Rettung eines Falken

Wasserstellen sind Gefahr für Tiere: Falke kurz vorm Ertrinken

Solche Wasserstellen werden zur Gefahr für Tiere. Gummimatten als Ausstieg sollen helfen.
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Solche Wasserstellen werden zur Gefahr für Tiere. Gummimatten als Ausstieg sollen helfen.

Für einen Falken war es fast zu spät. Eine Wasserstelle wurde für ihn auf einer Weide zur Gefahr. Und nicht nur für Vögel kann das gefährlich werden.

Heedfeld – Es ist ein warmer Sommerabend auf dem Hof des Reitvereins Heedfeld-Hülscheid. Die meisten Pferde stehen bereits in ihren Boxen, als in einer der Badewannen auf der Weide etwas Dunkles zu sehen ist. Ein Vogel liegt dort mit dem Bauch im Wasser und gibt hüstelnde Töne von sich. Das gescheckte Gefieder und der nach unten gebogene Schnabel machen deutlich: Es ist ein Greifvogel. Carolina Ludwig kümmerte sich um den Vogel und schildert dieses Erlebnis:

Ich nähere mich vorsichtig, doch der Vogel macht keine Anstalten, vor mir zu fliehen. Ein untypisches Verhalten für ein wildes Tier. Also greife ich in das Wasser und hebe ihn vorsichtig heraus. Ich trage Reithandschuhe, doch die wären gar nicht nötig gewesen: Das völlig entkräftete Tier wehrt sich nicht. Die scharfen Krallen hängen locker herunter, doch das Herz schlägt schnell und ich spüre, wie sich der Brustkorb hebt und senkt.

Aus dem Wassertrog gerettet: ein junger Turmfalke.

Funde wie dieser kommen häufiger vor. Die glatten Badewannen, die auf Weiden gerne als Tränken verwendet werden, können für Vögel zur tödlichen Falle werden. Schätzen sie den Wasserstand falsch ein, kommen sie von alleine nicht mehr heraus, da sie sich zum Abheben von einem festen Untergrund abstoßen müssen. Besonders die geschützten Greifvögel, aber auch heimische Singvögeln wie Amsel, Meise oder Star sind betroffen, wie der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland auf seiner Internetseite schreibt.

Expertin nimmt das Tier in Obhut

Mit dem Vogel in beiden Händen gehe ich ratlos zurück zum Stall. Ich setze ihn auf ein Handtuch im Badezimmer und suche im Internet nach Informationen und Telefonnummern. Nach einigen Gesprächen erhalte ich schließlich die Nummer von Anke Melis. Seit Jahrzehnten kümmert sie sich in Lüdenscheid um hilfsbedürftige Wildtiere. „Oh ein junger Turmfalke“, erkennt sie gleich und nimmt das Tier in ihre Obhut. Nach drei Tagen könne ich mich nach dem Falken erkundigen.

In der Zwischenzeit wird auf dem Hof des Reitvereins überlegt, wie solche Unfälle vermieden werden können. Nicht nur die Badewannen sind Gefahrenstellen, sondern auch Kunststoffbottiche und Regentonnen. Sogar in Pools und Teichen mit besonders steilem Ufer können Vögel, Eichhörnchen, Maulwürfe, Mäuse und Igel ertrinken, wenn sie keinen Ausstieg finden.

Nach drei Tagen wieder fit: Anke Melis hat den Falken aufgepäppelt.

Wasserstellen im Garten sollten daher abgedeckt und Teiche mit Stufen oder einem flachen Ufer gesichert werden. Tränken auf der Weide können mit langen Holzbrettern bestückt werden, die am oberen Ende aus dem Wasser herausragen. Da die Tiere auf der Weide das Holzbrett jedoch aus der Wanne ziehen oder sich schlimmstenfalls daran verletzen können, setzt der Reitverein auf Ringgummimatten, die zerschnitten und mit Kabelbindern an den Wasserbehältern befestigt werden.

Happy-Ende für Falken

Anke Melis hat den Falken inzwischen gesund gepflegt. In den ersten Stunden benötigte das Tier lediglich Wärme und Ruhe. „Wärme ist immer die erste Option, besonders bei gefundenen Jungtieren“, erklärt Melis. Geschwächte Vögel sollten keinesfalls direkt von einem Laien gefüttert werden, da der Schluckreflex und die Verdauung möglicherweise nicht normal funktionieren und sie daran sterben könnten.

Außerdem sollte ein gefundener Greifvogel nicht einfach wieder ausgesetzt werden, sobald er außer Lebensgefahr ist, da er im geschwächten Zustand nicht genügend Beute machen kann und verhungert.

Der Hülscheider Turmfalke ist nach drei Tagen bereit, in sein Revier zurück zu kehren. Dazu kommt Anke Melis auf den Hof des Reitvereins. Mit dicken Handschuhen nehme ich ihn aus seiner Box, freue mich, dass er versucht, sich zu wehren und lasse ihn fliegen.

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