Bandenbetrug in großem Stil

Falsche Polizisten angeklagt - ein Opfer aus Schalksmühle

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Vier Männer aus Schwerte müssen sich vor dem Landgericht Hagen verantworten – unter anderem wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Eins ihrer Opfer war ein Mann aus Schalksmühle.

Schalksmühle/Hagen - Vier Männer aus Schwerte sitzen auf der Anklagebank eines Prozesses, der am Montag im Landgericht Hagen begann. In sechs Fällen haben sie Menschen betrogen – darunter auch ein Mann aus Schalksmühle.

Als der sichtbare Teil eines kriminellen Netzwerks müssen sich seit Montag vier Angeklagte aus Schwerte vor dem Landgericht Hagen verantworten: Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern im Alter zwischen 19 und 40 Jahren schweren Bandenbetrug vor. 

Laut Anklage handelten sie im Auftrag von Hintermännern, die von der Türkei aus agierten. Diese meldeten sich als angebliche Polizeibeamte per Telefon bei Senioren in Deutschland und logen ihnen etwas von einer angeblichen Gefahr für ihr Geld vor. 

Diese Gefahr bestand tatsächlich – allerdings auf eine andere Weise, als es sich die Angerufenen vorstellten: Die Angeklagten sollen auf der Grundlage der erstaunlichen Überzeugungskraft ihrer Hintermänner an den Wohnadressen der Betrogenen aufgetaucht sein, um die von den Opfern abgehobenen Barbeträge abzuholen. 

30.000 Euro gab eins der Opfer ab

Unter den Opfern ist auch ein 84-jähriger Senior aus Schalksmühle, der 30 000 Euro von seinem Sparkonto abhob und am 12. Dezember 2018 um 12 Uhr mittags zwei falschen Polizeibeamten an seiner Wohnadresse in die Hand drückte. Im traurigen Ranking der höchsten Schadenssummen schaffte er es damit auf den zweiten Platz hinter einem Geschädigten, der den beiden Gestalten an seiner Tür 162 050 Euro in die Hand drückte. 

Schalksmühle befindet sich damit in einer illustren Reihe von Tatorten, die von Bonn über Wuppertal und Düsseldorf bis nach Hamburg reicht. Die Angeklagten sollen die ihnen übergebenen Geldbeträge an ihre Hintermänner in der Türkei weitergeleitet haben. Angeblich haben sie selber lediglich 250 bis 1000 Euro pro Hausbesuch bei den Betrogenen bekommen. Dass die vier Angeklagten bei dem kriminellen Vorgehen das höchste Risiko eingingen, machen die Umstände ihrer Festnahmen deutlich. 

Festnahme in Bonn

Eine Zeugin aus Bonn wusste sofort, dass sie es mit Betrügern zu tun hatte und täuschte eine Geldübergabe vor. Ebenso eine Zeugin aus dem benachbarten Bornheim, die den Tätern 30 000 Euro und einige Krügerrand-Goldmünzen in Aussicht stellte und sich zu ihrer Begrüßung ebenfalls mit einigen Polizeibeamten verstärkte. So kamen nach den Taten im Laufe des Jahres 2018 mehrere Festnahmen der vier Angeklagten zustande. Ausgerechnet der jüngste soll nicht nur bei den Geldabholungen, sondern auch als Vermittler zwischen den Läufern in Deutschland und den Hintermännern in der Türkei fungiert haben. 

Zum Auftakt des Prozesses äußerten sich die Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen. Die professionellen Verfahrensbeteiligten zogen sich allerdings zu einer internen Beratung zurück, bei der es auch um das mögliche Strafmaß gegangen sein dürfte. Die jüngsten Angeklagten können dabei auf mildere Strafen nach dem Jugendstrafrecht hoffen. Einer der Anwälte kündigte nach der Beratung an, dass sich die Angeklagten voraussichtlich am zweiten Verhandlungstag am 4. November zu den Vorwürfen äußern werden.

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