Appell an Waldbesucher

Viele tote und verletzte Tiere: Jäger stellt Veränderung im Wald fest

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Viele Rehe wurden in diesem Jahr bereits von Autos angefahren.

Wie viele Stunden das Reh gelitten hat, kann Axel Schnöring nur vermuten. Der gebürtige Schalksmühler ist Jagdpächter in Linscheid und hat in den vergangenen Monaten Veränderungen im Wald festgestellt, die ihn beschäftigen. So häuften sich die Funde von schwer verletzten oder bereits qualvoll verendeten Tieren, wie Schnöring sagt.

Schalksmühle – Die Tiere seien von Autos angefahren worden, aber der Unfall wurde nicht gemeldet. So kommt es, dass die Tiere entweder schwer verletzt von Jägern zufällig entdeckt und dann erlöst werden oder dass Jäger nur noch das tote Tier finden. Bei dem eingangs genannten Fall waren noch Kratzspuren zu sehen. Die Beine des Tieres seien jedoch gebrochen gewesen – der Rehbock verendete in einem Graben, aus dem er nicht mehr herauskam. „Das muss nicht sein“, sagt Schnöring und will dafür sensibilisieren, dass Autofahrer einen Zusammenprall mit Wildtieren melden. Auch dann, wenn das Tier noch wegläuft, denn das heiße erst einmal nichts. Oft sterben die Tiere erst einige Stunden, manchmal Tage, später, etwa weil eine offene Wunde nach einem offenen Bruch sich entzündet.

Autofahrer sollten umgehend nach einem Zusammenstoß die Polizei informieren. Diese hat eine Übersicht über alle Pächter mit Kontaktadressen und kann den zuständigen Jäger Bescheid geben. Man müsse nicht einmal unbedingt bleiben, sagt Schnöring. Es reiche im Notfall auch aus, die Stelle des Zusammenstoßes mit einem Ast zu markieren, damit die Jäger ungefähr abschätzen können, wo sie das Tier finden. Er vermutet, dass die Polizei immer dann nicht informiert wird, wenn das Auto keinen Schaden genommen hat. Hat das Auto einen Schaden, muss die Polizei für die Versicherung einen Wildunfall bescheinigen.

Die Funde von schwer verletzten oder toten Tieren häufen sich. So zum Beispiel in Linscheid.

Mutmaßen will Axel Schnöring aber nicht, wie er betont. Die Gründe seien ihm grundsätzlich egal, ihm geht es um die Tiere. „Ein Unfall kann passieren, davon kann sich niemand freischreiben.“ Selbst ihm ist es vor wenigen Wochen passiert – womit Schnöring zum nächsten Punkt kommt, der ihm wichtig ist. Das Reh fuhr er an einem Sonntagnachmittag an –einer untypischen Zeit, sagt der Jäger. „Es kann wirklich überall und immer passieren.“ Aber in letzter Zeit falle ihm auf, dass die Zeiten ungewöhnlicher werden.

Immer mehr Menschen sind im Wald unterwegs

In Zusammenhang bringt er die Beobachtungen, die auch seine Kollegen machten, mit der Corona-Zeit. So seien immer mehr Menschen im Wald unterwegs – mit dem Rad oder zu Fuß. Das Problem sei nicht die hohe Frequenz, sondern dass viele Waldbesucher die Wege verlassen. „Die Tiere bekommen das sofort mit“, sagt Schnöring. „Dann werden sie panisch und laufen weg.“

Als er an einem Nachmittag im Wald spazieren war, liefen plötzlich mehrere Wildschweine über den Waldweg. „Kurz danach kamen Menschen hinterher.“ In diesem Fall waren es Pilzsammler, die mitten im Wald unterwegs waren. „Pilze findet man nicht in Dickungen“, merkt Schnöring an. Dickungen sind Bereich im Wald, die ein geschlossenes Dach von Baumkronen über sich haben. Wenig Licht dringt durch die Zweige und Äste der Bäume bis zum Boden. Aber diese „wilde Zeit“ der Pilzsammler beginnt bald. Wie die anderen Waldbesucher auch, sollen Pilzsammler auf ihre Umgebung achten.

Appell: Nicht die Tiere stören

Auffällig ist das Verhalten der Tiere vor allem in Revieren, die entweder nah an Wohn- oder Naherholungsgebieten liegen. Ob Jogger, Mountainbiker oder Spaziergänger: „Man kann es ihnen nicht verübeln, aber bitte bleiben Sie auf den Wegen“, appelliert Schnöring. Auch wer vom Weg aus am Waldesrand ein Reh entdeckt, sollte weder zu dem Reh gehen noch stehen bleiben. Oft hielten sich Wildtiere nah am Wegesrand auf und sind an den Verkehr auf den Wegen gewöhnt. Wer sie entdeckt, sollte einfach weitergehen, damit sich die Tiere nicht gestört fühlen.

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