A45-Mordprozess Polizei verwanzte Auto

SCHALKSMÜHLE ▪ Der erkrankte Schöffe ist wieder an Bord, doch wie es mit dem A45-Prozess nun weitergeht, ist noch offen.

Einerseits wurden vorsorglich Termine bis Oktober verabredet, andererseits sprach die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen am Freitag davon, dass die Kammer durchaus geneigt sei, die Beweisaufnahme zu schließen. Dr. Frank Nobis, Anwalt des „finnischen“ Onkels der Iptehal A., trug eine Erklärung vor.

Allerdings nahm diese weiterhin nicht zu einem möglichen Tatbeitrag seines Mandanten Stellung, der vom Bruder der Getöteten schwer belastet worden war. Stattdessen widersprach der Anwalt der Verwertung der Aussagen des mitangeklagten Bruders. Dieser habe nach seiner Erklärung nur eingeschränkt Fragen beantwortet. Dadurch habe sein Mandant nicht die Gelegenheit gehabt, belastende Aussagen unmittelbar zu hinterfragen.

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Dieses „Recht auf konfrontative Befragung“ stehe einem Angeklagten auch gegenüber einem Mitangeklagten zu. Andreas Trode, Verteidiger des Bruders, wies den Vorwurf zurück. Der „finnische“ Onkel habe im Laufe des Verfahrens überhaupt keine Angaben zur Tat gemacht. Da sei es schon überraschend, dass sein Anwalt Klage darüber erhebe, in welchem Umfang ein Mitangeklagter sich vor Gericht äußere. Zur Entlastung seines finnischen Mandanten trug Anwalt Frank Nobis einen ergänzenden Beweisantrag vor: Das Gericht solle dessen Familie laden, die bezeugen könne, dass sie einen weltoffenen, toleranten Lebensstil gepflegt habe. Auch diesen Antrag wies Verteidiger Andreas Trode als „bedeutungsloses Beweismittel“ zurück: „Das, was die Familie bezeugen kann, erlaubt nicht den zwingenden Schluss, dass der Angeklagte nichts gemacht hat.“

Als wenig ergiebig stellte sich eine Abhörmaßnahme der Polizei heraus: Nach Iptehals Tod waren ihr später verurteilter Cousin und dessen Vater, der jetzt mitangeklagte „deutsche“ Onkel, bei der Polizei in Hagen vernommen worden. Während dieser Vernehmung „verwanzten“ die Beamten das Auto, mit dem die Beiden gekommen waren. Zwei Gutachter für die kurdische Sprache trugen am Freitag vor, was der Inhalt der auf diese Weise abgehörten Gespräche war. Neben dem Problem einer verdorbenen Mortadella und Koranrezitationen gab es immerhin Andeutungen zur abgegebenen DNA-Probe, zur Frage des Besitzes einer Pistole und einen bemerkenswerten Kurzdialog: „Ich habe ihnen alles gesagt.“ - „Ich auch.“

Vorgetragen wurde am Freitag auch die Abfrage beim Bundeszentralregister der Straftaten. Demnach sind zwei der vier Angeklagten geringfügig vorbestraft. Iptehals Bruder stand im Jahr 2007 wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Damals war er 15 und kam mit einer richterlichen Weisung davon ▪ thk

Der Prozess wird am Dienstag ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

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