. Hucht-Ciorga. Auch die regelmäßige Aktualisierung der Daten funktioniere gut.

Neben dem Märkischen Kreis hat in Nordrhein-Westfalen nur der Kreis Borken ein solches Projekt in Auftrag gegeben, dort läuft es schon seit fünf Jahren. Allerdings seien beide Regionen wegen der unterschiedlichen landschaftlichen Struktur kaum zu vergleichen – das flache Münsterland mit vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen auf der einen und die zum Teil dicht bewaldete Mittelgebirgsfläche im Sauerland auf der anderen Seite. Daher hätten beide Projekte eine Pilotfunktion für landschaftlich vergleichbare Regionen, erklärt die Wildbiologin.

Ziel der Experten sei es aber nicht nur, Gefahrenstellen zu dokumentieren, sondern auch, Ideen zur Vermeidung von Unfällen zu entwickeln. Wiederholt waren Mitarbeiter der Forschungsstelle bereits im Märkischen Kreis und haben sich direkt vor Ort die in der Statistik besonders häufig vorkommenden Straßenabschnitte angesehen. Die nächsten Ortstermine sind für Ende August vorgesehen. Die Wildbiologen wollen sich dann gemeinsam mit Inhabern der jeweiligen Jagdreviere und Vertretern der Unteren Jagdbehörde sowie der Polizei darüber austauschen, welche Maßnahmen zur Vermeidung von Wildunfällen an welcher Strecke sinnvoll sind.

Ob das Projekt dann mit Vorschlägen und Hinweisen der Forschungsstelle, die ihren Sitz in Bonn hat, endet oder ob gemeinsam weiter an der konkreten Umsetzung von Vermeidungsstrategien gearbeitet werde, sei noch offen, erklärte Dr. Hucht-Ciorga. ▪ gör

Zu finden ist die Übersicht über Wildunfälle im Märkischen Kreis im Bereich Geodatenportal auf der Internetseite http://www.maerkischer-kreis.de.

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