Corona und Seniorenheime

Online-Visite minimiert Risiko - Videosprechstunde im Seniorenpark Reeswinkel

Seniorenpark Reeswinkel, Videosprechstunde, Corona
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Online-Visite im Seniorenpark: Bewohnerin Irmhild Theofel (rechts) kann trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zusammen mit Schwester Claudia Wiedenhorn (Mitte) mit Dr. Elke Koling ins Gespräch kommen.

Gerade Bewohner in Seniorenzentren müssen während der Corona-Pandemie viel entbehren. Nicht nur, dass sie keinen oder kaum Besuch von ihren Angehörigen bekommen können, auch zahlreiche Termine mit Ärzten und anderen fallen weg.

Schalksmühle - „Während des ersten Lockdowns habe ich noch gedacht, dass das alles aufgrund der eigenen Erfahrung und der der Kollegen normal weiter läuft. Doch es ist schwierig, wenn man so lange keinen Kontakt zu den Patienten und dem Personal in den Pflegeheimen hat“, erklärt Dr. Elke Koling, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Geronto-Psychiatrischen Zentrum (GPZ) Iserlohn. „Den Bewohnern ging es beim ersten Lockdown schlecht, weil etwa Physio- oder Ergotherapeuten nicht mehr in die Heime kommen.“

„Patienten nicht im Regen stehen lassen“

Die Neurologin, die seit 20 Jahren aufsuchende Versorgung in Alten- und Pflegeheimen anbietet und seit 2010 auch mit einer Schalksmühler Einrichtung zusammenarbeitet, fasste den Schluss, die Patienten nicht wieder im Regen stehen zu lassen. „Es geht nicht, dass ich nicht zur Verfügung stehe. Man muss neue Wege gehen und der Seniorenpark Reeswinkel ist für solche Dinge offen.“ Deshalb machte die Ärztin den Verantwortlichen vor Ort im Seniorenpark Reeswinkel einen Vorschlag.

Man freue sich, dass man nun erste Praxiserfahrung mit dieser Art der Telemedizin machen könne, betont Heimleiter Steffen Mischnick, dessen Einrichtung zu einem Modellheim für Online-Visiten geworden ist. „Gerade zurzeit ist es sinnvoll, das Risiko für beide Seiten, Arzt und Einrichtung, auf diese Art zu minimieren. Fernsprechstunden können eine sinnvolle Ergänzung und Vervollständigung der ärztlich/medizinischen Betreuung sein.“

Es geht nicht, dass ich nicht zur Verfügung stehe.

Dr. Elke Koling, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Während Videosprechstunden über Skype oder Whatsapp aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich sind, können die Ärztin und die Bewohner über das Programm Red connect in Kontakt treten. Vor gut zwei Wochen starteten die Verantwortlichen eine Probevisite, bei der unter anderem die Bandbreite für den Wlan-Empfang getestet wurde. „In Reeswinkel gibt es trotz der Abgelegenheit ein erstaunlich gutes Netz. Zudem gibt es hier eine sehr technikaffine Heimleitung“, freut sich Dr. Elke Koling.

Um die Sicherheit der Bewohner und auch der Mitarbeiter im Seniorenpark gewährleisten zu können, gelten in der Einrichtung strenge Corona-Schutzmaßnahmen.

„Wir wollten einmal an einem Projekt zur zahnmedizinischen Betreuung unserer Bewohner teilnehmen. Dies scheiterte unter anderem daran, dass die aktuelle Internetgeschwindigkeit für eine Diagnostik, die auf eine gute Bildqualität angewiesen ist, zu langsam ist. Dieses Thema ist ja dankenswerterweise in Schalksmühle bald Vergangenheit“, sagt Steffen Mischnick. Die aktuell noch langsame Geschwindigkeit sei bei reinen Gesprächsterminen aber kein Hindernis.

Große Motivation statt hoher Gewinn

Der Kontakt zu den Patienten sei gerade in Seniorenheimen aufgrund der besonderen Lebenssituation dringend notwendig. „Wir haben einen Versorgungsauftrag, wir müssen für die Menschen da sein“, betont die Neurologin. Dieser Einsatz erfordere auch eine hohe Motivation des Heims. „Das funktioniert nicht, wenn die Einrichtung nur auf den Gewinn fokussiert ist und die Mitarbeiter nur Dienst nach Vorschrift machen.“

Während die Ärztin sonst in Schutzkleidung durch das Haus am Hagen ging, trägt Schwester Claudia Wiedenhorn nun einen Laptop zu den Bewohnern, die dann per Videokonferenz mit Dr. Koling sprechen können. „Per Video ist es authentischer, zumindest ist es eine gute Alternative.“ Gerade im Bereich der neurologischen Medikation könne man so schnell reagieren. Davon profitieren auch die Bewohner, da eventuelle stationäre Aufenthalt so verhindert werden können, so die Neurologin. Der Heimleiter sieht über Corona hinaus Vorteile für die Bewohner, da man so auf schnellere Termine auch mit anderen Fachärzten hoffen kann.

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