„Er ist vielmehr ein Purist“

+
Michael Hesemann recherchierte für sein Buch über Papst Franziskus mehrere Monate.

Schalksmühle - Papst Franziskus, da ist sich Michael Hesemann sicher, wird gerade in Deutschland gründlich missverstanden. Der Vatikan-Korrespondent und Autor des im Hering-Verlag erschienenen Buches „Papst Franziskus – Das Vermächtnis Benedikts XVI und die Zukunft der Kirche“ war jetzt auf Einladung des Fördervereins der Katholischen Kirchengemeinde St. Thomas Morus im Pfarrhaus zu Gast. Der Kontakt kam durch Ulrike Biesenbach zustande.

Papst Franziskus sei keinesfalls der radikale Reformer der Katholischen Kirche, als den ihn viele Menschen in Deutschland und sogar einige seiner Autorenkollegen sähen. „Er ist auf der einen Seite progressiv-sozial, im Bezug auf den Glauben aber konservativ“, erklärte Hesemann.

Große Achtung vor seinem Vorgänger

„Viele haben Franziskus’ schlichte Art, zum Beispiel seine Weigerung, rote Schuhe zu tragen, als Bruch mit den anderen Päpsten verstanden – das ist schlicht falsch“, so der Autor. Rote Schuhe seien vielmehr ein Symbol für das antike Kaisertum und die Monarchie, zu der man in Argentinien, dem Heimatland des Papstes, traditionell kein gutes Verhältnis habe.

Darüber hinaus habe Franziskus seinen Vorgänger Benedikt immer sehr geachtet und sogar am Tag seiner Papstwahl unbedingt ein Telefongespräch mit ihm führen wollen. Die Begegnungen der beiden seien stets von Herzlichkeit geprägt gewesen. „Franziskus ist weder ein Reformer noch ein Konservativer, er ist vielmehr ein Purist, der sich theologisch ganz auf der Ebene Benedikts bewegt“, ist sich der Journalist sicher.

Generell kritisierte Michael Hesemann im Rahmen seines Vortrages neben der Medienberichterstattung über die Katholische Kirche und den Papst auch viele seiner Autorenkollegen, insbesondere den bekannten Journalisten Andreas Englisch. „Andreas hat eine blühende Fantasie, aber die Hälfte von dem, was in seinen Büchern steht, ist frei erfunden“, sagte der Referent.

In diesem Zusammenhang schilderte der Autor, der bei den Recherchen zu seinem Buch auch mit der Schwester von Papst Franziskus, Maria Elena Bergoglio, sprach, den Druck, dem viele Journalisten, die nach der Papstwahl Bücher über Franziskus schreiben wollten, ausgesetzt waren. „Die meisten meiner Kollegen hatten unterschrieben, dass ihre Bücher vier Wochen nach der Wahl erscheinen mussten“, erklärte Hesemann. In diesem Zeitraum sei es nahezu unmöglich, sorgfältig zu arbeiten.

„Ich konnte zum Glück bei meinem Verlag zwei weitere Monate Arbeitszeit aushandeln“, so Hesemann. Ohne diese zusätzliche Zeit wäre sicher das zweistündige Gespräch mit Papst Franziskus’ Schwester kaum möglich gewesen und das Buch damit um viele interessante Einblicke ärmer.

Wieder neugierig auf Kirche machen

Dass es mit Johannes Paul, Benedikt und Franziskus drei individuelle Päpste mit ganz unterschiedlichen Vorzügen gegeben habe, wertete Michael Hesemann schließlich als Bereicherung für die Katholische Kirche. „Papst Franziskus möchte die Menschen wieder neugierig auf die Kirche machen und ein Papst sein, der berührt“, schloss Hesemann seinen Vortrag. „Er will frischen Wind in den Glauben bringen, aber er wird die Grundsätze des Glaubens nicht über Bord werfen.“

Im Anschluss an den Vortrag konnten die Zuhörer dem Referenten noch Fragen stellen und sich vor Ort erworbene Bücher signieren lassen.

Von Björn Othlinghaus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare