Wenn die Mandoline mit dem Musiker verschmelzt

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Hajo Hoffmann spielte sich vor den Zuschauern in der Kirche Heedfeld in Ekstase. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ In der Musik ziehen sich oft gerade extreme Gegensätze an. Mit seinem Programm „Licht und Schatten“ trat am Sonntag der Jazz-Musiker Hajo Hoffmann in der Evangelischen Kirche Heedfeld den Beweis an, dass die Kombination völlig unterschiedlicher Musikrichtungen für Spannung und Dynamik sorgen kann.

Hoffmann, der bereits mit zahlreichen namhaften Musikern wie Heinz Rudolf Kunze oder Dave Brubeck auf der Bühne stand und derzeit in Schalksmühle lebt, hatte zwar seine vierseitige Tacoma-Mandoline mitgebracht, dachte aber gar nicht daran, die gängigen Klischees, die mit der Mandoline verknüpft sind, zu bedienen. Obwohl er nun vom brasilianischen Regenwald, wo er viele Jahre lebte, in den Schalksmühler Regenwald übergesiedelt ist, sind in vielen seiner oft selbst komponierten oder arrangierten Werke die Einflüsse südamerikanischer, aber auch indischer Musik allgegenwärtig.

Derartige traditionelle Weisen verbindet Hoffmann oft mit Werken der klassischen Musik, zum Beispiel von Bach oder Beethoven, die dabei jedoch keinesfalls wie Fremdkörper wirken, sondern vom Interpreten zu einer nahtlosen Einheit verwoben werden. Abstrakt und sphärisch präsentierte sich zum Beispiel „Bach im Ganges“, das frei improvisierte Rhythmen indischer Musik, lautmalerischem Gesang und Elementen aus einem Stück von Johann Sebastian Bach verknüpfte.

Mit „Doc Holiday“, einem chilligen Instrumental mit leichten Country-Anklängen, portraitiert Hajo Hoffmann einen Freund, der als Arzt auf Mallorca arbeitet. Die virtuos gespielte, moderne Jazz-Nummer präsentierte sich als spritzig-vitales Meisterstück mit schnellem Rhythmus und ekstatischen Momenten.

Immer wieder setzte Hoffmann in seinem beeindruckenden Konzert die Loop Station ein, ein Gerät, das Loops während des Konzertes aufzeichnet und anschließend abspielt, so dass der Künstler sozusagen mit sich selbst musizieren kann. Dieses faszinierende Hilfsmittel setzte Hoffmann sparsam, aber effektiv ein, und wenn sich im Rahmen einer Miles Davies-Paganini-Melange ungewollt ein Drum-Loop Gehör verschaffte, wusste dies der Musiker auf sympathische Weise zu überspielen.

Sehr charmant wirkte auch eine Jazz-Variante des Volksliedes „Alle Vögel sind schon da“, die Hajo Hoffmann zwar genüsslich in ihre musikalischen Einzelteile zerpflückte und mit kühnen Improvisationen versah, aber dennoch jederzeit identifizierbar blieb. Hoffmanns Eigenkomposition „Dein lachendes Herz“, bei der er sich einmal mehr auch als Sänger betätigte, sorgte für eine poetische Note im abwechslungsreichen musikalischen Reigen. ▪ bot

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