Wenn Geweihe zu neuen Ehren kommen

Messer, Flaschenöffner, Kerzenständer, Lampen und vieles mehr – die Ideen, die Geweihe neu zu verarbeiten, sind dem 83-jährigen Horst Baarcke bislang nicht ausgegangen.

SCHALKSMÜHLE ▪ Wenn er über sein Hobby berichten kann, kommt Leben in den rüstigen Rentner. In jedem Raum seines Heimes findet man kreative Bastelarbeiten. So ziert beispielsweise eine Lampe aus einem Geweih, die bereits das elterliche Wohnzimmer schmückte, Horst Baarckes gute Stube. Von Rita Jonuleit

Die Faszination, was man aus den Gams-Krucken, Geweihschaufeln, Muffelschnecken und Restestücken alles machen kann, hält den Schalksmühler bis heute in seinem Bann. Am Fernsehsessel liegen immer ein Block und ein Stift. „Wenn ich beim Fernsehen eine Idee habe, schreibe ich sie gleich auf. Am nächsten Tag probiere ich es dann aus“, berichtet der kreative 83-Jährige.

Das Material, das er in Kerzenhalter, Besteckgriffe und Lampen umfunktioniert, bekommt er geschenkt oder aus Nachlässen angeboten. Stehlampen oder sogar einen Stuhl aus den großen Schaufeln des Damwildes, naturfarben oder gebleicht, Abwurfstangen aus dem Gehege – er bekommt immer Nachschub.

Das Besondere daran ist: Obwohl er Büchsenmacher gelernt hat und später auch Jagdkollegen bei Pflege und Reparatur der Waffen geholfen hat, obwohl er als Soldat im Krieg war und mit der Jagd aufgewachsen ist – er hat bis heute kein einziges Lebewesen angeschossen oder erlegt. Er trägt zwar die grüne Kleidung des Jägers, aber er liebt Tiere. Rund um seine Wohnung, auf seinem Balkon tummeln sich Eichhörnchen und Vögel, die versorgt und gefüttert werden.

Horst Baarcke ist in der Nähe von Schwerin geboren und aufgewachsen. Mit 15 Jahren fing für ihn die Lehre zum Büchsenmacher an. Schon nach zweieinhalb Jahren musste er abschließen, er wurde als Soldat eingezogen. 1950 kam er zurück, nachdem er fünf Jahre Gefangenschaft in Russland überstanden hatte. Doch als Büchsenmacher bekam er weder in Uelzen, wo seine Eltern inzwischen lebten, noch hier eine Arbeitsstelle. Allerdings als Einrichter und später als Abteilungsleiter konnte er in der Federnfabrik Schnöring seinen Lebensunterhalt verdienen.

Der Vater zweier Töchter war schon als Kind mit seinem Großvater zur Jagd unterwegs. Auch sein Vater liebte den Männersport. Seit mehr als 50 Jahren ist er Mitglied im Hegering Schalksmühle. Drei Ehrenzeichen dafür vervollständigen die Trophäenerinnerungssammlung seiner Vorväter. Regelmäßig besucht er die Veranstaltungen. Auch das Jagdhornblasen hat er erlernt. Mit dem Kreis der Bläser trifft er sich wöchentlich in den Räumen in der Asenbach beim Jagdmuseum. Dort lagern in einer Vitrine auch etliche seiner Arbeiten.

Er verwendet nach eigener Aussage nur „gutes Material“, beispielsweise Messer aus Solinger Stahl, bei denen er den Griff gegen die Kopfschmuckteile austauscht. Auch die kurzen Flaschenöffner oder die Salatbestecke seien bei Waidmännern und ihren Frauen beliebt. Originelle Geburtstagsgeschenke gehen Baarcke nie aus. Sein Adventsgesteck besteht beispielsweise aus einer Elch-Schaufel, die seine Frau mit Grün dekoriert. Absolut begehrt sei auch der Kragenschmuck, den er mit ruhiger Hand und winzigen Bohrern in seiner Werkstatt im Keller aus der Hirschrose fertigt. Das Endstück des Geweihs bekommt das Emblem des Hegerings aus Metall aufgesetzt. An langen Lederschnüren befestigt ziert es den Jäger. Präparierte Rehläufe werden auf Holz festgeschraubt und dienen als Halter für Blasinstrumente.

Zwei bis drei Stunden am Tag verbringt Horst Baarcke mit seinem Hobby. Uhren, Untersetzer mit Bowlebesteck – die Ideen gehen ihm nicht aus. Jeder Griff sitzt, seine Werkstatt ist penibel organisiert. Blind könnte er jedes Werkzeug oder auch Zubehör greifen. Die Freude über sein ungewöhnliches Betätigungsfeld hält ihn jung.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare