Wenn der Vater lügt, muss die Tochter leiden

SCHALKSMÜHLE – Wenn der Vater aus lauter Großmanns- und Fabulierlust das Lügen einfach nicht lassen kann, ist die Katastrophe vorprogrammiert. „Meine Tochter kann Stroh zu Gold spinnen!“, posaunt Müller Groß (Martin Grünewald) heraus, wo immer er geht und steht. Dumm nur, dass auch dem Oberhofgeneral (Julius Heinrichs) diese Kunde zu Ohren kommt. Am Ende muss nicht der Müller, sondern dessen Tochter Marie die Suppe auslöffeln.

Das Mendener Amateur Theater war am Samstagnachmittag in die Turnhalle der Grundschule Spormecke gekommen, um das bekannte Grimmsche Märchen von „Rumpelstilzchen“ auf die Bühne zu bringen. Der Zuschauerraum war mit kleinen und großen Gästen gut gefühlt. Alle wollten wissen, wie die blonde Müllerstochter Marie (überzeugend: Ina Klara Heitmann) ihren Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Dem armen Mädchen heilt ein kleines Hutzelmännchen (Lea Gruszien) zur Hilfe, das die Strohballen zu Gold spinnt, während Marie in einer Art Dämmerschlaf liegt. Natürlich handelt das Männlein nicht aus Menschenfreundlichkeit allein – es erwartet eine angemessene Gegenleistung. Als Marie alles hergeschenkt hat, das sie besitzt, fordert das Männlein schließlich ihr Erstgeborenes. Marie – weit entfernt von Ehe und Mutterschaft – willigt ein. Und dann könnte eigentlich alles gut sein: Die Gier des Oberhofgenerals ist befriedigt, der junge Königssohn Ludwig (Maximilian Kiehn) heiratet die schöne Marie. Und doch bleiben die Worte, die so manches Märchen schließen („Und so lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage“) noch aus. Denn kaum freut sich das junge Ehepaar über ihr erstes Kind, steht auch schon das Hutzelmännlein auf der Matte und fordert seinen Lohn.

Zur Freude des jungen Publikums ging aber auch in der Bühnenbearbeitung von „Rumpelstilzchen“ alles gut aus. Federführend daran beteiligt war Regisseurin und Autorin Barbara Schmidt, die gekonnt und mit Gespür für die kindliche Lust auf Märchen, seit mehr als 30 Jahren Geschichten in die dramatische Form bringt.

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