Ein ruhiges Zuhause für Fledermäuse gesucht

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Die Fledermäuse im Winkhauser Eisenbahntunnel bei Stephansohl beschäftigen die Planer des Volmetalradwegs.

Schalksmühle - Bei der letzten Nachschau vor gut drei Jahren waren sie noch da – und auch jetzt ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Fledermäuse die ungenutzte zweite Röhre im Winkhauser Eisenbahntunnel bei Stephansohl als Winterquartier nutzen. Das Problem: Durch den Stollen soll demnächst der Volmetalradweg führen.

Oliver Emmerichs, Fachbereichsleiter Bauverwaltung der Gemeinde Schalksmühle und Projektbeauftragter der fünf beteiligten Kommunen für den Volmetalradweg, erwartet bis Ende des Jahres die Fertigstellung der Machbarkeitsstudie für das Projekt. Dabei spielen dann auch die „Flattertiere“ im Tunnel eine Rolle. 

„Fledermäuse zählen in unserer Region zu den stark gefährdeten Arten“, informiert Gabi Grüne, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Naturschutzzentrum MK. Sie vermittelt zum Beispiel schnelle Hilfe, wenn Bürger Fledermäuse finden. Anke und Bob Melis aus Lüdenscheid gehören zu den Experten, die gefundene Tiere versorgen können. „Später werden die dann an geeigneter Stelle wieder ausgewildert“, so Gabi Grüne. 

Winterschlaf darf nicht gestört werden 

In der kalten Jahreszeit ziehen sich Fledermäuse an geschützte Orte zurück – beispielsweise in die Nischen und Löcher eines Eisenbahntunnels. „So ein Platz muss frost- und zugfrei sein und der Winterschlaf darf nicht gestört werden“, informiert Gabi Grüne. Wird der gut 230 Meter lange östliche Winkhauser Tunnel als Radweg genutzt, ist es mit der Ruhe für die Fledermäuse dort vorbei. 

Bauexperte Oliver Emmerichs kennt ähnlich gelagerte Fälle. Auf dem Sauerland-Radring gibt es kurz vor Eslohe einen Fledermaustunnel, der im Winter für Radler gesperrt wird. Denen wird für diese Zeit eine weiträumige Umleitungsstrecke angeboten. „In Wuppertal wurde im Tunnel eine Zwischendecke eingebaut. Oben wohnen die Fledermäuse, unten sind die Radfahrer unterwegs“, beschreibt Oliver Emmerichs eine zweite, für den Volmetalradweg wohl besser passende Möglichkeit zum Schutz der Tiere. 

Klaus Kraatz kümmert sich mit seinen Kollegen bei der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises unter anderem um den Erhalt der zehn heimischen Fledermausarten. Zwei davon hat er vor Zeiten im Winkhauser Tunnel entdeckt. Im Südkreis behält die Behörde insgesamt 15 Winterquartiere im Auge. Dazu zählen alte Bergwerksstollen oder Naturhöhlen. Ziel ist es, so die Überlebensstrukturen für die Kleinsäuger zu erhalten. 

Grundbesitzer können helfen 

Dazu können laut Kreisverwaltung und Naturschutzzentrum vor allem im Sommer auch alle Grundbesitzer beitragen, indem sie Gärten und landwirtschaftliche Flächen naturnah gestalten. „Eine Wildblumenwiese lockt Insekten an, die den Fledermäusen dann als Nahrung dienen“, erklärt Gabi Grüne. Sie bedauert, dass die meisten Menschen über das vielfältige Lebensspektrum der nachtaktiven Tier kaum etwas wissen. 

Darum bietet das Naturschutzzentrum in Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Experten immer wieder Fledermausnächte an – so am 6. September am Bachlauf der freigelegten Volme in Höhe der Meinerzhagener Stadthalle. Dann kommt der „Batdetektor“ zum Einsatz, mit dem die Rufe der Fledermäuse hörbar werden.

Informationen zu allen Exkursionen des Naturschutzzentrums Märkischer Kreis gibt es unter der Rufnummer 02351/4324240 oder im Internet auf seiner Homepage.

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