Schulen in Corona-Zeiten

Von Lollitests und Prüfungen - Schulen im Wechselunterricht

Abschlussprüfungen Primusschule Schalksmühle
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An diesem Mittwoch beginnen in der Primusschule die Abschlussprüfungen. Geschrieben wird im Klassenverband (Symbolfoto).

Seit Montag befinden sich die Schulen im Märkischen Kreis wieder im Wechselunterricht. Zum Spagat zwischen Distanzunterricht und Homeschooling kommen Lolli-Tests und Abschlussprüfungen hinzu.

Schalksmühle – Nach wochenlangem Warten sind die Schulen im Märkischen Kreis am Montag in den Wechselunterricht zurückgekehrt. Möglich ist dies dank einer sinkenden Inzidenz, die im Kreis seit mehr als fünf Tagen stabil unter 165 liegt. Auch in Schalksmühle kommen die Kinder und Jugendlichen wieder wechselweise zur Schule. Wie funktioniert der Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling an den beiden Schalksmühler Schulen? Wie finden die Abschlussprüfungen statt?

Eines ist an beiden Schulen gleich: sehr viel Mehrarbeit. „Jeweils die halbe Klasse kommt“, erklärt Ralf Gensmann, Schulleiter der Grundschule Spormecke, das Modell. Tageweise wechseln die Gruppen zwischen dem Unterricht vor Ort und dem Lernen daheim. „Das hat ganz gut geklappt“, berichtet der Schulleiter über den Start in den Wechselunterricht.

Spormecke: Lolli-Tests kommen zum Einsatz

Gearbeitet wird nach einem Unterrichts-Wochenplan, der die Aufgaben für die gesamte Woche enthält und den Lehrern eine Überprüfung der Lernleistung erlaubt. Zum Testen auf das Coronavirus nutzt die Schule den neuen Lolli-Test, einen einfachen Speicheltest, der leicht zu handhaben ist. „Wir haben den Test schon letzte Woche mit der Notbetreuung ausprobiert“, berichtet Ralf Gensmann. Obgleich von der Organisation her recht umfangreich, findet er die PCR-Pooltests (Lolli-Tests) besser als die bisherigen Schnelltests. „Der Pool wird getestet, also die gesamte Gruppe.“ Die Sammelprobe werde dann nach der PCR-Methode, die ein verlässliches Ergebnis liefert, getestet. Eine mögliche Infektion könne dadurch frühzeitig erkannt werden. „Das geht ziemlich zügig.“

Manche Kinder werden optimal gefördert, manche weniger gut.

Ralf Gensmann, Leiter der Grundschule Spormecke

Insgesamt ist Ralf Gensmann froh, dass wieder Wechselunterricht stattfinden kann, die Schüler direkten Kontakt zu den Lehrern haben und ihre Freunde treffen können. „Das ist für die Kinder toll. Die freuen sich auch.“ Gemischt fällt sein Urteil über Homeschooling aus. „Manche Kinder werden optimal gefördert, manche weniger gut.“ Mit Förderangeboten versucht die Schule, Defizite auszugleichen, wenn irgendwo Lernlücken klaffen. Große Bedeutung misst der Schulleiter dabei auch dem emotionalen Bereich und den psychischen Belastungen der Kinder durch die Pandemie zu. Im Klaren ist sich Ralf Gensmann, dass die Schule nicht allen Erwartungen gerecht werden kann. „Man kann’s nicht jedem recht machen“, sagt er. „Einige sind unzufrieden.“

Höchstmaß an Flexibilität

Nach wie vor fordere die Pandemie dem Team ein Höchstmaß an Flexibilität ab. „Was hier gestemmt wird, ist unglaublich“, lobt der Schulleiter. „Es funktioniert nur im Team.“ Mehr in Bildung zu investieren und diese mehr wertzuschätzen, sei wünschenswert. Parallel zum Wechselunterricht läuft an der Grundschule Spormecke die Notbetreuung weiter, die derzeit 48 Kinder nutzen – allerdings nicht durchgängig, „nicht die ganze Zeit und an allen Tagen“. Die Zeugnisvergabe und Versetzungen hält Ralf Gensmann in diesem Jahr für einen „Eiertanz.“

An der Primusschule laufen derzeit fünf Notbetreuungsgruppen, vier davon in den Jahrgangsstufen 1 bis 6 und eine in den höheren Stufen für Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen – wie zum Beispiel fehlendes Internet – nicht zu Hause lernen können. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Schulleiterin Astrid Bangert, die – falls noch mehr Schüler dazukommen – eine sechste Notbetreuungsgruppe einrichten müsste. „Wir reden hier von rund 60 Schülern.“

Primusschule: Technische Schwierigkeiten bei Lolli-Tests

Hinzu kommt der Wechselunterricht in allen Klassen. Schwierig werde es, wenn der Krankenstand wächst. In den unteren Stufen wechseln die halbierten Gruppen tageweise. In den Jahrgangsstufen 7 bis 10 geschieht der Wechsel wochenweise.

Aufgrund technischer Schwierigkeiten mit der App des Labors funktioniert an der Primusschule der Lolli-Test noch nicht. „Wir haben noch keine technische Umsetzungsmöglichkeit“, bedauert die Schulleiterin. Als Alternative zieht die Schule übergangsweise das schon bekannte Antigen-Test-Verfahren heran. Astrid Bangert hofft, dass die technischen Schwierigkeiten bald behoben sein werden.

Für den Jahrgang 10 beginnen an diesem Mittwoch die Abschlussprüfungen. „Die Schüler schreiben ihre Prüfungen im Klassenverband“, erzählt Astrid Bangert. „Sie werden am Tag vorher getestet.“ In Deutsch, Englisch und Mathematik stehen schriftliche Prüfungen an.

Wir sind mit unseren Kräften am Ende.

Astrid Bangert, Leiterin der Primusschule

Mit dem bisherigen Distanzunterricht hat die Primusschule, die sich in diesem Jahr auch an der Iglu-Studie (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) beteiligt, „sehr gute Erfahrungen gemacht“. Die Schüler würden das selbstständige Lernen durch die Schulform kennen und hätten auch im Distanzunterricht nach dem Jahresplan weiterarbeiten können. Großen Nachholbedarf sieht Astrid Bangert ähnlich wie Ralf Gensmann hingegen im psychosozialen Bereich.

Wechselunterricht fürs reine Lernen schlecht

Durch die Pandemie sei in diesem Bereich ein großer Schaden entstanden. Hier gelte es, den Kindern und Jugendlichen viel Halt zu geben, damit sie ihre Lebensfreude wiederfinden. Den Schülern Zeit zu geben, sich auszutauschen, sei jetzt wichtig. Für das reine Lernen sei der Wechselunterricht die schlechteste Form. „Aber dass die Schüler wieder in die Schule dürfen, wiegt das auf.“ Sie hofft, dass die Kinder, sobald Impfstoff für sie vorhanden ist, „so viel wie möglich geimpft werden, damit sie zur Normalität zurückkehren können“.

Die meisten Lehrer an der Primusschule haben ihre erste, viele auch schon die zweite Impfung erhalten. Hier wie dort sind die Schulleiter froh, wenn das Schuljahr zu Ende ist. „Wir sind mit unseren Kräften am Ende“, sagt Astrid Bangert. Alle hoffen, nach den Sommerferien wieder in normalere Zeiten starten zu können.

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